31. gemähter Grashalm

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Am Morgen nachdem Alia bei mir gewesen war, wachte ich recht früh auf, da mein Wecker laut schrillte. Gestern Abend noch in den Knochen - es war ziemlich spät geworden, bis Jesse und Amalia gegangen waren - setzte ich mich nach dem dritten Schlafmodus auf und streckte mich ausgiebig. In fast einer Stunde würde ich schon im Paradise stehen und irgendwelche Leute bedienen.

Ich duschte, frühstückte und machte mich dann auf den Weg. Unterwegs hörte ich Mayday Parade auf Dauerschleife. Immer wenn You're Dead Wrong kam, musste ich unwillkürlich an Alia denken und ein leichtes Lächeln schlich über mein Gesicht. Seit gestern hatte ich das Gefühl, ihr einen ganzen Schritt näher gekommen zu sein.

Im Paradise selbst war ich den ganzen Vor- und Nachmittag beschäftigt. Es war brechend voll und ich hatte kaum eine freie Sekunde. Pepe und ich liefen wie aufgescheuchte Wiesel zwischen den voll besetzten Tischen hin und her und versuchten jedem Gast irgendwie gerecht zu werden.

Gegen vier hatte ich den Wahnsinn endlich überstanden und konnte nach Hause gehen. Ich verabschiedete mich von den Kollegen, die das Pech hatten, noch ein bisschen da bleiben zu müssen und lief dann zur nächsten Haltestelle. Während ich auf meine Bahn wartete, warf ich einen kurzen Blick auf mein Handy. Drei neue Nachrichten. Eine von meinem Bruder, eine von Jesse und eine von jemandem, von dem ich sie nie erwartet hätte: Alia.

Gespannt öffnete ich sie sofort. Nur dass du's weißt. Mein Dad glaubt ich war Freitag auf Samstag mit dir in der Disco. Also falls er mal fragen sollte.
Was sollte das denn jetzt heißen? Ich hatte keine Ahnung, also beschloss ich, zurück zu schreiben.

Ich schrieb fast den ganzen Nachmittag mit Alia, während ich nebenher alle möglichen Dinge erledigte, die man eben so tun musste. Doch die ganze Zeit lag mein Handy immer griffbereit neben mir, damit ich mitbekam, wenn Alia wieder schrieb.
Das, was wir schrieben, erschien mir die ganze Zeit so viel intimer und persönlicher als alles, was ich jemals mit ihr gesprochen hatte. Ich wusste immer noch nicht allzu viel über sie, aber hatte nun wenigstens das Gefühl sie nun durch ihre Art zu schreiben besser kennen zu lernen. Außerdem merkte ich, dass sie nicht nur diese ernste, verschlossene Alia war. Das hatte ich zwar geahnt und auch gehofft, aber ich hatte nie den direkten Beweis dafür gehabt, dass sie auch sarkastisch oder humorvoll sein konnte.

Ich wurde den ganzen Tag über immer glücklicher und als Jesse am Abend fragte, ob ich Zeit für eine Bandprobe hatte, musste ich ihm so offensichtlich voll im Glückshormonrausch geantwortet haben, dass er gleich fragte, was los sei.

Bist du heute in einen Glückstopf gefallen? Oder hast du dich nur verliebt?

Beides. Aber das verliebt war ja schon klar...

Die Probe lief auch super und danach fing Jesse auch sofort an, mich aus zu quetschen.

"Und jetzt erzählst du mir bitte sofort, was sie gemacht hat, dass du heute so strahlst", befahl er mir, kaum hatte er seine Drumsticks vom Schlagzeug genommen.

"Nun vielleicht gibt es Fortschritte, was Alia betrifft", sagte ich langsam und gegen Ende machte sich ein immer breiter werdendes Grinsen auf meinem Gesicht breit.

"Glückwunsch man", grinste Jesse und klopfte mir auf die Schulter. "Aber zeig ihr vielleicht nicht allzu sehr, dass du dich jetzt in einen hoffnungslosen Romantiker verwandelt hast."

"Ich werd mich zurückhalten", versprach ich. "Auch wenn's schwer wird."

Adam und Cole begannen zu lachen und beglückwünschten mich danach jedoch auch. "Dann musst du sie uns aber bald mal richtig vorstellen", forderte Cole grinsend. "Bei dem Konzert haben wir sie nicht wirklich gesehen, weil immer du Getränke holen gegangen bist."

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!