10. Magisch

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Basti POV

Ein weiterer Morgen, ein weiteres Aufwachen mit einem eng angekuschelten Kevin an meinem Rücken. Täglich grüßt das Murmeltier. Nur, dass das Murmeltier in diesem Fall Menschengestalt hatte und irgendwas im Schlaf vor sich hin brabbelte. Und mich anscheinend angesabbert hatte, so feucht wie sich mein Nacken anfühlte.

Leicht genervt drehte ich meinen Kopf in seine Richtung. Doch anstatt Spucke an seinem Mund, erblickte ich Tränen auf seinen Wangen. Oh.

Kevin wimmerte leise im Schlaf, und klammerte sich etwas fester an mich. Vermutlich sollte ich ihn einfach wegschieben und weiterschlafen. Das wäre besser für mein Herz. Aber egal, scheiß auf mein Herz. Seines war mir in diesem Augenblick wichtiger.

Ich drehte mich also weiter zu ihm, streckte eine Hand aus und legte sie sanft auf seinen Arm, um ihn hoffentlich behutsam aus seinem augenscheinlich schlechten Traum zu wecken.

Kaum spürte er meine Berührung, schlug er erschrocken die Augen auf und zuckte ruckartig zurück. So viel zum Thema behutsam.

„Sorry!", sagte er etwas zu laut und zu schnell. Sein ganzer Körper zitterte und auch sein Atem klang alles andere als entspannt.

Ich rückte etwas näher und legte einen Arm um seine Hüfte. Die unangenehme Distanz die eigentlich zwischen und herrschte, war mir gerade egal. Ich wollte einfach nur, dass es ihm besser ging.

„Shh, hey, alles wird gut.", murmelte ich und strich ihm beruhigend über den Rücken. „Hast du schlecht geträumt?"

„Mhm...", bestätigte er. „Ich mache immer alles falsch. Sogar in meinen Träumen."

„Ach Kevin...", antwortete ich, unsicher, was ich darauf sagen sollte.

„Ich will dich nicht verlieren.", flüsterte er plötzlich und klammerte sich an meinen Arm, als hätte er Angst, dass ich sonst verschwinden würde.

„Hey, wo kommt das denn auf einmal her?" Ich schaute ihn überrascht an. „Es gab da schon die ein oder andere Situation wo ich mir gewünscht hätte, dass du anders reagierst hättest, aber ich bin dir deswegen doch nicht böse. Vielleicht nur etwas enttäuscht."

„Ich weiß, es tut mir Leid. Ich hab's nicht verdient, dass du so nett zu mir bist.", sagte er in einem schuldbewussten Ton.

„Sag das nicht. So schnell wirst du mich auf jeden Fall nicht los. Ich hab dich doch viel zu lieb dafür."

Kevin dreht sich in meinem Arm um und drückt sein Gesicht in meine Brust. „Ich dich auch. So sehr.", schniefte er.

„Weiß ich doch.", antworte ich sanft lächelnd.

Eine Weile lagen wir schweigend da. Nur das gleichmäßige Rauschen des Windes vor unserem Zelt war zu hören. Plötzlich, wie aus dem Nichts platze ein „Ich liebe dich." aus Kevin heraus. Sein Gesicht an meine Brust gedrückt, seine Stimme leicht gedämpft und trotzdem hörte ich sie. Diese drei Worte kamen unmissverständlich aus seinem Mund.

Einen Moment lang war ich wie erstarrt, dann lachte ich überfordert auf. Das war die beste Reaktion, zu der ich imstande war. Die Alternative wäre gewesen, loszuheulen. Ob vor Freude oder vor purem Schock, wusste ich selbst nicht genau.

Kevin bewegte sich etwas unruhig in meinen Armen. Sein Körper war angespannt, als würde er jeden Augenblick die Flucht ergreifen wollen. Okay, ich musste etwas sagen bevor er das wirklich tat.

„Ernsthaft Kevin, vorgestern konntest du noch nicht mal zugeben, dass du irgendwelche Gefühle für mich hast und jetzt das? Ist das nicht etwas voreilig?" Vielleicht nicht die Antwort, die er sich erhofft hatte, aber immerhin eine Verbale.

Sommermagie (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt