Muffensausen

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Der Zug rumpelte langsam aus dem Bahnhof heraus, während draußen die Häuser kleiner wurden und die Straßenlaternen allmählich verblassten. Basti lehnte den Kopf an das kalte Fenster, die Augen halb geschlossen, doch sein Geist war hellwach und rastlos. Die langen Minuten der Fahrt zogen sich wie Kaugummi, während die vorbeiziehende Landschaft im Dunkel nur schemenhaft sichtbar war.

Er wusste nicht, wie er sich fühlen sollte. Also fühlte er einfach alles.

Sein Herz war leichter als sonst, als hätte das Gespräch mit Kevin etwas von der Last genommen, die er seit Wochen mit sich trug. Doch da war auch dieses Flimmern, dieses unsichere Kribbeln, das nicht verschwinden wollte.

Was, wenn Kevin das nur gesagt hatte, weil er sich verloren fühlte? Weil Masha weg war? Weil er jemanden brauchte, nicht unbedingt für immer, sondern gerade jetzt?

Basti zog die Schultern hoch, als könne er den Gedanken so von sich schieben. Aber das ging nicht.

Masha war nicht da gewesen, aber sie war in jedem Satz, jedem Blick von Kevin mitgeschwungen. Die beiden würden noch sprechen. Und Basti wusste, dass das nicht spurlos bleiben würde.

Sie war nicht da gewesen, aber sie war überall mitgeschwungen. In jedem Satz, den Kevin gesagt hatte. In jedem Blick.

Was, wenn Kevin zurückruderte?
Was, wenn es doch nur so ein Moment war, so ein Gefühl, das man in der Nacht zulässt, aber im Hellen nicht mehr aushält?

Er stieg die Treppen zu seiner Wohnung hoch, schloss auf, trat ein. Alles roch nach ihm selbst. Irgendwie tröstlich. Er ließ die Jacke an, setzte sich aufs Bett, starrte auf seine eigene Zimmerwand.

Er war verliebt.
Punkt.
Da gab's nichts mehr zu diskutieren. Keine „Vielleicht"s. Kein „nur Freundschaft".

Verknallt war er schon lange gewesen. Aber jetzt... war es anders.
Tiefer.
Ernst.
Er dachte an Kevins Lachen. An seine Art, den Kopf zu senken, wenn ihm was zu viel wurde. An die leise Stimme heute Morgen, als er gesagt hatte, dass er will, dass Basti bleibt.

Es war echt gewesen. Er hatte es gespürt. Und trotzdem, es war, als würde er auf einer Seifenblase sitzen. Alles leicht, alles schön, aber wehe, man bewegte sich zu ruckartig.

Seine Finger spielten mit dem Saum seines Shirts, fahrig, nervös. Dann griff er nach seinem Handy. Nichts. Keine neue Nachricht. Auch keine alte von Kevin. Es war ja auch nichts offen geblieben. Und trotzdem wünschte er sich, dass irgendwas kam. Nur ein dummes Emoji. Ein „Bin da". Irgendwas, das sagte: Ich denk noch an dich.

Aber da war nichts.

Basti ließ das Handy sinken, lehnte den Kopf zurück. Vielleicht war es gut so. Vielleicht brauchte Kevin heute Raum, um zu klären, was da noch offen war. Vielleicht saß er gerade mit Masha zusammen. Vielleicht war genau jetzt der Moment, in dem alles entschieden wurde.

Er schloss kurz die Augen. Versuchte, ruhig zu atmen.

„Ich bleib", hatte er gesagt.
Aber er wusste nicht, ob Kevin das wirklich wollte. Für morgen. Nicht nur für diese Nacht.

Er öffnete die Augen wieder. Stand auf. Bewegte sich in der Wohnung, ziellos. Er konnte nicht sitzenbleiben. Konnte nicht warten. Nicht wirklich.

Also machte er sich einen Tee, obwohl er keinen wollte. Räumte die Spülmaschine aus. Sortierte seine Klamotten. All das Zeug, das man tut, wenn man sich selbst austricksen will.

Er kam trotzdem immer wieder bei Kevin an.

Nicht, weil er nichts anderes im Kopf hatte.
Sondern weil er's endlich zugab.

Er war richtig, verdammt verliebt. Nicht mehr „Ich könnte", sondern „Ich bin". Und das machte alles größer. Verletzlicher. Aber auch klarer.

Er wusste, was er wollte.

Jetzt blieb nur zu hoffen, dass Kevin es auch wusste.
Nicht nur heute.
Sondern auch morgen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 26, 2025 ⏰

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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt