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Pen Your Pride

11.

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Mittlerweile waren 3 Wochen vergangen. 3 Wochen, in denen ich von Liz nur ignoriert wurde.
Sie kam nicht mehr zu mir, wenn ich traurig auf unserer Mauer vor dem Haus sah.
Sie lächelte mich nicht mehr an, sah mich überhaupt kaum mehr an.
Gar nichts.
Sie lebte bei uns, als wäre nichts.
Sie unternahm Touren mit meinen Eltern, wofür ich mir immer Ausreden ausdachte.
Ich würde bestimmt nicht mit ihr und meiner Familie auf heile Welt machen. Denn so war es nicht. Jedenfalls nicht in meiner Welt. Meiner kleinen Welt, die seit 3 Wochen nur noch aus aufstehen, laufen gehen, essen, und Abends auf der Mauer nachdenken.

Heute aber, hatte ich mir vorgenommen, dass ich mich nach dem Laufen einfach nochmal mit den Jungs rausgehen würde. Einfach nochmal einen richtigen Männerabend. Ich redete mir ein, dass es das war, was ich jetzt bräuchte, obwohl ich selber wusste dass alles was ich jetzt bräuchte Liz war.

Letztes Jahr um diese Zeit waren mein bester Freund Tobi immer raus gewesen, hatten Spaß.
Eigentlich hatte ich so richtig immer nur Tobi als Kumpel.
Er hatte dann ab und zu mal ein paar Typen aus seiner Fußball Mannschaft mitgebracht, mit denen ich auch immer klar kam, aber es war mir nie leicht gefallen mal selber Freundschaften zu knüpfen.

Ich kam mir doof vor, Tobi jetzt anzurufen, weil ich mich mehrere Monate nicht gemeldet hatte.
Nachdem er die Ausbildung abgebrochen hatte, die wir zusammen angefangen hatten, war der Kontakt weniger geworden. Er hatte zwar oft noch mal angerufen, aber ich fand nie die Zeit ihn zurückzurufen.

Als ich gewählt hatte wurde ich lächerlicher Weise nervös.
Jake, es ist nur Tobi.

Tobi hob ab und meine Nervosität machte sich bezahlt.
"Jake? Bist du es wirklich?", fragte er und es ärgerte mich, dass er nicht erfreuter reagiert hatte.
"Hör zu, Mann, es tut mir echt leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. Viel um die Ohren. "
Ich merkte schon, dass ihm das als Entschuldigung nicht reichte.
" Tobi, Ich wollte dich fragen ob du Bock hast, heute Abend noch raus zu gehen. Mir geht's echt mies, ich könnte es gebrauchen. "
Er schnaubte. "Ach, dir geht es also mies ja? Jake, was meinst du eigentlich, weshalb ich bei dir so oft angerufen habe? Mir ging es auch mies! Grandma ist tot."
Es traf mich unerwartet und hart.
Tobis liebe, alte, Grandma war gestorben? Sie war wie meine eigene Oma gewesen, die ich nie hatte. Wir hatten damals immer bei ihr gespielt. Jetzt war sie nicht mehr und ich war nicht für Tobi da gewesen. Ich ballte die Fäuste vor Wut auf mich selber.
"Ich... Hätte ich das gewusst, dann glaub mir... " doch er ließ mich nicht ausreden.
" bemüh dich nicht, okay? Jetzt ist es auch zu spät. " und damit legte er auf.
Traurig saß ich da, den Hörer immer noch in der Hand.
Ich hatte ihm einfach im Stich gelassen. Meinen besten Freund.

Konnte das alles eigentlich noch schlimmer werden?!
Wut, Enttäuschung und Trauer, alles zusammen kam in mir hoch. Es war der Moment, in dem alles einfach zu viel wurde.
Langsam sank ich auf die Knie, ich ahnte, dass ich die Aggressionen nicht mehr lange unter Kontrolle hatte. Und dann passierte es.
Ruckartig stand ich auf, stoß eine Art Schrei aus und packte mir alle Unterlagen von meinem Schreibtisch und sie landeten auf dem Boden. Alles was mir unter die Augen und in die Finger kam wurden mit aller Wut, die ich mir hatte, auf den Boden geknallt. Als ich gerade den Laptop noch drauf werfen wollte, ging plötzlich die Tür auf und mein Dad stand vor mir.
Entgeistert sah er mich an und rief dann etwas, was ich nicht verstand. Ich war viel zu sehr mit dem Schmeißen beschäftigt.
Bis dad dann hinter mir stand und meine Arme festhielt, sodass der Laptop ganz blieb und ich nichts mehr tun konnte. "Lass mich los! Sofort!", schrie ich
Er lockerte seinen Griff und sah mich wütend an. "Hast du den Verstand verloren?"
Ich ignorierte ihn und lief an ihm vorbei, raus.
Es war bereits dunkel. Er kam mir nicht hinterher. Dieses Ausrasten hatte ich von ihm. Er wusste dass sowas nur in Momenten passierte, an denen man wirklich nicht mehr weiter wusste.

Weil ich schon völlig ausser Atem war konnte ich nicht noch laufen gehen (was allerdings dann auch das dritte Mal heute gewesen wäre).
Ich entschied mich für die Mauer.
Nur dass ich dieses Mal nicht nachdenken wollte. Einfach mal an gar nichts denken und die Sterne beobachten. Das war viel besser.

Ich hörte wie die Türe aufging.
Nach Wochen des Schweigen stand Liz auf einmal wieder da.
Und sie lächelte.
Zwar vorsichtig, aber sie lächelte.

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