8.

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Als ich zwölf war hatte ich eine (sehr sehr lange) Phase in meinem Leben, wo ich den ganzen Tag nur noch zockte.

Ich stand morgens auf und zockte.
Kam aus der schule und zockte.
Ging ins Bett, stand wieder auf und zockte.

Ich hatte dieses Spiel, wo man immer bessere Level erreichen konnte und es wurde zur Sucht immer das nächste Level zu erreichen.
Aber sobald man von etwas getroffen wurde im Spiel musste man von vorne anfangen.
Jedes mal wenn das passierte kam in mir eine derartige Wut hervor, dass ich am liebsten auf alles und jeden eingeschlagen hätte. Und gleichzeitig fühlte ich mich immer unendlich traurig, weil alles was ich mir aufgebaut hatte mit einem Treffer zunichte gemacht wurde.

Und genau so fühlte es sich an, als Liz, das Mädchen was ich liebte, mir als meine Halbschwester vorgestellt wurde.
Alles war mit einen mal unmöglich geworden.
Unsere Liebe war nichts mehr. Sie war verboten.

Und da standen wir. Liz, mom dad und ich. Wie die klassische Patchwork Family.
Meine mom zog Liz sofort in die Arme und sagte zu ihr, dass sie willkommen sei bei uns.
Dann sah Mom zu mir. "wir wollten es dir noch sagen, aber gestern warst du ja nicht zugegen. Also. Liz hier ist deine Halbschwester. Als dein Dad und ich eine Beziehungspause hatten war er mit ihrer Mutter zusammen und naja. . "
Ich schluckte.
Gestern war ich nicht zugegen, weil ich mit meiner Halbschwester geknutscht habe.

Es drehte sich alles. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.
Liz stand da und schien sich genau die gleichen Gedanken wie ich zu machen.

Wieso hatte sich der Kuss so gut angefühlt? Wieso war das alles so schön?

Und obwohl ich jetzt wusste, dass Liz und ich verwandt waren, war es immer noch schön.

Warum änderte es nichts an meinen Gefühlen? Normalerweise müsste es das doch jetzt.. oder?
Immerhin konnte ich doch nicht meine eigene Schwester lieben.

Liz schien sich wieder gefasst zu haben und antwortete meiner Mutter : "Dankeschön. Das ist sehr lieb!"
Danach ging sie vorsichtig rüber zu meinem Dad.
Sie streckte ihm die Hand hin, aber er nahm sie einfach in die Arme.
Dad halt.

Dann wurde ich ihr auch noch vorgestellt. Ich wusste nicht, was sie jetzt sagen würde. Ob wir meinen Eltern die Wahrheit sagen sollten oder ob wir es lassen sollten...
Insgeheim hoffte ich dass sie sich für ersteres entschied und wir dann alle gemeinsam eine Lösung finden würden, wie Liz und ich uns doch lieben dürften... aber das tat sie nicht.

"Schön dich kennenzulernen", meinte sie zu mir und diese Worte versetzen mir einen Stich.

Ich brachte kein Wort raus.
Mom sah fragend zu mir. "Was ist los?" formte sie mit den Lippen.
Alle waren schon dabei sich an den Frühstückstisch zu setzen und Liz blendete mich einfach aus und fragte Dad tausend Fragen. Es tat weh.

Ich stand immer noch im Flur, wie versteinert. Ich konnte nur Liz Lachen hören und es machte mich verrückt.

"Mir ist schlecht. " antwortete ich Mom dann nach einer Ewigkeit. " Ich gehe kurz auf den Balkon frische Luft schnappen."

Ich war kaum draußen da spürte ich schon den Brechreiz. Ich übergab mich in einen Eimer, der hier Rum stand. Mir war so schlecht gewesen, dass das alles jetzt mal raus musste.
Aber die Traurigkeit war nicht mit raus gegangen...

Meine Familie hatte von der Sache mit dem Eimer nichts mitbekommen, weil sie alle fröhlich am Tisch saßen und aßen.

Wie schaffte Liz das nur? Wie konnte sie das alles so einfach vergessen und jetzt glücklich und lachend an dem Tag sein, der uns alles kaputt machte?
Und ich hatte gedacht ihr wäre die Sache mit uns genauso wichtig...

Auf einmal hörte ich wie jemand die Balkontür aufmachte. Das konnte nur mom sein die sich vielleicht dann doch mal um mich kümmern wollte.
Aber als ich die Hand auf meiner Schulter spürte fuhr ich herum.
Liz!

"Soll ich dich jetzt immernoch anrufen, wie es war? "
Unglaublich, dieses Mädchen.
Sogar in der schlimmsten Situation machte sie noch Witze.

Ohne auf ihre Frage einzugehen fragte ich :
" Familien Frühstück schon vorbei? "

"Ich...Ich soll mal nach dir sehen. "
" Alles gut.",antwortete ich knapp, weil ich nicht wollte dass sie merkt wie weh mir das alles tat.

"Jake. Das alles hätten wir doch nie wissen können... Ich... "
" ist schon gut.",sagte ich.
Ich wollte nicht reden.
Reden änderte nichts an dem ganzen.
"Nein!" schrie sie "Nichts ist gut.
Wir beide fühlen was füreinander und.. Ich weiß nicht wie das bei dir ist aber bei mir ist das mehr als nur eine geschwisterliche Liebe!"
Wow.. Sie fühlte also auch wie ich.
"Bei mir doch auch nicht. .. Warum reden wir dann nicht mit meiner mom und... Unserem Dad? "

Liz sah auf den Boden.
" Jake, du musst das jetzt verstehen.
Ich habe nur dieses eine halbe Jahr hier, um meinen Dad kennenzulernen. Und ich möchte nicht die Zeit damit verschwenden hier ein riesen Drama abzuziehen,
Ausserdem... Was sollen sie daran ändern dass wir verwandt sind?"

Es schmerzte, dass sie es nicht mal in Erwägung zog irgendwas zu unternehmen.
Sie wollte sich jetzt ganz auf die Sache mit ihrem...unserem Dad konzentrieren.
Aber sie hatte ja Recht. Sie brauchte die Zeit mit ihrem Dad. Dafür war sie hier.
Aber das wurden die schlimmsten sechs Monate meines Lebens werden.

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