~First day~

„Willkommen, Madison. Ich bin Mr. Court. Du kannst dir einfach einen Platz suchen."

Mein Mathelehrer, der auf die fünfzig zu gehen müsste, beachtete mich kaum. Viel zu beschäftigt war er damit seinen Zirkel, Stifte und sein Geodreieck mit dem gleichen Abstand zueinander auf das Pult zu legen. Ich konnte nicht anders als verwirrt zu zusehen.

Mein Morgen fing schon scheiße genug an. Zu aller erst hatte ich leicht verschlafen und musste mein Make-up somit auf das minimalistische zurückfahren. Versteht mich nicht falsch, ich bin keine, die sich eine Tonne Schminke ins Gesicht klatscht. Aber ich liebe es, mir dezent die Augen zu betonen, sodass ich nicht total übermüdet aussah, wenn ich mal wieder bis spät in die Nacht gelesen oder an einem Blog-Post gearbeitet hatte. Außerdem war nichts Falsches daran seine Unebenheiten etwas auszugleichen. Wenigstens konnte ich etwas Abdeckstift auftragen. Meine Augen hatte ich mir dann im Auto getuscht. Notgedrungen musste ich mich von meiner Mutter fahren lassen. Ab morgen fuhr ich mit dem Fahrrad in die Schule.

Zur Krönung hatte mir die Sekretärin liebevoll klar machen wollen, dass ich in der ersten Stunde Mathematik hatte. Ich hätte ihr am liebsten auf den Rock gekotzt. Aber sie konnte vermutlich überhaupt nichts dafür.

Schließlich riss ich meinen Blick von dem, leicht zwanghaft handelndem, Lehrer und machte mich daran mir einen Platz in dem halbvollem Raum zu suchen.

Obwohl meine Kleidung mich wahrscheinlich wie ein Streber aussahen ließen -meine Brille nicht zu vergessen, die ich zum Lesen brauchte- war ich das auf keinen Fall. Jedenfalls nicht in Mathematik. Meine alte Lehrerin, Mrs. Donald, konnte mich auf den Tod nicht ausstehen. Vermutlich, weil ich ihr ein bisschen zu sehr gezeigt hatte, dass ich ihrem Fach nichts abgewinnen konnte. Hoffentlich würde das mit Mr. Court anders werden. Aber so wie er aussah, dürfte das wohl keine Probleme sein. Sein viel zu großes T-Shirt auf dem der Satz von Pythagoras aufgedruckt war, hatte er zu einer blauen, völlig abgewetzten alten Hose kombiniert, die ihm wie ein nasser Sack herunterhing. Von seinen Hausschuhen wollte ich gar nicht erst anfangen.

Das konnte ja ein tolles Schuljahr werden!

Völlig unmotiviert ließ ich mich auf einen Stuhl in der dritten Reihe fallen. Hier war ich nicht zu weit hinten, aber auch nicht zu weit vorne. Ich hoffte einfach bloß, dass mich Mr. Court verschonen würde. Ich konnte mich glücklich schätzen, wenn ich es schaffte eine Gleichung aufzulösen.

Wahrscheinlich sah es einsam und verzweifelt aus, wie ich zur Türe sah und hoffte, dass irgendjemand hereinkommen würde, der sich zu mir setzen würde. Aber falsch gedacht!

Während die Mädchengruppen sich kreischend um den Hals fielen und sich einen Platz irgendwo suchten, begrüßten sich die Jungs mit einem kurzen Handschlag und verstreuten sich ebenfalls im Raum.

Wenigstens saß ein Mädchen mit ihrer Freundin neben meinem Tisch, sodass ich zwar immer noch keinen Sitznachbar hatte, aber wenigstens rechts von mir jemand saß, den ich im Falle eines Falles um Hilfe bitten konnte. Ich lächelte die beiden Mädchen also freundlich an und wer weiß, vielleicht hätten sie mit mir gesprochen, aber dann klingelte es und der Lehrer funkte dazwischen.

„Guten Morgen!" , rief er durch das gesamte Klassenzimmer.

Ein paar Schüler erwiderten ein gemurmeltes Morgen, aber da hatte sich Mr. Court auch schon der Tafel zugewandt, auf die er feinsäuberlich anfing zu schreiben.

„Ihr bringt bitte jede Stunde euren Taschenrechner, die Formelsammlung, einen Bleistift, einen Zirkel und ein Geodreieck mit. Das legt ihr dann griffbereit auf euren Tisch."

Na toll! Ein überkorrekter Mathelehrer. Das fehlte mir noch!

„Außerdem bringt jeder sein eigenes Buch mit. Wer mit seinem Banknachbarn redet, wird ohne Vorwarnung aus meinem Unterricht verwiesen und muss sich umgehend beim Rektor melden. Wenn ihr Fragen habt, dann fragt mich und nicht euren Partner."

Und ich dachte, er wäre ein relaxter Mathelehrer. Von wegen. Wie der erste Eindruck täuschen konnte.

„Nun kommen wir zu den interessanten Themengebieten, die wir in der elften Klasse behandeln werden. Ich finde, dass diese sehr spannend sind, wie eigentlich alles in der Welt der Mathematik, und..."

Gerade, als ich in Erwägung zog mich zu melden und zu fragen, ob er wegen seiner psychischen Probleme schon in Behandlung ist, stoppte Mr. Court plötzlich in seinem Redeschwall. War auch besser so.

„Soso, wieso wundert mich das jetzt nicht?" , meinte der Lehrer dann.

Ich sah mich verwirrt um, während ein paar Leute schon anfingen zu grinsen und zu kichern. Die Mädchen neben mir verdrehten genervt die Augen.

Und dann sah ich ihn auch.

Schmunzelnd in der Tür stand niemand anderes als Reece Winchester.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Hey,

Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat:)

Maddies Outfit ist verlinkt.

Über Meinungen würde ich mich sehr freuen.

Bis dann,

Eure Liz <3

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!