8. Waldlichtung

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Basti POV

Als ich am nächsten Morgen aufwachte spürte ich auf meinem Gesicht direkt die angenehm wärmende Sonne, welche durch das Zelt schien. Vom Regen und dem nervig tropfenden Leck war zum Glück nichts mehr zu hören.

„Guten Morgen, Schlafmütze." Vorsichtig stupste ich Kevin an, um ihn zu wecken. Kaum war es hier drinnen wieder einigermaßen trocken geworden, hatte er sich erneut an mich gekuschelt. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich das überraschte. Oder störte.

„Mhhm, lass mich... es ist viel zu früh", brummte er verschlafen und vergrub sein Gesicht tief in meiner Armbeuge, so dass nur noch ein zerzauster Schopf blonder Haare zu sehen war.

„Was wirst du denn nur machen, wenn du nach dem Urlaub wieder alleine bei dir zu Hause, ohne lebensgroßen reallife Basti Plushie, schlafen musst?", fragte ich ihn schmunzelnd.

Er antwortete nicht. Stattdessen atmete er nur leise aus und drückte sein Gesicht noch fester in meine Armbeuge. Mhm, verstehe.

Naja, wenn ich ehrlich war, wollte ich mir aktuell auch noch keine zu allzu großen Gedanken darübermachen, was nach unserem Urlaub sein würde.

Erstmal hatte etwas anderes Priorität: Kevin irgendwie aus dem Zelt zu bekommen, damit wir endlich loskonnten. Ich setzte mich also mit einem Ruck auf und zog einen wiederwillig brummen Kevin mit mir hoch. „Komm, Kleiner, es ist Zeit aufzubrechen. Wir haben heute eine weite Strecke vor uns."

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„Sind wir endlich da?", fragte Kevin zum gefühlten fünften Mal in dieser Stunde.

„Noch nicht.", antwortete ich wie die Male zuvor.

„Und jetzt?"

„Immer noch nicht", antwortete ich und richtete den Blick auf den schmalen Wald Pfad vor uns. Ich hatte nicht übertrieben, als ich sagte, dass es heute ein weiter Weg werden würde. Vielleicht waren 25 Kilometer doch etwas zu optimistisch geplant. Zugegebenermaßen taten meine Füße auch schon etwas weh, aber wenn er alle fünf Minuten fragte, würden wir auch nicht schneller ankommen.

„Maaaan...", seufzte Kevin und schubste einen Kiesel mit dem Fuß durch den Staub. „So langsam habe ich keinen Bock mehr."

Noch viel problematischer als seine nachlassende Motivation war die langsam einsetzende Dämmerung. Die zuvor sattgrünen Fichten wandelte sich allmählich in gruseliges Grau. Fast so als hätte jemand in Photoshop den Sättigungsregler runter gedreht.

Der Wind heulte in den Baumwipfeln und das Knacken der Äste unter unseren Füßen wirkte auf einmal so viel lauter als zuvor. „Huu.. huu.", ertönte tief aus dem Wald der entfernte Ruf eines Uhus, welcher uns beide leicht zusammenzucken ließ.

Ich griff nach seiner Hand. „Bleib bloß in meiner Nähe. Ich will dich hier nicht aus den Augen verlieren."

Kevin nickte leicht und sah sich verunsichert in der Dunkelheit um. „Ich will nicht mehr.", flüsterte er.

Entschlossen zog ihn ein paar hundert Meter weiter auf eine kleine, offene Lichtung. Er hatte recht, bei den Bedingungen sollten wir nicht weitergehen. Immerhin hatten wir ein Zelt dabei, warum also nicht direkt hier übernachten.

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„Ey, wie soll ich hier mitten im Dunkeln die Stange ins Zelt bekommen", murrte Kevin und fuchtelte mit dem Metallrohr in der Luft herum. „Hätten die hier nicht mal ein paar Straßenlaternen aufstellen können?"

„Wir sind auf einer einsamen Lichtung mitten im Wald Kevin. Was erwartest du?", fragte ich ihn amüsiert.

„Licht??"

Sommermagie (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt