drei / three / trois / .-

Erschöpft lasse ich mich, mit einem Billigkaffee aus dem Automaten, der um die Ecke steht, auf einem Stuhl im Pausenzimmer nieder, welches für Schwestern und Ärzte auf unserer Station gedacht ist. Den ganzen Vormittag musste ich Bettwäsche aufsammeln, die Gemeinschaftsbäder und Toiletten in Ordnung bringen und und und. Anscheinend gibt es hier eine unausgesprochene Regel, dass die kranken Kids hier aber auch wirklich keinen Finger krümmen müssen.

Während ich meinen Kaffee schlürfe, beobachte ich die anderen Schwestern. Es sind drei im Raum, meine Mutter fehlt noch. Neugierig gaffen sie mich an und ziehen mich praktisch mit ihren Blicken aus. Ich versuche, mir einen angeekelten Blick zu verkneifen. Wahrscheinlich freuen sie sich nur, dass endlich ein Typ hier arbeitet, denn so weit ich das mitbekommen habe, gibt es zurzeit keinen männlichen Mitarbeiter.

"Wer bist du denn?", fragt eine ältere Dame und ich zwinge mir ein Lächeln auf, um nicht als gefühlloses, desinteressiertes Arschloch rüber zu kommen. Unschlüssig sehe ich die Schwestern an. "Ich bin, ähm, Sue's Sohn.", antworte ich und räuspere mich. Die Dame fängt an, beit zu grinsen. "Guten Morgen Leute!", ertönt die Stimme meiner Mutter und sie stolziert in das Pausenzimmer. Auch sie hält einen Billigkaffee in der einen und ein Schokocroissant in der anderen Hand. Wie auf Kommando fängt mein Magen an zu knurren und ich überlege, wo man hier wohl Essen herbekommen kann.

Grimmig starre ich auf meine Hände. Meine Mutter jedoch scheint blendende Laune zu haben, die sie anscheinend jedem in diesem Raum vorhalten will. Lächelnd setzt sie sich auf einen Stuhl, der mir gegenüber steht, und seufzt. "Man, ist das heute anstrengend.", sagt sie und nimmt einen Schluck Kaffee. Ich verkneife mir meinen Kommentar dazu und rolle nur mit den Augen.

Ich werfe ihr einen Blick zu und hoffe, sie erkennt die Verachtung darin. Sie schaut kurz zu mir und lächelt weiter, während sie mich mit ihrem Blick regelrecht umbringen will. Wieder folgt ein Augenrollen meinerseits, während ich nicht auf die kindischen, provokanten Versuche meiner Mutter eingehe. Manchmal könnte man meinen, dass sie die Rolle des Kindes in unserer Mutter-Sohn Geschichte übernimmt.

"Du sagst es.", meint eine Dunkelhäutige, die ebenfalls einen theatralischen Seufzer loslässt. Gott, das hört sich an wie die ekelhaften Kurse von Lena's Mutter aus 'Türkisch für Anfänger'.

"Was hat es mit dem jungen Mann hier auf sich?", fragt jetzt die Dame. Langsam fühle ich mich wirklich belästigt von ihr. Meine Mutter grinst mich an und widmet sich der Frau. "Das ist mein Sohn, Austin. Er ist hier um sich ein wenig nützlich zu machen und sich sozial zu engagieren.", erklärt meine Mutter und ich könnte schwören, man kann kurz ein leises Raunen im Zimmer hören. Eine Brünette, die letzte hier im Raum, seufzt nun ebenfalls.

"Ich wünschte, meine wären so." Lady, ich werde zu der Scheiße hier gezwungen, also hör auf hier zu fantasieren. Das macht doch kein Kind hier freiwillig.

"Nun ja, er wird ja lediglich nur aushelfen und mit den Leuten ein bisschen zusammenarbeiten. Apropos, was hältst du davon, wenn wir kurz zum Aufenthaltsraum gehen? Dann kannst du ein paar von ihnen kennenlernen.", wendet sie sich an mich und ich stöhne innerlich auf. Ohja, es hat sogar mich erwischt.

Genervt sehe ich meine Mutter an, die mir aber mit einem Blick zeigt, dass sie keine Widerrede duldet. Sie weiß ganz genau, was ich davon halte. "Es ist wichtig, dass sie dich kennenlernen.", fügt sie noch schnell hinzu und beißt in ihr Schokocroissant. Wieso genau bin ich eigentlich der einzige in Raum ohne Pausenessen?

"Ja klar", ich mache eine kurze Pause. "Ich würde liebend gerne all die gestörten und kranken Freaks kennenlernen.", füge ich noch etwas leiser dazu, damit nur meine Mutter es hört. Sie blickt mich böse an und ich hebe abwehrend die Hände hoch. Mum wischt noch die Krümel vom Tisch und steht auf. "Bis dann, Leute.", verabschiedet sie sich und die anderen Schwestern lächeln ihr zu. "Bis dann, Sue."

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