Die Wohnung war still, als Basti ging. Die Tür fiel leise ins Schloss, kein Wort zu viel, kein Blick zu lang. Kevin war in der Tür stehen geblieben, die Hände in den Hosentaschen, und hatte ihm nur nachgeschaut. Basti hatte auf der Couch geschlafen, das wussten beide. Nicht weil es kompliziert war, sondern weil es einfach noch nicht mehr war. Und das war gut so.
Kevin atmete aus. Tief. Länger, als nötig gewesen wäre. Dann zog er sich zurück ins Wohnzimmer, ließ sich auf die Sofakante sinken und starrte für eine Weile einfach ins Leere. Er fühlte sich erschöpft. Nicht körperlich, sondern wie jemand, der schon den ganzen Tag still gegen eine Wand gelehnt hat und weiß, dass sie bald einstürzt.
Masha hatte geschrieben:
„Ich bin in zwei Stunden zurück. Wir müssen reden."
Er hatte nur geantwortet:
„Ich weiß."
Er hatte es gewusst, noch bevor sie es geschrieben hatte. Noch bevor sie ihre Tasche gepackt hatte. Noch bevor sie gegangen war. Und jetzt war der Moment da, von dem er die ganze Zeit gewusst hatte, dass er kommen würde.
Er duschte, ohne es richtig zu merken. Zog sich frische Sachen an. Keine besondere Auswahl, einfach das, was oben lag. Jeans. Ein Hoodie. Kein Parfum. Kein Versuch, irgendetwas zu überspielen.
Als es klingelte, saß Kevin bereit in der Küche. Der Gedanke an die nötige Auseinandersetzung schauderte ihm, aber es musste passieren. Masha stand draußen, die Schultern leicht angezogen, das Gesicht neutral. Ihr Blick wanderte an ihm vorbei, in den Flur, als würde sie prüfen, ob Basti da sei. Als würde sie den Rest der Wahrheit nochmal abgleichen.
„Hi", sagte sie.
„Hi."
Sie zog die Schuhe aus, trat ein, als wäre sie nur kurz weg gewesen und nicht mit einer Tasche voller Fragen gegangen. Dann setzte sie sich auf das Sofa, ohne Einladung, ohne zu fragen. Kevin blieb stehen, lehnte sich schließlich an die Wand.
Die Stille war nicht kalt. Nur leer.
„Du weißt, warum ich hier bin", sagte Masha nach einer Weile. Ihre Stimme war fest, klar, fast nüchtern. Aber ihre Augen sahen müde aus.
Kevin nickte. „Ja."
„Also sag's mir. Direkt. Ohne irgendwas drumherum."
Er schluckte. Dann ließ er sich langsam auf den Sessel gegenüber sinken.
„Ich habe dich nicht betrogen", begann er. „Nie. Nicht einmal im Kopf. Ich hab dich nicht verarscht. Ich hab dich wirklich geliebt. Aber irgendwas hat sich verschoben. Und ich hab's nicht rechtzeitig verstanden."
Masha nickte. Nicht zustimmend. Einfach, um zu zeigen: Ich hör dir zu.
„Es geht um Basti."
Sie zuckte kaum merklich, aber sie sagte nichts.
„Ich hab mich selbst belogen. Wochenlang. Vielleicht Monate. Ich dachte, ich verliere dich, wenn ich das zulasse. Also hab ich's zugemacht. Runtergedrückt. Aber dann... war es irgendwann nicht mehr zu übersehen. Es ist nicht so, dass ich dich nicht mehr liebe. Es ist nur... nicht mehr das Gleiche. Es fühlt sich nicht richtig an, dich zu halten und gleichzeitig an ihn zu denken. Nicht, weil ich will, dass es so ist. Sondern, weil es einfach ist."
Er stockte. Masha blickte ihn lange an. Dann senkte sie den Blick.
„Und was willst du jetzt?"
„Ich will ehrlich sein. Nicht mehr lügen, nicht mehr so tun. Ich weiß nicht, ob das mit Basti überhaupt irgendwohin führt. Aber ich weiß, dass ich dir nichts vorspielen kann. Nicht dir, nicht ihm und vor allem nicht mir selbst."
Sie atmete aus. Ein leiser, zittriger Ton.
„Weißt du, was richtig weh tut?" Ihre Stimme war ruhig, aber ihre Finger krallten sich in den Stoff ihrer Hose. „Dass ich es gemerkt hab. Nicht gestern. Nicht vorgestern. Sondern schon vor Wochen. Ich hab dich angeschaut, Kevin, und da war was. Irgendwas war weg. Und ich hab trotzdem weitergemacht, weil ich dachte, vielleicht kommt's zurück."
Kevin sah sie an, sagte nichts.
„Aber es kam nicht zurück. Stattdessen kam er." Ihre Augen hoben sich zu ihm, aber nicht wütend. Nur müde. „Ich hab mich gefragt, ob ich verrückt bin. Ob ich paranoid bin. Weil du nie was gesagt hast. Aber jetzt sitz ich hier und weiß, dass mein Gefühl richtig war. Und ich wünschte, es hätte sich geirrt."
„Es tut mir leid", sagte Kevin. Ehrlich. Leise. Mehr hatte er nicht.
Masha nickte. Wieder nur ein Nicken. Kein Urteil.
„Liebst du ihn?"
Kevin zögerte. Nicht, weil er lügen wollte. Sondern weil es keine einfache Antwort gab.
„Ich weiß nicht, was es ist", sagte er schließlich. „Aber es ist da. Und es hört nicht auf."
Masha schloss für einen Moment die Augen. Als müsse sie etwas in sich sortieren, was nicht zu greifen war.
„Okay", sagte sie dann. „Dann ist das wohl das Ende, ja?"
Kevin nickte langsam. „Ich denke schon."
Sie stand auf. Nicht abrupt. Nicht dramatisch. Sondern wie jemand, der das Gewicht dieser Entscheidung trägt, aber nicht mehr kämpfen will. Sie nahm ihre Tasche, die sie in den Flur gestellt hatte, zog sich langsam ihre Jacke an.
„Ich hoffe, dass er dich nicht kaputt macht", sagte sie, als sie die Tür erreichte. „Und dass du dich nicht selbst kaputt machst, während du versuchst, rauszufinden, wer du bist."
Kevin schluckte. „Danke."
Masha drehte sich noch einmal zu ihm um. „Und Kevin? Wenn's ernst wird mit ihm... sag's ihm. Sag's ihm nicht so spät wie mir."
Er nickte. Und dann war sie weg.
Die Tür fiel leise ins Schloss.
Und zum ersten Mal seit Wochen war da kein Gewicht mehr auf seiner Brust. Nur ein leiser Schmerz. Und irgendwo darunter: Platz für etwas Neues.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
