Kevin POV
„Bitte sag mir nicht, dass wir heute wieder Zelten müssen?", fragte ich Basti hoffnungsvoll am nächsten Morgen. Das Wildcampen gestern, war für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Abendteuer für die erste Nacht gewesen. Zu meiner Erleichterung, verneint er, wollte mir aber nicht genau erzählen was er für heute Abend gebucht hatte. Naja mir egal, Hauptsache nicht wieder inmitten eines Wolfsrudels übernachten.
Eigentlich sollte diese Reise hier ein Entspannungsurlaub für Basti werden. Im Endeffekt, hatte er sich, aber trotzdem um die meisten Buchungen selbst gekümmert. Er meinte es würde ihn mehr stressen, wenn ich das übernehmen würde. Pff frech, aber mir sollte es recht sein. Basti war so wieso besser im Organisieren als ich.
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Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich unser Ziel, das sogenannte Apukka Resort. Ich hatte immer noch keine genaue Vorstellung davon, was das sein sollte, da Basti einfach nicht mit der Sprache rausrücken wollte.
Stattdessen bat er mich, vor dem Tor zu warten, während er schnell eincheckte und unser Gepäck schon mal in die Unterkunft brachte. Anscheinend würden wir noch irgendetwas unternehmen, bevor ich das Zimmer, die Hütte oder was auch immer es war endlich zu sehen bekommen würde. Ist ja nicht so, als wäre der Tag nicht schon lang genug gewesen.
Ungeduldig trat ich von einem Bein aufs andere und starrte in Richtung der Rezension. Konnte er sich mal beeilen bitte?
„Komm Kevin wir müssen hier entlang.", meinte Basti zu mir als er in aller Seelenruhe von der Rezeption zurück geschlendert kam. Ich hoffte für ihn, dass sich die Warterei, für was auch immer er als nächstes geplante hatte, gelohnt hatte.
Wortlos und etwas grummlig lief ich hinter ihm den schmalen Pfad entlang, als wir plötzlich aufgeregtes Hundegebell vernahmen. Ein paar Momente später, wurden wir von etwa zehn freudig wedelnden Huskys begrüßt. „Omg wie süß!", rief ich aufgeregt. Meine Stimmung hatte sich schlagartig ins Positive gewendet.
Machten wir etwa eine Hunde Schlittentour? Moment es ist doch Sommer, wie sollte das denn funktionieren?
Auf meine Nachfrage, wurde mir erklärt, dass wir eine Husky Tour auf Rädern machen würden. Die Hunde würden also einen Holzkarren, anstatt eines Schlittens ziehen. Wow davon hatte ich ja noch nie gehört.
„Hundeschlitten kennt man ja, aber ich kenne niemanden, der schon mal mit so einem Karren herumgefahren ist."
„Naja... das wurde mir von den Piet Smiets Jungs empfohlen. Die haben das wohl letztes Jahr gemacht.", erzählte Basti schmunzelnd.
„Nein! Sag mir nicht Jay von Piet Smiets hat diese Tour vor uns gemacht?" Ich konnte es nicht fassen.
„Ja doch schon."
„Fucking Jay von Piet Smiets.", grummelte ich.
Als Antwort begann Basti laut zu lachen. „Das war nur ein Joke Kevin. Kein Plan ob die das schon mal gemacht haben. Aber du solltest mal dein Gesicht sehen." Entrüstest starte ich ihn an. Das war einer zu viel Bastian. Wie konnte er es wagen so mit meinen Gefühlen zu spielen.
Basti hatte Glück, dass unsere Einweisung für die Tour in dem Moment startete, so dass ich mich nicht länger über ihn aufregen konnte.
Uns wurde nur kurz erklärt wie man den Karren lenkt und auf welche Kommandos die Huskys hörten. Danach ging es auch schon los. Anscheinend durften wir die 3km lange Strecke alleine, ohne Tourguide, fahren. Na das konnte ja was werden. Hoffentlich hatte Basti einen Plan wie das hier alles funktioniert, ich hatte nämlich nur so halb zugehört.
Zum Glück setzte sich Basti direkt auf den „Fahrerplatz", so dass ich mich entspannt ohne viel nachzudenken neben ihn setzten konnte. Kaum hatte Basti selbstsicher das Kommando zum Start gegeben, sprangen die Huskys aufgeregt auf und liefen ohne zu zögern los.
Etwas überrascht von dem Tempo klammerte ich mich am Karren fest. Wir fuhren einen kleinen Waldweg entlang, den die Hunde bereits auswendig kannten. Basti musste nur leicht die Richtung vorgeben, den Rest regelten die Huskys ganz alleine. Fasziniert beobachtet ich, wie mühelos sie den Karren vor sich herzogen. Sie schienen das laufen wirklich zu lieben.
„Willst du auch mal lenken?", fragte mich Basti nach einer Weile. Ähm, ich würde ja, wenn ich vorhin aufgepasst hätte.
„Ne, ne du machst das super. Ich bleib hier lieber die Beifahrer Prinzessin.", antwortete ich und lehnte mich entspannt zurück. Er machte das, aber auch wirklich gut, ich vertraute Basti da voll und ganz.
„Na darin bist du auch sehr gut Kevin.", entgegnete er mir in einem sarkastischen Tonfall und stupste mir in die Seite.
„Konzentrier dich mal lieber auf die Strecke, ich will hier heil wieder zurückkommen." Er lachte nur leise und navigiert uns sicher den Weg entlang zurück zum Ausgangspunkt.
Zum Abschied durften wir Leckerlis verteilen und alle Hunde ausgiebig knuddeln. Ich liebte es, wie unglaublich weich und flauschig ihr Fell war. So etwas hatte ich noch nie gespürt. Obwohl... Bastis Haare sahen fast noch flauschiger aus. Ich konnte nur raten, berührt hatte ich sie noch nie.
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Endlich war es so weit. Ich würde erfahren, wo wir heute Nacht schlafen würden. Es wurde auch wirklich Zeit, denn mittlerweile war es längst dunkel geworden. Basti führte mich an der Rezeption vorbei nach draußen und legte mir dann die Hände über die Augen. So liefen wir einige Minuten durch die laue Nacht, bis er mich wieder ins Warme brachte. Wir gingen noch ein paar Schritte weiter und setzten uns auf etwas, das sich weich anfühlte. Vermutlich ein Bett.
„Wir sind da. Bereit?", fragte er mich.
„Jetzt machs nicht so spannend.", entgegnete ich ihm ungeduldig.
Behutsam hob er meinen Kopf an und nahm seine Hände von meinem Gesicht. Ich öffnete langsam die Augen und erblickte einen atemberaubenderen Sternenhimmel über uns. Millionen von Sternen leuchteten in der klaren Nacht. Staunend sah ich mich um und erkannte, dass wir in einer kleinen Hütte mit Glasdach saßen, mitten unter den Sternen.
„Schön, nicht wahr?" Ich ließ meinen Blick vom Himmel zurück zu ihm wandern und sah in seine Augen. Oh ja. Wirklich schön.
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„Schau mal, Kevin, da ist der Große Wagen. Das sind die sieben Sterne, die in Wagenform angeordnet sind. Direkt daneben siehst du den Kleinen Wagen mit dem Polarstern am Griffende. Der zeigt uns genau, wo Norden ist. Das ist der hellste Stern. Schau mal hier", erklärte mir Basti und zeigte in Richtung der einzelnen Sternbilder.
Entspannt lauschte ich seiner Stimme und lies mich tiefer ins gemütliche Kissen sinken. „Mhm... spannend."
„Kevin, du schaust in die völlig falsche Richtung", lachte er und fasste vorsichtig an mein Kinn, um es sanft in Richtung der Sternbilder zu drehen. Ich nickte langsam und tat so, als würde ich genau verstehen, was er mir erklären wollte.
Basti war sich bewusst, dass ich nur noch halb zuhörte, aber erzählte trotzdem noch weiter über Sterne und wie diese zur Navigation benutzt werden können. Seine Stimme hatte einen beruhigenden Klang, welcher mich langsam schläfrig werden ließ. Als ich mich gemütlich zur Seite drehte, blieb mein Blick an seinem Gesicht hängen, das vom Mondlicht sanft beleuchtet wurde. Fasziniert beobachtete ich, wie sich seine Lippen beim Sprechen bewegten und wie seine Augen verträumt funkelten.
„Ist mein Gesicht so viel spannender, als die Sterne?", schmunzelnd drehte er sich zu mir. Oh... erwischt.
„Naja... es ist einfach schön zu beobachten, wie leidenschaftlich du über sowas reden kannst." Nicht die volle Wahrheit, aber nah genug dran.
„Ach ja? Das letzte Mal, als ich dir Flaggenfakten erzählt habe, hast du mich aber nicht so fasziniert angeschaut."
„...Shut up." Ich drehte mein Gesicht tiefer ins Kissen und zog die Decke höher, um Bastis Blick zu entgehen.
Dieser rutschte näher, wuschelte mir durch die Haare und beugte sich leicht über mich, um mir leise ins Ohr zu raunen: „Du bist echt süß, wenn dir etwas unangenehm ist."
Ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde und mein Herz etwas schneller zu pochen begann. Zum Glück konnte er meine Reaktion unter der Decke nicht sehen.
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Sommermagie (Bastiplatte)
FanfictionNach zwölf Jahren, täglichen Streamens steht Basti kurz vor dem Burnout. Wird es Kevin gelingen, ihn aus seinem Alltagstrott zu reißen und in ein turbulent romantisches Abenteuer zu entführen? All das und viel mehr, erfährt ihr in dieser Bastiplatte...
