☆Kapitel 20 - Verrat☆

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Heikos Finger flogen über die Tastatur, während mehrere Fenster über seine Monitore sprangen. Die Kette, die Kevin vor einigen Tagen freiwillig abgelegt und Basti übergeben hatte, lag offen vor ihm. Heiko hatte sie längst auseinandergebaut, nur um sicherzugehen. Er hatte nichts erwartet.

Doch da war es: ein aktives Sendemodul. Fein versteckt, mit einer individuellen Verschlüsselung, die nur jemand wie Heiko überhaupt finden konnte.

Er blinzelte. Hörte sich das Signal an. Dann – eine Stimme.

Kalt. Glatt. Berechnend.

Jules.

„Na endlich. Ich dachte schon, ihr merkt es nie. Ich hoffe, euch hat gefallen, was ihr gehört habt.“

Heikos Herzschlag beschleunigte sich. Sofort griff er zum Funkgerät.
„Basti. Büro. Sofort. Es geht um Kevin.“

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Basti kam wenige Minuten später. Ruhig. Konzentriert. Bis er die Kette auf dem Tisch sah.

„Die Kette. Was ist mit ihr?“

Heiko nickte knapp. „Jules hat alles mitgehört. Jedes Wort. Jede Berührung. Jedes Gefühl, das du gezeigt hast.“

Bastis Gesicht entgleiste. „Was?“

„Ein Sender. Aktiv. Seit dem ersten Tag. Jules weiß alles.“

Noch bevor Basti reagieren konnte, krachte ein verzerrtes Knacken durch die Lautsprecher. Die Stimme war eindeutig. Hohn tropfte aus jedem Wort.

„Basti. Mein alter Freund. Ich wollte dich hören, während du es erfährst.“

Stille.

„Kevin? Ach, Kevin war nie deiner. Der Kleine ist gut – aber labil. Ein Spielzeug. Ein Spion. Ich habe ihn geschickt. Ich habe ihm gesagt, wie er dir gefallen muss. Wie er dich rumkriegt. Und er hat es getan.“

Basti ballte die Fäuste. Seine Finger knirschten über den Tisch.

„Und weißt du was? Er liebt dich nicht. Er hat dich nie geliebt. Er wollte nur Informationen. Du hast dich verliebt in eine Illusion.“

Knacken. Stille. Jules hatte aufgelegt.

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Basti stand da wie versteinert. Das Atmen fiel ihm schwer. Er konnte nicht klar denken.

„Er wusste es nicht“, sagte Heiko leise. „Ich glaube, Kevin wusste es wirklich nicht. Er hat die Kette selbst abgelegt.“

Doch Basti hörte nicht zu.

Er riss die Tür auf und marschierte hinaus. In seinem Blick loderte etwas Dunkles. Etwas, das lange geschlafen hatte.

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Kevin saß auf seinem Bett. Die Tür flog mit einem Knall auf. Er schreckte hoch.

„Basti? Was ist los—?“

„War das alles nur ein Spiel?!“ Bastis Stimme hallte durch den Raum, wie ein Donnerschlag.

Kevin sprang auf. „Was—? Nein! Was redest du?“

„Jules hat alles gehört. Jedes verdammte Wort! Und er sagt, du hast mich nie geliebt! Dass du ein Spion bist!“

Kevins Gesicht wurde kalkweiß. „Das stimmt nicht! Ich wusste nichts von dem Mikrofon! Ich hab dir nichts vorgemacht, ich schwöre es!“

Basti ging auf ihn zu. Seine Präsenz war überwältigend. Kevin wich zurück, bis sein Rücken die Wand berührte.

„Dann sag mir, warum ich dir glauben soll!“, fauchte Basti. Seine Stimme vibrierte. Zu laut. Zu wütend.

Kevin schluckte, Tränen stiegen in seine Augen. „Weil ich dich liebe! Und ich hasse Jules für alles, was er getan hat! Ich wollte nichts mehr von ihm… ich wollte nur bei dir sein.“

Bastis Miene verzog sich. Zorn flackerte in seinen Augen, aber auch Schmerz. So viel Schmerz.

Für einen Moment standen sie sich schweigend gegenüber.

Dann – Basti trat einen Schritt zurück.

„Raus“, sagte er heiser.

Kevin stand da wie versteinert. „Bitte…“

„Ich sagte, Raus.“

Kevin schüttelte den Kopf, konnte es nicht fassen. Er griff nach Bastis Hand – doch Basti zog sich zurück, als hätte er sich verbrannt.

„Ich hab dir vertraut“, flüsterte Basti. „Und jetzt weiß ich nicht mehr, was echt war.“

Kevin trat langsam zurück. Die Tränen liefen ihm übers Gesicht. Er drehte sich um, rannte aus dem Zimmer – und aus Bastis Nähe.

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Basti blieb zurück. Stumm. Starr. Die Kette lag zerlegt auf dem Tisch.

Er hob sie auf. Seine Finger zitterten.

Dann – mit einem Schrei schleuderte er sie gegen die Wand. Das Metall splitterte.

Aber der Schmerz blieb.

☆☆☆☆☆

Ich weiß ich bin gemein.

☆Eneco☆

König(hg) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt