3. Wildtiere

328 23 16
                                        

Kevin POV

Heute war der Tag an dem unsere große Wandertour endlich startete. Wir mussten nur noch schnell Proviant besorgen, dann ging es los zum Norvajärvi See. Dieser war zum Glück laut Basti nur ungefähr 18km entfernt. Das sollten wir in ein paar Stunden locker schaffen.

Im Supermarkt warf ich verschiedene Snacks in den Einkaufswaagen. Schokobrezeln, Saure Würmer, Red Bull etc. Was man halt alles für eine Wanderung braucht.

„Dein ernst Kevin?" Basti schien nicht sonderlich begeistert von meiner Auswahl zu sein. Konnte ich ja gar nicht nachvollziehen.

„Was? Lass mich doch.", entgegnete ich genervt. Sorry, dass wir nicht alle so perfekt sind, und uns von mehr als nur Stullen, Gemüse und Obst ernährten.

„Übertreibs nicht mit den Snacks, sonst lockst du noch wilde Tiere an."

„Wilde Tier?" Meine bisher selbstsichere Stimme, wurde plötzlich etwas schwankend.

„Ja Wildtiere Kevin. Bären, Wölfe, Elche, Luchse...", entgegnete mir Basti, als würde er es einem Kleinkind erklären. "Wir sind im Wald. In Finnland. Da leben Tiere." Wow, danke für die Info. Ganz verblödet bin ich auch nicht, ich hatte bisher nur nicht daran gedacht.

„Keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass wir irgendwas Gefährlichen über dem Weglaufen ist ziemlich gering. Außerdem hab ich auch schon Bärenspray eingepackt.", fuhr er fort. Naja immerhin einer von uns war vorbereitet.

Um mich abzulenken, legte ich noch ein paar weitere Süßigkeiten in den Waagen. Basti schwieg dazu und machte sich stattdessen daran, einige nahrhafte Lebensmittel zu besorgen, aus denen man eine richtige Mahlzeit zubereiten konnte.

---

Seit ungefähr anderthalb Stunden liefen wir jetzt schon auf einem schmalen Pfad durch den Nadelwald. Links und rechts von uns ragten hohe Fichten empor, die einen angenehm entspannenden Geruch verströmten. Die einzigen Geräusche die wir wahrnahmen war das melodische Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Bäume im Wind.

In der letzten halben Stunde hatten wir nur ein paar Worte miteinander gewechselt und einfach still die Gesellschaft des anderen genossen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Basti ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte. So tiefenentspannt wie hier hatte ich ihn schon lange nicht mehr gesehen. Es schien als wären all seine Alltagssorgen wie weggeblasen.

Ich wollte diese traumhafte Stimmung nicht zerstören, aber der Rucksack auf meinem Rücken wurde langsam wirklich schwer. Eventuell, hätte ich doch ein paar Snacks zu viel eingekauft.

Als könnte er meine Gedanken lesen meinte Basti plötzlich: „Schau mal da vorne ist eine Waldlichtung. Lass uns da doch etwas Pause machen."

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und ließ mich mit einem erleichterten Seufzer erschöpft ins weiche Gras sinken. Ich knabberte ein wenig an meinen Schokobrezeln und legte mich schließlich auf den Rücken. Die Wiese war gemütlicher als erwartet. „Ich ruhe nur kurz meine Augen aus.", murmelte ich zu Basti, bevor ich langsam in den Schlaf driftete.

---

Als ich eine halbe Stunde später wieder aufwachte spürte ich ein unangenehmes Brennen auf meiner Nase. Stöhnend setzte ich mich auf und rieb mir übers Gesicht.

Basti blickte von seinem Handy hoch und ich sah wie sich seine Augen weiteten. „Hast du dich heute Morgen etwas nicht eingecremt? Deine Nasenspitze ist ja ganz rot!"

„Oh, aber so heiß ist es doch gar nicht..." Basti schüttelte nur den Kopf und kramte in seinem Rucksack nach der Sonnencreme.

„Augen zu", murmelte er, bevor er die Creme auf meinem Gesicht verteilte. Bastis Hände fühlten sich angenehm kühl auf meinem völlig überhitzten Gesicht an. Als seine Finger über meine Wangen glitten, lehnte ich mich unwillkürlich ein wenig näher in seine Berührung.

Sommermagie (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt