Gerüchte

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Lurion pov.


Die Angreifer verschwanden so schnell wie sie auch gekommen waren. Es gab vom Angriff nur wenige Verletzte und einen einzigen Toten. Der Junge hatte ebenfalls Wachdienst und stand am Tor, als ein Pfeil sich in seine Luftröhre bohrte und er an seinem eigenen Blut erstickte. Man munkelte das die Angreifer hinter den Schätzen der Stadt her waren. Jedoch lag es klar auf der Hand das es sich bloß um eine Warnung handelte. Alle die Wachdienst hatten, versammelten sich um den Hauptmann der Wache. Ein groß gewachsener, bulliger Mann mit kurzem Haarschnitt und kleinen Frettchen Augen. Er befahl uns zurück auf die Posten zu gehen. Einige waren ängstlich und wollten wissen was denn genau geschehen ist. Sie bekamen keine Antwort und wurden zurück auf ihre Posten geschickt. Bevor ich zurück auf die Mauer ging, bemerkte ich von der Seite das ein Offizier zum Hauptmann lief und ihm mit ernster Mine einen Brief übergab, der an einem Pfeil befestigt war. Darüber nachgrübelnd ging ich zurück auf meinen Posten. Es bestand kein Zweifel das dieser Brief vom Angreifer kam. Ich blickte kurz zurück zum Hauptmann und dem Offizier, doch beide waren verschwunden.

Erschöpft vom Wachdienst ging ich zurück ins Quartier. Ich hatte meine Schicht mit anderen gewechselt und konnte mich endlich etwas ausruhen. Es wurde uns überlassen ob wir in den 4 Stunden entweder schlafen, was die meisten bevorzugten, oder in der Stadt etwas unternahmen. Ich entschied mich zum ersten Mal in der Stadt mich etwas umzuschauen. Außerdem hatte ich noch einen Auftrag. Ich schnappte mir aus meinem Zimmer meine zwei Dolche die ich mir früher einmal selbst geschmiedet hatte. Den kleineren befestigte ich unter meiner Hose an mein Bein, den anderen schnallte ich gut sichtbar an meinen Gürtel. Dann packte ich noch den Geldbeutel ein, den man mir gegeben hatte für meinen kleinen Auftrag. Mit raschen Schritten ging ich aus dem Zimmer, schloss die splitternde Holztür hinter mir und trat aus dem Quartier nach draußen. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich die Aufseher. Man ließ uns wirklich nie aus den Augen... Ich ging aus dem Lager. Ich bog in eine Seitenstraße ein und schlenderte diese entlang. Dabei hatte ich das unangenehme Gefühl beobachtete zu werden. Ruckartig drehte ich mich um. Konnte jedoch niemanden sehen. Zögernd ging ich weiter. Sicherheitshalber kletterte ich auf einen Holzhaufen und sprang etwas ungelenk hoch. Ich zog mich auf das krumme Dach einer kleinen heruntergekommenen Taverne und balancierte leichtfüßig über das Dach. Ich schaute mich um, ob nicht doch mich jemand verfolgte, wurde aber von einem hochseetüchtigem Fischerboot abgelenkt, dessen Segel sich nun,da es am Steg festgemacht wurde,strahlend weiß vor den roten Klippen abhoben. Eine Zeit lang ließ ich meinen Blick darauf ruhen, dann fluchte ich mit einem Mal, als mir einfiel,dass ich versprochen hatte, an diesem Morgen für die Kantine des Lagers Fisch zu besorgen. Manchmal wurden uns Lehrlingen solche Aufträge erteilt. Ich fragte mich deshalb ständig warum sie nicht einfach einer Küchenhilfe das aufgaben, anstatt uns. Ich sprang vom Dach und scheuchte dabei eine Scharr frei laufender Hühner auf. Ich ging schnell weiter und bemerkte einen angetrunkenen Mann. Als ich noch mit den Straßenbanden herumgezogen bin,hätte ich mitten auf den dichtgedrängten Marktplätzen so einem angetrunkenen Mann die Brieftasche entwenden können, ohne dass jemand Verdacht geschöpft hätte. Aber diese Zeiten gehörten der Vergangenheit an. Ich ging Kopf schüttelnd weiter und erreichte das Seefahrer-Viertel. Die Straßen waren um diese Zeit ungewöhnlich leer. Als ich mich jedoch dem Marktplatz näherte, wurden die Gassen mehr und mehr belebter. Ich hörte bereits die Stand Verkäufer, die ihre Waren anpriesen. Handels Karren befüllt mit frischem Gemüse fuhren an mir vorbei, gezogen von schnaubenden Pferden. Der Markt befand sich auf einem riesigen Platz, der von allen Seiten von hohen Gebäuden umringt wurde, in denen Geschäfte, Tavernen und Schenken untergebracht waren. Ein Kreis von Karren und Ständen füllte den Hauptteil der offenen Fläche. Bunt gemusterte Tücher waren über Stangen gespannt, um die Waren vor der Sonne zu schützen. In der Mitte befand sich ein keiner Brunnen. Die Szenerie war ebenso befremdlich als auch vertraut. Die Menschen lärmten hier nicht, sowie ich es gewohnt war aus meiner Heimat. Verkäufer drängten sich zusammen und schauten mit sorgenvoller Miene in den Himmel. Gänsemägde steckten die Köpfe tuschelnd zusammen. Die Kunden stöberten nur halbherzig in den Waren und ihre Versuche, um den Preis zu feilschen, waren leise und ohne jeglicher Begeisterung. Ich schaute mich fragend um. Normalerweise sind die Bewohner von Ragnorr laut und schnappten schnell bei jeglicher Ware zu. Ich ging zu einem Verkäufer der ebenfalls besorgt zum Himmel hinauf starrte. ,, Entschuldigen sie werter Herr. Können sie mir sagen was geschehen ist. Alle scheinen so besorgt." Der Verkäufer mit der ergrauten Haarpracht,  musterte mich kurz und sprach leise ,, Haben sie denn nichts von den Gerüchten gehört? Das wild gewordene Drachen, die vorher zahm waren ganze Dörfer angegriffen haben." Ich zuckte mit den Schultern. ,, Aber das sind sicherlich doch wohl nur Geschichten von Leuten die wegen den Angriff von gestern Nacht die Panik schüren wollen." Der Verkäufer sah mich stirnrunzelnd an.,, Warum sollte denn irgendjemand solche Lügen erzählen?" ,, Ich weiß es nicht. Aber Drachen töten nicht einfach Menschen. Drachen sind feinfühlige Wesen die dem Töten von Lebewesen vermeiden. Nur wenn sie ihre Pflicht im Dienste der Drachenritter tun müssen, bekämpfen sie sich. " Der Verkäufer warf mir einen finsteren Blick zu.,, Ich würde ihnen raten das ernst zu nehmen. Und jetzt entschuldigen sie mich." Der Verkäufer wandte sich um. Mir war es gleich und ich drehte mich ebenfalls ab. Drachen die anfingen Menschen zu töten? Was hatte das zu bedeuten? Glauben konnte ich das nur schlecht. Es konnte auch sein das es andere wilde Bestien waren, die Drachen nur ähnelten wie zum Beipsiel die Aráksir. Aráksir hatten einen Schlund voller Zähne und lange Krallen. Sie sahen aus wie Drachen, nur hatten sie eher Fledermaus artige Flügel, ihre Haut war schwarz und sie hatten eine Breite Schnauze. Diese Viecher waren wirklich Ausgeburten der Unterwelt. Wenn man einem begegnet, sollte man immer mit dem schlimmsten rechnen, da sie immer in der Gruppe jagen. Drachen waren unsere Beschützer und unsere Verbündeten. Das alles ergab keinen Sinn... Mein Magen knurrte, als ich an einer Obst Verkäuferin vorbeikam, die gerade erst ihre Waren auslegte. Ich steckte nach Münzen suchend die Hände in die Hosentaschen, jedoch waren diese leer. Und die Münzen im Beutel waren für den Fisch. Seufzend ging ich weiter. Ich setzte mich auf eine Bank und hielt mir den Bauch der wild knurrte. Unmittelbar neben mir  wartete ein großer Mann mit einem schwarzen Wams, der ein Breitschwert an der Hüfte trug und mit aufmerksamen Blicken die Gegend absuchte. Seine Haut war sonnengebräunt, und das dunkle Haar hing ihm bis auf die Schultern. Auf seinem Kinn lag der Schatten eines Bartes, der seit ein oder zwei Tagen nicht mehr abrasiert worden war. Mein Magen machte ein Satz, als ich ihn erblickte. Männer wie er machten mich nervös und so beugte ich mich unauffällig vor und tat so als ob ich an meinen Sandalen etwas sehr interessantes entdeckt hatte. Das schwarze Wams kennzeichnete ihn als ein Mitglied der Stadt Einheit, der Elitekämpfer. Einer wie ihn sollte man besser nicht auf sich aufmerksam machen, denn das war weitaus schlimmer, als den Aufsehern aufzufallen. Man erzählte hier in der Stadt das die Jäger der Elitekämpfer alles und jeden aufzuspüren vermochten und dass ihre Alchemisten den eigenen Geist nach Belieben in jede Richtung lenken konnten und ihre Geister in die Körper anderer fährt sodass sie von ihnen Besitz ergreifen können. Bei ihnen handelte es sich um die mächtigsten und am meisten gefürchteten Gesetzeshüter Ephistus. Unauffällig sah ich weiter auf meine staubigen Sandalen und fragte mich was so ein solcher Mann in diesem Teil der Stadt verloren hatte. Erleichtert bemerkte ich das der Mann sich abwandte und mit anderen in einem Gespräch vertieft war. Vorsichtig stand ich auf und ging auf Abstand. Während ich mir einen schattigen Platz suchte um mich etwas  auszuruhen, dachte ich zurück. Damals als ich in der Straßenbande war, gab es bei all diesem Trubel und Stimmengewirr immer leichte Beute für Diebe. Jedenfalls bevor man die Straßenbande gefangen genommen hatte. Ich war froh, dass ich die Bande bereits verlassen hatte, als man sie unter ihre Fittiche genommen hatte, wie sie es nannten. Ich setzte mich auf die Kante einer kleinen Steinmauer und beobachtete einen Verkäufer, der Fleisch auf Spieße steckte. Ich rieb mir über meine eingerissenen Nägel. Ich erinnerte mich daran wie wütend mein Vater auf mich war, als er herausfand das ich ein dreckiger Dieb geworden bin. Mein Vater war ein angesehener Mann gewesen, bevor er in einem Hinterhalt geriet und seine rechte Hand verlor. Seitdem wollte kein einziger Arbeitgeber ihm Arbeit geben. Sie sagten er wäre nun ein Krüppel und könne nichts mehr erreichen. Er war ein gebrochener, alter Man. Ich wollte ihm helfen und wurde deshalb zum Dieb. Doch er verstand es nicht. Ich legte meinen Kopf in den Nacken. Meine Mutter ist abgehauen als mein Vater zum Krüppel wurde und die Familie nicht mehr ernähren konnte. Wahrscheinlich ist sie mit einem anderen Mann durchgebrannt. Ich verpasste mir selber eine leichte Ohrfeige. Wenn ich zu sehr an die Vergangenheit nach denke, ertrinke ich noch in ihr. Mir fiel ein das ich ja noch die Fische holen musste und stand auf. Ich wandte mich vom Gedränge ab und ging zu einem der Stände. Hier roch es streng nach Fisch und Meeresfrüchten. Ein dickbäuchiger Verkäufer, dessen Gesicht mich irgendwie an einen verletzten Hund erinnerte, sah mich abwartend an. Ich durchsuchte mit meinem Blick die Auslage. Ich zählte die Bestellung auf und der Verkäufer packte mir die Fische in zwei große, geflochtene Körbe. Die Körbe kosteten extra und so hatte ich nur noch zwei Silbermünzen im Beutel. Und diese musste ich dem Koch zurück geben, der die Bestellung aufgegeben hatte. Ich packte die schweren Körbe an den Griffen und drängte mich an den Menschen vorbei, Richtung Hafen. Ich hatte noch genügend Zeit um mich weiter hier um zusehen. Die salzige Seeluft stieg mir in die Nase, als ich schließlich Steg am Hafen erreichte. Ich schaute in das dunkle Wasser,die mächtige Kaizunge sah aus wie ein steinerner Arm, der auf den Rand der Welt zeigte und das Meer ähnelte einem Tuch aus Seide. Ich stellte die Körbe neben mir schnaufend ab und setzte mich an den Rand des Piers. Ich ließ die Beine baumeln und genoss die frische Salzluft. Ich hörte plötzlich ein Aufbrausen und ein starker Wind verwüstete meine Haare. Ich streifte sie mir zurück und sah auf. Ein großes Handelsschiff fuhr gerade in den Hafen und wurde am Pier festgemacht, wo bereits zahlreiche andere Boote festgebunden waren. Ich schaute hinaus aufs Meer.Ich beobachtete, wie sich Sonnenstrahlen über die Bucht schoben und die Schatten verdrängten. Weit draußen über dem Meer hing ein Wolkenband am Horizont, und die Luft fühlte sich dicker und schwer von Feuchtigkeit an. Die Erde wartete auf den Beginn der Regenzeit. Ephistus war ein Land, bestehend aus Wüste und zahlreichen, brüchigen Bergen. Ein Wüstenland wie Ephistus es ist, sehnte sich von Jahr zu Jahr nach der Regenzeit. Es schien als ob diese bald eintreffen würde und das Land gedeihen lassen würde. Für uns Lehrlinge hatte das auch ein Vorteil. Wir brauchten nicht mehr zu dursten und brauchten uns auch nicht mit einem kleinen Eimer Wasser überschütten, wenn wir duschen wollten. Wir brauchten uns einfach hinaus stellen und der Regen würde die Schmutz Kruste auf unserer Haut abwaschen. Das kommende Unwetter passte zu meiner Stimmung. Im Laufe dieser Wochen waren meine Träume schlimmer geworden und ich konnte stets kaum ein Auge zu machen. Ich träumte oft das Aya stirbt oder irgendwo gefangen gehalten wird. Mit einem seufzen massierte ich mir meine Schläfen und fuhr mir mit den Fingern durch das wirre Haar. Es war alles so kompliziert. Ich wollte nichts anderes, als ein Reiter werden und mehr aus mir zu machen. Das hatte ich meinem Vater versprochen. Doch seit ich Aya getroffen hatte, war alles so kompliziert. Doch ich durfte nicht den Mut verlieren. Entschlossen verdrängte ich all diese Gedanke. Ich muss diesen Fisch endlich loswerden. Der muffige Gestank benebelte bereits meine Gedanken... Also stand ich auf und streckte mich. Ich hatte Nacken Schmerzen und ließ meine Schultern kreisen um mich etwas zu entspannen. Ich bemerkte aus dem Augenwinkel eine Bewegung und verharrte stumm. Ich sah das vom gerade angekommenen Handelsschiff vermummte Männer mit Tüchern vor dem Mund auf den Steg sprangen. Ich sah, dass sie bewaffnet waren und nicht wirklich wie gewöhnliche Händler aussahen. Neugierig versteckte ich mich instinktiv hinter aufgestapelten Kisten. Die Körbe mit den Fischen stellte ich sicher hinter den Kisten und beobachtete die Zwielicht aussehenden Männer. Eine kleine Gruppe aus Stadt Wachen begrüßten die Neuankömmlinge. Die vermummten Männer streckten eine Hand aus und gaben einem Wache eine kleine zusammen gerollte Pergament Schriftrolle. Der Wachmann rollte diese auf und las sie. Dann nickte er und die Wachen verschwanden wieder. Nun waren die vermummten Männer allein am Steg. Sie machten eine Handbewegung und ich sah wie eine Schar leicht bekleidete Menschen vom Schiff auf den Steg traten. Ich verengte die Augen als ich sah das die ungefähr 45 Menschen Ketten um ihre Füße hatten. Ragnorr hatte auch ihre Schattenseiten. Zum Beispiel war die Hafenstadt eine zunehmend florierende Handelsstadt vom Verkauf von Sklaven. In mir breitete sich ein Unangenehmes Gefühl im Magen aus. Ich sollte lieber verschwinden. Wenn man mitbekommt das ich hier bin, würde ich bestimmt fürchterlichen Ärger bekommen. Ich packte die Körbe mit den Fischen und ging zurück durch die gefüllten Handelsstraßen und bahnte mir einen Weg durch die Menschenmasse. Ich hob die Körbe an, als ich über Obstkisten steigen musste. Die Verkäuferin des Obstes warf mir drohende Blicke zu. ,,Pass auf, Bursche! Wenn du auch nur ein Stück Obst unter deinen dreckigen Füßen zermanscht, musst du den Schaden bezahlen." Ich nickte nur mit einem krampfhaft aufgesetzten Lächeln. Dann beeilte ich mich um hier schnell aus dem Gedränge raus zu kommen. Ich wischte mir die Schweißperlen von der Stirn. Blinzelnd schaute ich gen Himmel. Um diese Zeit wurde es immer so unerträglich heiß. An das Klima musste ich mich echt gewöhnen. Ich hatte pochende Kopfschmerzen und meine Kehle sehnte sich nach kaltem, frischen Wasser. Wankend stapfte ich mit den schweren Körben weiter Richtung Trainingslager.

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!