~Shakespeare & a blonde goddess~

Ich konnte nicht anders als zu starren. Das konnte wirklich nicht wahr sein. Wieso musste ich mit dem kompliziertesten, blödesten Jungen in einem Mathekurs sein? Wieso ging er überhaupt in meinen Jahrgang? Ich hätte ihn mindestens 19 Jahre geschätzt. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass er noch zur Schule ging.

„Naja, ganz wie der B-..."

Mr. Court schien etwas sagen zu wollen, stoppte sich aber selbst mitten im Satz. Dieses Mal ziemlich abrupt und wenn man genauer hinsah, erkannte man, dass sich seine Augen vor Schock geweitete hatten. Etwa wegen dem, was er vorhatte zu sagen? Ist ja lächerlich.

Aber als ich mich im Klassenzimmer umsah, schien jedem das Grinsen vergangen zu sein. Sie starrten alle betreten auf die Tischplatte und bemühten sich nicht nach vorne zu schauen. Was zur Hölle?

Als ich zu Reece sah, bemerkte ich, wie er seine Lippen aufeinander gepresst hatte und sein Blick kalt an dem Lehrer vorbei nach draußen ging.

„Wie auch immer." , räusperte sich Mr. Court, als er sich wieder gefangen hatte. „Setz dich!"

Mittlerweile war die Stimmung so abgekühlt, dass ich mich langsam ziemlich unwohl fühlte.

Verstohlen beobachtete ich Reece dabei, wie er sich mit eiserner Mine durch die Reihen bewegte. Als er genau in der zweiten Reihe ankam, hörte ich nochmal die Stimme von Mr. Court. Dieses Mal schrie er fast, was mich merklich zusammen zucken ließ.

„Reece? Setz dich neben Madison. Vielleicht fängst du dann an dem Unterricht etwas Beachtung zu schenken."

Oh nein! Nein, nein, nein! Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Schließlich war er das letzte Mal, als ich ihn gesehen hatte mit einem ziemlichen kalten Abgang verschwunden.

„Mr. Court..." , fing Reece an zu widersprechen, aber der Lehrer ließ ihn nicht ausreden.

„Nein. Ich habe über deine Unpünktlichkeit hinweg gesehen. Setz dich sofort hin!"

Dieses Mal klang die Stimme meines Mathelehrers bestimmend und duldete keine Widerrede.

Ich erwartete ein freches „Hey, Mad" , als sich Reece neben mich setzte. Aber ich wurde enttäuscht. Er warf mir nicht einmal einen Blick zu.

Völlig verwirrt und verkrampft saß ich also auf meinem Stuhl und machte mir mehr Gedanken, als ich es eigentlich sollte, warum er auf einmal so kalt war.

Vorsichtig warf ich ihm einen Seitenblick zu und was ich sah, brachte mich noch mehr aus der Fassung.

Er las.

Im Matheunterricht.

Und so wie es aussah, war es kein Sportmagazin oder der Playboy.

Nein, es war Shakespeare.

Ich hatte bestimmt eine Weile mit offenem Mund auf das Buch gestarrt. Denn als mein Blick weiter nach oben ging, sah ich direkt in strahlend-grünen Augen, die mich mit einem unergründlichen Ausdruck musterten.

Schnell sah ich zur Seite und konnte zu meinem Leidwesen nicht verhindern, dass sich meine Wangen leicht rosa färbten.

Für den Rest der Stunde versuchte ich mich auf das zu konzentrieren, was Mr. Court uns versuchte zu erklären. Aber ich scheiterte kläglich daran. Reece Blick, der mich ab und zu eindringlich musterte, ließen mich jedes Mal fast aufs Neue erröten.

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