5.Firmeneigentum

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In der Angestelltenkantine war es um die Mittagszeit heute so gerammelt voll, dass Barry und Owen auf den ersten Blick keinen Tisch fanden um sich mit ihren Tabletts daran zu setzen. Erst als Lowrey den Arm aus der scheinbar gesichtslos mampfenden Menge herausstrecke und winkte entdeckten die Beiden zwei freie Plätze am Tisch.
„Hey..." grüße Lowrey und lächelte.
„Es ist wirklich nett, dass du einen Platz freigehalten hast...", meinte Barry und ließ sich auf den Stuhl fallen.
Mit ihnen am Tisch saß Vivian, eigentlich war alles wie immer.
...Bis auf...
Lowrey kniff die Augen zusammen.
„Wo ist denn Oscar?" er sah sich um, als erwartete er dass der Helfer der beiden Raptorentrainer gleich um die Ecke bog, so wie es in den letzten Wochen der Fall gewesen war.
„Nicht da...", murre Owen mit einem Bissen Brot im Mund und rührte gleichzeitig in der Schüssel damit sein Gulasch schneller abkühlte.
„Das seh' ich...", gab Lowrey zurück bemüht freundlich zu bleiben, auch wenn man es ihm gegenüber nicht gerade war.
„Ich bin dafür, dass die Leute die sich auf diese Stelle melden endlich mal mental überprüft werden. Ich kann doch nicht alle drei Wochen 'nen Neuen dort gebrauchen...Vielleicht sollte ich mal mit dieser Vorstandszicke reden...das ist doch ihr Job!" meckerte Owen los und stopfte sich ein weiteres Stück Brot in den Mund, und fuhr kauend fort: „ dann macht sie wenigstens etwas sinnvolleres als mir dumme Fragen zu stellen..."
„ Oh nein...", machte Vivian mitfühlend und hing mit ihrem Blick ein wenig zu schwärmerisch an Owens mümmelnden Lippen fest. , „ schon wieder gekündigt?"
„ Ich weiß nicht mal ob er überhaupt gekündigt hat...", meinte nun Barry während Owen vorsichtig den ersten heißen Löffel probierte. „ er hat seine Klamotten gepackt und ist auf die nächste Fähre nach Costa Rica. Am anderen Morgen kam er nicht zum Dienst und bis jetzt ist er nicht wieder aufgetaucht...."
„Die Anderen hatten wenigstens den Anstand zu kündigen." , meinte Owen und leckte sich über die Lippen.
„Vielleicht...musste er dringend weg...", murmelte Vivian zögerlich.
„Hahaa....", lachte Owen kehlig, „ richtig!" er unterstrich seine Worte mit einer Geste, indem er mit dem Zeigefinger in die Luft stach, „... Das musste er!" dann steckte er seine Nase wieder in die Suppenschüssel und aß schweigend weiter.
Es näherten sich Schritte in hohen Hacken ihrem Tisch, das konnte Owen aus dem allseitigem Gemurmel heraushören.
Keiner der Leute die hier saßen trug dermaßen hohe Hacken die schon am Anfang des Ganges so energisch den Boden berührten, dass man sie bis hierher wahrnahm. Auch dann nicht, wenn man nur ein halbwegs weniger fein geschultes Gehör hatte als das Seine.
Barry hob den Kopf und blickte dann wieder auf sein Essen.
„Ich fürchte DU bekommst Besuch..." raunte er Owen zu und versuchte unbeteiligt auszusehen.
„ICH..?" weiter kam Owen nicht, denn Claire Dearing hatte ihren Tisch zielstrebig erreicht und blieb nun stehen.
Sie baute sich vor Kopf des Tisches auf Owens Höhe auf. In ihrer Hand hielt sie etwas, das sie nun vor ihn auf die Tischplatte knallte.
Es war der zerstörte Tracker, vielmehr die größeren Teile die davon übrig waren.
„Sie wollen ein Sicherheitsbeauftragter sein?!" zischte sie, „ wie soll das gehen, wenn sie die eigenen Sicherheitsbestimmungen für ihre Person nicht einhalten?!?" man merkte ihr an, dass sie bemüht war ihre Worte sachlich klingen zu lassen.
Owen legte den Löffel weg und blickte ihr fest in die Augen.
„Ein sehr anfälliges Ding, finden sie nicht?", meinte er, wohl wissend das es mit Sicherheit schon die Runde gemacht hatte was damit eigentlich gesehen war.
„Ich weiß nicht, das kommt drauf an wie man damit umgeht..!", meinte Claire verärgert. „Mr. Grady sie haben mutwillig Firmeneigentum zerstört und ich sehen keinen Anlass dafür." erhob sie nun die Stimme, so dass der Rest des Tisches auch daran Teil haben konnte.
Natürlich musst sie sich Respekt verschaffen! Es konnte nicht sein, dass solch ein unkontrollierter Ausbruch ohne Folgen blieb. Wenn ihre Angestellten sich schon eine Party daraus machten, diesen Reptilien Dompteur auf dem Monitor regelmäßig zuzuschauen, dann hatten sie auch dies gesehen.
„ Was wäre denn ein Anlass der es rechtfertigen würde?", fragte er frech zurück hob eine Braue, legte ein schiefes Grinsen auf und funkelte sie an.
„Das ----!...", sie verstummte und es ärgerte sie das ihr tatsächlich die Worte fehlten, „...ehrm...ich wünsche, dass sie sich zu diesem Vorfall äußern Mr. Grady! In meinem Büro! Im Anschluss an ihre Mittagspause!" lavierte sie sich aus der Situation. Reckte das Kinn vor und stolzierte davon.
Owen machte ein spöttisches Gesicht als sie davon marschierte.
Es war ihr nicht entgangen.
Es war unglaublich wie unmöglich der Kerl sich benahm.
Sie hätte sich ihn viel früher vorknöpfen sollen.
Sie schüttelte den Kopf um das Leuchten seiner grau - grünen Augen aus der Erinnerung zu bekommen -Claire! Das ist lächerlich- !
Warum war er ihr bis jetzt so dermaßen durchgegangen?
Seit Simon Masrani sie auf ihn angesetzt hatte, bekam sie das Gefühl dieser Mensch wollte nicht mehr raus ihren Gedanken verschwinden.

„Ich werde sie anmelden...", meinte Zara im Vorzimmer von Claires Büro und wollte schon die Klinke nehmen, als Owen sich an ihr vorbeidrückte.
„Nicht nötig," meinte er und nahm nun die Klinke selbst in die Hand, „ ich mach das selbst..." und murmelte außer Hörweite, „ immerhin hat sie mich herbestellt..."
„Aber...", hörte er Zara noch sagen, dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.
Stille empfing ihn, ebenso wie ein klimatisierter Raum. An dessen Ende Claire an ihrem Schreibtisch saß. Sie blickte nicht hoch als die Tür ging, „ Zara ich habe ihnen doch gesagt, dass..." dann hob sie den Kopf und sah Owen., „ Mr. Grady..." stellte sie überflüssigerweise fest.
Owen stemmte die Arme in die Seiten und nickte kurz.
Ein bisschen kam es Claire vor, als habe sie einen trotzigen Jungen vor sich, obwohl seine ganze Erscheinung dazu zu maskulin war. Das enge Shirt, dass sich über seiner muskulösen Brust und den Oberarmen spannte und der drei - Tage - Bart, der gerade noch ruppig genug aus sah, um nicht klischeehaft zu wirken.
Er verströmte den Geruch von Arbeit, Schweiß und etwas sehr Eigenem, wovon Claire sich im Bruchteil dieser Sekunde wünschte, es würde eine Weile in ihrem sterilen Büro hängen bleiben.
-Reiß dich zusammen Claire! Du machst dich schon wieder lächerlich!-
„Nehmen sie Platz.", meinte sie und wies ihm den Stuhl an, der vor ihrem Schreibtisch stand.
Owen verdrehte die Augen und ließ sich auf die Sitzfläche fallen.
„Dauert's so lang...?", murrte er.
Claire richtete sich in ihrem Stuhl auf.
„Mr. Grady...", begann sie, doch er unterbrach sie sofort: „ ....können sie mal mit diesem Mr. Grady - Kram aufhören?"
Clarie sah ihn irritiert an, schon wieder hatte der Kerl sie aus der Fassung gebracht, gerade als sie sich zurecht gelegt hatte, wie sie mit ihm ein ernstes Wörtchen über das Benutzen von Firmeneigentum wechseln wollte.
„...Owen....", meinte er, „ ich heiße Owen...Mr. Grady ist mein Vater..." dann legte er fein säuberlich die zusammengeklaubten Teile der Trackeruhr auf die Tischplatte, „also Claire...sie können mir jetzt gerne eine Predigt halten, darüber, dass dieses Ding durch mich nun das Zeitliche gesegnet hat, oder wir verkürzen das Ganze: das Teil hat mich aufgeregt, weil es mich bei meiner Arbeit behindert hat, kommt nicht wieder vor..."
Claire räusperte sich.
„Es ist mir wichtig, dass meine Mitarbeiter ihn tragen...für ihre Sicherheit...OWEN!" betonte sie.
Owen nickte kaum merklich. Er machte Anstalten sich aus dem Stuhl zu erheben.
„Ich werde veranlassen das sie einen Neuen bekommen."
Er verdrehte abermals die Augen. Klar bekam er einen Neuen, aber der Gedanke daran erheiterte ihn nicht gerade.
„... allerdings würde ich gerne wissen was so hinderlich daran ist, das sie sich in ihrer Arbeit eingeschränkt fühlen..."
- Oh!-
Irgendwie war Owen nicht davon ausgegangen sich großartig erklären zu müssen. Er hatte eigentlich geglaubt schon wieder so gut wie raus zu sein, aus diesem piekfeinen Büro, dem Raum der erfüllt war von ihrem betörenden Parfüm. Er ließ sich zurück in das Sitzmöbel fallen.
„Eh...", fing er an, „ ich... ich gehe davon aus, dass die Tiere sich durch die Funkwellen des Trackers gestört fühlen...", mutmaßte er und hoffe es würde ihr genügen.
„Ah so, ich nehme an sie werden dazu einen Bericht verfassen..." meinte sie, erhob sich und kam hinter ihrem Schreibtisch hervor.
Owen seufzte : „Ich habe wohl keine Wahl, hm..?"
-Meine Güte was ein Aufstand! -
Er war sich nicht ganz sicher ob sie ihn vielleicht sogar mit Absicht diese Art Spießrutenlauf vollführen ließ. Nur um zu sehen wie er sich dabei anschickte.
„Sie haben es erfasst...", meinte sie und grinste.
Die Tür ging auf und Zara steckte ihren Kopf herein: „ Mrs. Dearing, ihr Termin von 15.30 Uhr wurde vorverlegt, um 15 Minuten...", sagte sie.
„Wir sind dann hier fertig...", meinte Claire auf diese Nachricht hin und nahm ihr Smartphone vom Schreibtisch, um darauf herum zu tippen und ihren Terminplaner einzusehen.
Owen erhob sich.
„Mann Claire... ich bin froh dass ich ihren Job nicht machen muss...", meinte er dann, „ ist das eigentlich der Grund warum sie so steif sind? Das sie immer nur in dieses Ding starren, gehetzt von einem Termin zum Anderen, ohne mal frischen Sauerstoff zu tanken..." meinte er frech.
Claire legte das Smartphone auf den Tisch zurück.
Sie holte tief Luft und versuchte zu ignorieren, dass Irgendetwas in ihrem Inneren dafür sorgte, dass es ihr gefiel, wie er sie jedes Mal aufs Neue aus ihrem Terrain der Kontrolle brachte (In Welchem sie sich immer so sicher fühlte ) .
„Owen, sie können gehen...", meinte sie dann.
„Ich meine ja nur, sie sind so verdammt hübsch, aber ein bisschen mehr Sonne würde ihnen sicherlich gut stehen. Ich wette sie bekommen Sommersprossen!", lachte er.
Statt verärgert zu sein flog ein Grinsen über ihr Gesicht, dass Claire nur mit Mühe unterdrücken konnte.
Sie wendete sich wortlos zur Tür, öffnete sie und wies ihn mit einer Geste nach draußen.
„Wenn sie wollen, zeigen ich ihnen mal das Sonnenlicht... is' gar nicht Schlimm.. ehrlich!", sagte er und lachte.
„Guten Tag...Owen!", gab Claire zurück und schloss schnell die Tür als er hindurch war, damit er nicht bemerkte WIE sehr sein verkapptes Kompliment ein Grinsen auf ihr schmales Gesicht zauberte.

Why we never had a 2nd Date     ©Lina Schön   AUGUST  2015Lies diese Geschichte KOSTENLOS!