32. gemähter Grashalm

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Glücklich grinsend starrte ich auf meinen Maorikurs vor mir, der leise applaudierte. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Ich, Alia Leighton, hatte gerade ein Referat gehalten.

"Vielen Dank Alia und Bennet", sagte Mr. Hanson nun und klatschte ebenfalls leicht in die Hände. "Ich konnte sehen, dass sich eure Auren immer mehr entspannt haben", bemerkte er dann noch und ab diesem Moment hörte ich nicht mehr wirklich zu. War das sein ernst? Obwohl ich es geschafft hatte, das Referat zu halten, war es mir dabei keineswegs gut gegangen. Mein Magen war Achterbahn gefahren und jedes Wort war ein kleiner Kampf gewesen. Aber ich hatte sie alle gewonnen und das war es, was zählte.

Bennet schloss unsere Präsentation und die nächste Gruppe begann schon sich vorzubereiten, während wir uns noch auf unseren Platz setzten. Zum ersten Mal seit langem fühlte ich mich wirklich entspannt und glücklich. Ich hatte wenigstens eine meiner Ängste zum Teil besiegt und das war mehr, als ich jemals zu hoffen gewagt hatte. Und Bennet hatte einen nicht gerade kleinen Teil dazu beigetragen. Ich sollte mich wirklich irgendwie bei ihm bedanken. Das war ich ihm echt schuldig.

Nach der Stunde, in der wir noch zwei weitere Referate gehört hatten, lief ich schnell aus dem Klassenzimmer hinaus in den Flur. Ich verspürte immer noch ein ziemliches Hochgefühl. In diesem Mo ment hätte ich meinen Erfolg zu gerne mit jemandem geteilt, doch Sarah, Jenna oder Jack kamen dafür nicht mehr in Frage. In solchen Momenten bereute ich es tatsächlich, sie vergrault zu haben, doch letztendlich war es besser so.

Ich überstand den restlichen Schultag ohne weitere Zwischenfälle und fuhr dann nach Hause, wo mein Dad und Elly zum Glück nicht zu hause waren. Die ganze Woche über hatte ich sie meist ignoriert und so viel Zeit wie möglich in meinem Zimmer verbracht. Einem Zimmer, dass sich immer noch unglaublich fremd anfühlte.
Das mit dem Hausarrest hatte sich bisher als nervig erwiesen, jedoch hatte ich es immer wieder geschafft zu entwischen und einige Zeit in dem Park im Gras zu verbringen. Da beim ersten Mal niemand etwas bemerkt hatte, hatte ich ein wenig Zuversicht geschöpft und das ein oder andere Mal nachts ein paar Stunden im Gras verbracht.
Wie sehr ich den Sommer doch vermisste. Das wirklich frische Gras, die großen Wiesen voll von frisch gemähtem Gras und ich mittendrin. Doch leider würde es noch eine Weile dauern, bis das wieder so weit war.

Mit meinem Essen auf dem Schoß setzte ich mich vor den Fernseher und zappte durch die Kanäle. Bei der Übertragung irgendeines Rugbyspiels blieb ich schließlich hängen. Der Air NewZeland Cup hatte vor ein paar Tagen wieder angefangen und gerade spielte Aucklands Mannschaft gegen die von Tauranga. Obwohl ich mich selbst nicht so besonders für Rugby interessierte, hatte ich in Neuseeland angefangen wesentlich mehr Rugby zu schauen als früher in England.
Ein wenig enttäuscht stellte ich fest, dass ich den traditionellen Haka der Mannschaften am Anfang verpasst hatte. Der Kriegstanz der Maori war jedes Mal aufs neue interessant anzuschauen. Wann sah man sonst schon muskelbepackte Männer mit den Augen und Zungen rollen und animalische Geräusche von sich geben?

Nachdem ich fertig gegessen hatte, schaltete ich das Rugbyspiel aus. Es war nicht besonders spannend gewesen und ich würde bald schon wieder ins Mythos müssen und davor wollte ich noch duschen.

Abends im Mythos konnte kein Kunde meine gute Laune trüben. Da ich ansonsten doch eher für eine etwas ruppige und kühle Art bekannt war, wurden Mia und unser Kollege Mick misstrauisch.

"Okay gibs zu. Du hast was genommen stimmts?" Mick schaute mich kritisch an und kam dann immer näher bis seine Nase meine fast berührte. Trotz meiner guten Laune, war mir eine solche Nähe immer noch nicht so ganz geheuer und ich wich vorsichtig einen Schritt zurück.

"Okay, deine Pupillen sind normal groß. Und dass du nicht ganz auf Körperkontakt aus bist ist tatsächlich auch normal", analysierte Mick und grinste mich lauernd an. "Aber irgendwas ist trotzdem anders." Er überlegte kurz und grinste dann noch viel breiter. Ihm schien ein Geistesblitz gekommen zu sein. "Wie heißt der Typ? Los spucks aus."

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!