5. Einzelbetten

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Kevin POV

Es war noch leicht dämmrig draußen, als mich Bastis Stimme aus dem Schlaf riss. Was sollte das denn so früh am Morgen? Lass mich doch bitte einfach weiterpennen. Verschlafen und leicht genervt blickte ich zu ihm hinüber, um zu sehen was er wollte.

Dieser hatte allerdings, anders als erwartet, noch die Augen geschlossen und die Decke bis zur Nasenspitze hochgezogen. Oh, hatte ich mir das nur eingebildet oder war es schon so weit, dass ich Bastis Stimme in meinen Träumen hörte?

„Nein Kevin...", wimmerte Basti leise im Schlaf. Okay, doch keine Einbildung. Sein Kiefer wirkte angespannt und seine Finger waren verkrampft in der Decke gekrallt. Hm, das schien kein schöner Traum zu sein.

„Bitte nicht... nein..", murmelte er in einer traurig angespannte Stimme. Ich sollte ihn wohl besser wecken.

Vorsichtig strich ich ihm über das angespannte Gesicht. „Hey Basti, es ist alles in Ordnung.", flüsterte ich ihm sanft zu.

Sein Gesicht verzog sich daraufhin leicht und er kniff die Augen fester zusammen. „Mhhm nein...". Leicht schüttelte er den Kopf, machte allerdings keine Anstalten aufzuwachen. Stattdessen kam nur ein schmerzlich klingendes Stöhnen aus seinem Mund.

„Hey aufwachen!". Ich schüttelte ihn leicht an den Schultern, um ihm aus seinem Traum zu befreien.

Endlich schlug er die Augen auf und blickte zu mir hoch. Ich sah nur noch wie sich seine Pupillen etwas weiteten, als ich im nächsten Moment plötzlich mit einem schnellen Ruck an ihn ran gezogen wurde und er sein Gesicht gegen meine Brust drückte.

„Kevin du bist da.", murmelte er mit brüchiger Stimme und krallte sich an meinem Shirt fest.

„Natürlich. Wo sollte ich denn auch sonst sein um diese Uhrzeit?", fragte ich verwirrt.

„Weg", antwortete er nur trocken.

„Wie weg?" Häh, was geht denn jetzt ab? Hatte ich etwas verpasst?

„Ich... das klingt jetzt bestimmt doof, aber ich hab geträumt, dass ich kaum mehr Zuschauer und nur noch wenig Klicks auf meine Videos habe."

„Oh shit, das klingt übel, aber was hat das mit mir zu tun?"

„Naja du wolltest nichts mehr mit mir machen, weil ich irrelevant geworden bin und sowieso keine Views bringen würde. Ich weiß, dass du nie so denken würdest, aber keine Ahnung, es hat sich so verdammt real angefühlt", schniefte er und wischte sich mit dem Ärmel über die Augen.

„Diese Traumversion von mir klingt ja wie das übelste Opfer. Sowas würde ich nie tun!", antworte ich entrüstet und sah ihm dabei fest in die Augen.

„Ich weiß..."

„Ne for real, selbst wenn du gar nicht mehr Streamen würdest, bleibst du doch trotzdem einer meiner besten Freunde. Als ob ich dich einfach so zurücklassen könnte. Ich würde dich doch viel zu sehr vermissen."

„Ach Kevin, du bist einfach der Beste.", beruhigt seufzte er aus und wirkte direkt viel entspannter.

„Na klar doch. Ich hab dich doch lieb." Als Antwort kicherte er nur leise und kuschelte sich näher an mich ran.

„Ey sag, dass du mich auch lieb hast Arschloch.", gespielt entrüstet kniff ich ihm in die Seite.

„Kevin, ich heul hier fast nur, weil ich geträumt habe, dass wir nichts mehr zusammen unternehmen. Ich glaube, du weißt bereits wie sehr ich dich mag."

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„Stock und Hut, stehn ihm gut, ist gar wohlgemut", trällerte Basti gut gelaunt, während er neben mir herlief und den Ast, den er am Wegrand aufgelesen hatte, wie einen Spazierstock vor sich herschwenkte. Die depressive Stimmung von heute Morgen war wie weggeblasen. Verdammt, vielleicht hatte mein Therapeut doch mehr Ahnung, als ich ihm zutraute. Ein bisschen frische Luft und Bewegung, und plötzlich sah die Welt gleich viel besser aus.

Sommermagie (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt