blackout drunk - Faistbeats

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3478 Wörter
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POV Faister

Ich spüre mein Handy neben mir vibrieren. Reflexartig drehe ich den Kopf, öffne die Augen, und bereue es sofort wieder. Wie ein Vorschlaghammer trifft das Licht meine Schädeldecke. Ein greller, stechender Schmerz breitet sich aus, als würde mein Hirn gerade gegen meine Stirn boxen. Mein Hals brennt, meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und mein rechter Arm... kitzelt? Nein, der ist einfach taub. Eingeschlafen. Natürlich.

Ich stöhne leise, lasse mich zurücksinken und kneife die Augen fest zu. Alles dreht sich leicht, und mein Magen fühlt sich an, als würde er überlegen, ob heute der Tag für einen Aufstand ist. Trotzdem zwinge ich mich, mich halb aufzurichten, greife blind zum Nachttisch. Bitte, bitte, bitte... Da. Plastik. Riffeliger Deckel. Saskia. Mein Lebensretter. Ich schraube die Flasche auf und kippe sie in mich rein, viel zu gierig, aber zu müde, um vorsichtig zu sein. Schmeckt scheiße.

Das Wasser ist abgestanden, lauwarm, schmeckt nach Staub. Egal. Es löscht das Feuer in meinem Hals. Als der letzte Tropfen den Flaschenhals verlässt, lasse ich das Ding einfach aus der Hand fallen. Irgendwo neben meinem Bett landet sie. Mein Kopf dröhnt noch immer, mein Arm ist immernoch nicht wieder Teil meines Körpers, aber immerhin... ich lebe.

Der Ton meines Weckers bohrt sich wie ein Messer in mein Ohr. Genervt, nein, eigentlich schon wütend, greife ich nach dem Handy und haue auf den Bildschirm. Aus. Endlich Stille.
Warum hab ich überhaupt einen Wecker gestellt?
Wie spät ist es?
Und warum zur Hölle fühlt sich mein Körper an, als wäre ich von einem Zug überrollt worden?

Ich kneife die Augen zusammen, aber das grelle Licht des Displays schießt mir wie Nadeln ins Gehirn. 15:46 Uhr.
Fünfzehn. Sechsundvierzig.
Scheiße, so spät?

Mein Kopf pocht im Takt meines Herzschlags. Alles in mir fühlt sich verkatert, leer und falsch an. Ich will nur zurück in die Dunkelheit, unter die Decke, weg von diesem brennenden Licht.
Doch dann, auf dem Sperrbildschirm, tauchen Nachrichten auf.
WhatsApp.

Die erste, die mein vernebeltes Hirn überhaupt versteht, ist von Kevin:
WAS LABERST DU

Was?

Ich lasse mich zurück in die Kissen fallen, mein Schädel hämmert, mein Magen rebelliert. Mit einer Hand wische ich den Bildschirm frei, entsperre das Handy. Mein Daumen zittert.
Langsam, ganz langsam, sickern Fetzen von letzter Nacht durch die Risse in meinem Gedächtnis: die Hobbylos-Party, der Alkohol, zu viele Gläser, zu viele Shots, zu viele Momente, die einfach… verschwimmen?

Ich will nach einer Schmerztablette greifen, irgendwas, um das Pochen in meinem Kopf zu betäuben, aber etwas in mir schreit warte. Check erst, was du Kevin geschrieben hast, dass er so ausrastet.

Mein Gehirn läuft auf Standgas. Jeder Gedanke zieht sich wie Kaugummi. Ich suche nach WhatsApp, finde es endlich.
Doch bevor ich Kevins Chat öffne, bleibt mein Blick an etwas anderem hängen.

Ein rotes Herz.
Neben einem Namen.
Nieks.

Mir wird schlagartig heiß. Was zur Hölle? Warum ist Niek mit einem roten Herz eingespeichert?!

Ich reibe mir die Augen. Vielleicht seh ich doppelt. Vielleicht spinnt mein Kopf. Ich taste nach meiner Brille, setze sie auf.
Das Herz ist immer noch da.
Rot. Unverkennbar.

Kevin kann warten. Ich tippe auf Nieks Chat.
Die letzten Nachrichten:
Biat du zi Hquse?? – von ihm.
ha – von mir.
Okay??

Mein Magen zieht sich zusammen. Ich gehe zurück, öffne Kevins Chat.
Und da steht es.

Alter, ich hab mit Niek geschlafen
Geschrieben.
Von mir.
Um 4:23 Uhr.

GHG Oneshots ‼️Where stories live. Discover now