Traitor

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Ich war allein, ganz allein. Am Anfang und am Ende. Ganz allein.

 Anfangs, hatte ich keine Freunde. Niemand mochte mich. Ich war klein, nicht gerade dünn, mit wässrigen blauen Augen und blonden am Kopf anliegenden Haaren. Allein saß ich im Abteil. Allein saß ich abgelegen am Gryffindor Tisch. Doch dann, kam ich in meinen Schlafsaal. Gleich drei Augenpaare starrten mich an. Ich konnte förmlich spüren, wie ich rot anlief und blickte peinlich berührt auf den Boden. Und dann auf eine Hand. Verwirrt sah ich auf und blickte in freundlich blitzende, haselnussbraune Augen. Der Junge vor mir hatte ein nettes Lächeln im Gesicht. Seine Haare schienen explodiert zu sein und er trug eine schwarze Brille auf der Nase. Aber sogar mit Brille sah er verdammt gut aus. Und er hielt mir immer noch die Hand hin. Zögernd ergriff ich sie. "Hallo. Ich bin James Potter. Und wie heißt du?" Schüchtern blickte ich ihn an. "Peter. Peter Pettigrew." Sein Lächeln wurde noch etwas breiter. "Nett dich kennenzulernen. Komm rein. Das linke Bett rechts, ist deins." Er trat beiseite und nachdem ich herein gekommen war, stellten sich auch die anderen beiden Jungen vor. Ein schwarzhaariger Junge mit silber-grauen Augen stellte sich als Sirius Black vor und ich war mir sicher, dass sein Lächeln noch vielen Mädchen das Herz brechen würde. Außerdem schienen er und James schon ziemlich gut befreundet zu sein. Jedenfalls neckten sie sich die ganze Zeit und schließlich legte Sirius kameradschaftlich den Arm um die Schulter. Der andere Junge hatte hellbraune Haare und gold braune Augen. Durch sein Gesicht zog sich eine lamge Narbe und er stellte sich als Remus Lupin vor. Er lächelte freundlich, aber zurückhaltend. Sie hatten mich aufgenommen. In ihre Gesellschaft. Mit offenen Armen. Und dann, zwei Jahre später, haben wir herausgefunden, dass Remus ein Werwolf ist. Und das war die Geburtsstunde der Rumtreiber. Remus Lupin, als Werwolf. Ich, Peter Pettigrew, als Ratte. Sirius Black, als Hund. Und James Potter, als Hirsch. Moony, Wormtail, Padfoot & Prongs. Wir waren die besten Freunde. Naja, jedenfalls sie. Schon damals hat es angefangen. James und Sirius waren so was wie die Alphas. Sie waren stark, hübsch, witzig, kokett und hervorragende Zauberer. Außerdem waren sie beste Freunde, was hieß, dass man sie nur zusammen vorfand. Wie siamesische Zwillinge. Die fette Dame nannte sie immer "den einen schwarzhaarigen Jungen und den anderen schwarzhaarigen Jungen". Niemand konnte sie unterscheiden. Potter und Black haben immer als unzertrennlich gegolten. Inseparable. Dann war da noch Remus, an zweiter Stelle. Er war auch meistens bei James und Sirius, doch wenn die zwei wieder zu lustig wurden, hatte er jede menge andere Freunde. Zum Beispiel Lily Evans, Marlene McKinnon, die Prewett Zwillinge und auch fast alle anderen Gryffindors.  Und dann war da noch ich. Peter Pettigrew. Der Mitläufer. Ich gehörte nie richtig dazu. Ich war irgendwo im Schatten von James und Sirius und wenn Remus nicht da war, war ich allein. Ganz allein. Meistens lungerte ich dann in dunklen Gängen herum und habe gewartet, dass sie wieder kommen und ich wieder hinter ihnen herrennen kann. Wenn James oder Sirius mich angesprochen haben, bin ich immer rot geworden und konnte nicht ordentlich antworten. Da kam es auch schon mal vor, dass Sirius mich auslachte. Aber er sagte immer, dass Freunde übereinander lachen können, ohne gleich beleidigt zu sein. Er lacht ja auch über James. Aber über James lacht er anders. Respektvoller und mit mehr Liebe. Über mich lachte er, als wäre ich eine Ratte und weit unter seinem Niveau. James ließ mich meistens einfach in Ruhe. Und so ging es dann auch bis zur siebten Klasse. Jeden Tag war es das gleiche. Remus steht auf, weckt uns und geht schon mal vor zum Frühstück. Ich gehe ins Bad Zähne putzen und James versucht jeden Tag aufs neue verzweifelt Sirius aus dem Bett zu zerren. Es endet dann immer damit, dass er und ich nebeneinander nach unten gehen und James Sirius auf seiner Decke mit zerrt. Wenn wir dann bei den Stufen sind wacht Sirius endgültig auf, zaubert seine Decke zurück in den Schlafsaal und geht dann mit Krone lachend weiter Richtung große Halle. Ich bin dann meistens gar nicht mehr vorhanden. Jedenfalls nicht für die beiden. In der großen Halle fragt James Evans nach einem Date und sie sagt nein. Unterricht. Mittagessen. James fragt Evans, Evans sagt nein. Unterricht und drei mal in der Woche Quidditch Training von James und Sirius. Abendessen. James fragt Evans, Evans sagt nein. Am Wochenende Party, unter der Woche machen Remus und James Hausaufgaben, Sirius schreibt von James ab und ich versuche sie auch immer zu machen, schaffe es aber nie und bekomme eine schlechte Note. Schlafen. Fertig. Aber dann in der siebten, änderte sich alles. James wurde Schulsprecher. Remus weiterhin Vertrauensschüler. Und Sirius wurde langsam erwachsen. James kam beim Weihnachtsball mit Lily Evans zusammen. Und seitdem, hat sich alles verändert. Auf einmal war ich dann wieder da. James schien endlich realisiert zu haben, dass es mich auch noch gab. Er sprach mich öfter an, redete mehr mit mir und half mir bei den Hausaufgaben, was mir nicht gerade selten, wütende Blicke von Sirius einbrachte. Immerhin war James sein bester Freund. Aber irgendwie konnte ich es nicht genießen endlich beachtet zu werden. Heimlich wünschte ich, er wäre wieder so wie früher. Der Kindskopf der mich nicht beachtet. Dann könnte ich ihn hassen. Aber das war er nicht und ich konnte nicht. Das wurde am Ende zu meinem Verhängnis.

Padfoot, Prongs und Moony schlossen Hogwarts mit Bravour ab. Ich schaffte es mit Ach und Krach überhaupt abzuschließen. Und dann ging es für Padfoot und Prongs bergauf. Sie machten die Ausbildung zu Auroren und schlossen beide mit sehr gut ab. Prongs heiratete Lily und Padfoot war Trauzeuge. Ich war eingeladen, aber es schien als wäre ich wieder nicht da. Remus beachteten sie, aber ich hätte genauso gehen können und niemand hätte es bemerkt. Ich war nie ein richtiger Rumtreiber. Ich gehörte nie dazu. Und das war der Stoß, den meine Seele mir gab. Und sie schubste mich unwillkürlich Richtung dunkler Lord.

Denn als ich eines Abends auf dem Weg zu James, Lily und ihrem Baby Harry war, war er plötzlich da. Er und mindestens 30 Todesser, mit gezückten Zauberstäben die alle auf mich gerichtet waren. Sirius hätte gekämpft, James ebenfalls, Remus hätte einen Ausweg gesuchte, aber ich war weder James, noch Sirius, noch Remus. Ich war Peter Pettigrew. Und deshalb stürzte ich vor ihm auf die Knie und flehte mich nicht zu töten. Ich hatte Angst. Angst vor dem Tod. Angst im Tod gefangen, allein zu sein. Doch im Nachhinein, wäre der Tod besser gewesen. Doch damals wusste ich das noch nicht. Der dunkle Lord fragte mich, was ich denn zu bieten hätte, wenn er mich leben ließe. Und ich bot das Leben von James, Lily und Harry Potter an. Ich wusste keinen anderen Ausweg. Ich hatte Angst. So furchtbare Angst. Und dann grinste er und willigte ein. James und Lily fanden es klug mich als Geheimnisshüter zu wählen, da Voldemord mich nicht als solcher vermuten würde. Und in dieser Zeit war James besonders nett zu mir, sagte mir sie würden schon auf mich aufpassen und das mir nichts passieren würde. Doch es war schon längst zu spät. Es tut mir Leid, James. Ich wollte die meine besten Freunde hinrichten. Ich wollte nie, dass du und deine Familie sterben. Ich wollte nie, dass Sirius in Azkaban landet und das Harry mit einer Blitznarbe auf der Stirn herum laufen muss. Ich wollte nie, dein Leben mit deiner großen Liebe so früh beenden. Ich wollte die zum Verräter werden. Doch ich wurde es. Ich wurde der Mann, der seine besten Freunde verraten hat. Und es tut mir so unendlich Leid. Vielleicht könnte ihr mir irgendwann verzeihen, James, Sirius, Remus, Lily und Harry. Vielleicht. Irgendwann.

Ich war allein, ganz allein. Am Anfang und am Ende. Ganz allein.

Peter Pettigrew, Verräter

Rumtreiber Oneshots/ HPWo Geschichten leben. Entdecke jetzt