[15] Die Ehrlichkeit der Freundschaft

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Verdammt. Ich lief im Sprinttempo in mein Zimmer und schmiss den Brief schnell in die Sockenschublade.
>>Saphy?<<, rief Lavi von unten.
>>Komme sofort!<<, antwortete ich und entschied mich dafür den Brief noch nicht zu öffnen. Ich meine, ich hatte im Moment andere Probleme, zum Beispiel meiner besten Freundin zu gestehen, dass ich ein Freak bin der sich in Tiere, oder komische Monsterähnliche Versuche davon, verwandeln kann. Meine Güte war ich aufgeregt.

Nach 20 Minuten saßen wir dann auf einem abseits gelegenen Baumstamm im Park. Lavi war gespannt, dass sah man ihr an, aber mir ging es nicht anders. Auf dem Weg hatte ich mir Worte zusammengelegt, die das ganze hoffentlich weniger verrückt klingen ließen.
>>Also Lavi...<<, fing ich an.
Wo waren die Worte, wo waren bloß die verdammten Worte?
>>Vor vier Tagen hatte ich einen Unfall mit unserem Deutschlehrer und  dann haben wir geredet und dann konnte ich plötzlich irgendwelche total verrückten Sachen machen zum Beispiel meine Hände waren Katzenpfoten und dritter Stock, Fliegen ehh ja, total abgefahren! Oh mein Gott! Scheiße! Bitte nicht ausrasten!<<, sagte ich viel zu schnell, vollkommen ohne Plan und mit Panik, die ich heiß in meinem Gesicht spürte.
Doch Lavi hatte nichts von dem verstanden was ich ihr sagen wollte und schaute mich verwirrt an. Und dann war es mir klar.
Ich musste genau das machen, was Len auch mit mir gemacht hatte. Ich musste ihr direkt vor Augen führen was ich meinte.
Ich entfernte mich ein paar Schritte von Lavi, atmete einmal tief durch, vermied Augenkontakt und versuchte mich in ein Eichhörnchen oder irgendwas zu verwandeln.
Als ich dann zögerlich hoch zu Lavi blickte sah sie aus als wären Außerirdische auf der Erde gelandet und hätten ihr ein rosa Einhorn vor die Füße gesetzt. Ich wollte etwas zu ihr sagen, doch ich konnte nicht sprechen. Es herrschte Stille. Sie starrte mich an, ich starrte sie an.
Nach einigen unerträglich langen Sekunden stieß Lavi einen undefinierbaren Laut aus.
>>Saphy bist du das!? Das ist, ja, was ist das?<<, fragte sie etwas überfordert.
Ich hatte keine Ahnung ways Lavi vor sich sah, aber eins wusste ich, ein Eichhörnchen war ich nicht, denn ich stand mit ihr auf Augenhöhe und als ich meine Hände begutachtete waren sie ganz normal.
Doch dann sah ich aus dem Augenwinkel etwas an meinem Hals. Ich tastete danach und bemerkte, dass mir Fell gewachsen war. Allerdings nur direkt unterm Kopf. Wenn ich jetzt darüber nachdenke macht es Sinn, warum mich Lavi später lange Zeit mit dem Namen "Barba", was Italienisch für "Vollbart" ist, aufgezogen hat.
Direkt vor ihr stehend schaute ich sie an. Ich konnte nur schwer verhindern, dass mir Tränen in die Augen stiegen.
Ich dachte Lavi würde schreiend weglaufen und mich nie wieder ansehen wollen, aus Angst, dass mir wieder aus heiterem Himmel ein Bart wachsen würde, doch sie blieb und sie lachte. Lachte mich nicht aus, sondern lachte so, als ob ich den besten Scherz der Welt gemacht hätte und ich wusste, dass sie mit mir zusammen lachen wollte.
Jetzt stiegen mir wirklich die Tränen in die Augen. Ich umarmte sie so heftig ich konnte, natürlich nachdem ich den gruseligen Eichhörnchenbart mit einiger Kraft wieder hatte verschwinden lassen.
Sie umarmte mich ebenfalls und ihre kinnlangen dunklen Haare kitzelten in meinem Gesicht.
>>Warum weinst du denn...<<, sagte sie aufmunternd. Ich ließ von ihr ab und wischte mir mit dem Ärmel die Tränen weg.
>>Naja weißt du, ich... Ich hatte Angst du würdest mich komisch und abartig finden wenn du hiervon weißt...<<
>>Davon, dass du durch, keine Ahnung, Hormonpräparate deinen geheimen Bartfetisch auslebst?<<, sagte sie in ihrer typischen Art.
Mir kam ein Lächeln über die Lippen.
>>Nein im Ernst, was zur Hölle? Wenn du hier nicht grade einen billigen Zaubertrick ausgeführt hast, schuldest du mir eine Erklärung.<<, sagte sie, mehr neugierig, als angewidert.
>>Ich weiß.. Komm, ich erzähl dir wie es hierzu kam.<<, lächelte ich ihr zu und setzte mich auf einen Baumstumpf. Sie machte es sich mit ihrem verschmitzten Lächeln neben mir bequem und sagte >>Schieß los.<<

Meine Angst und mein Unbehagen vor diesem Moment hatten sich in Glück und Zufriedenheit verwandelt. Lavi war meine beste Freundin und ich würde nie wieder an ihrem guten Herzen und ihrer freundlichen Seele zweifeln.

Das, was man nicht Magie nennt - AnimalicedLies diese Geschichte KOSTENLOS!