Nachgeschmack

242 12 1
                                        

Basti blinzelte in das diffuse Licht, das durch die halb geöffneten Vorhänge fiel. Die Decke auf ihm war ein wenig verrutscht, sein Nacken fühlte sich steif an vom Schlaf auf der Couch. Er richtete sich langsam auf, fuhr sich durch die Haare und ließ den Blick durch das Wohnzimmer schweifen.

Still.

Er wusste nicht, wie spät es war. Nur, dass draußen ein milder, blasser Morgen begonnen hatte und die Geräusche von irgendeinem Lieferwagen die leere Straße füllten.

Seine Jacke lag zusammengefaltet auf dem Sessel, genau da, wo er sie gestern hingelegt hatte. Kevins Handy-Ladekabel hing noch halb aus der Steckdose, daneben ein leerer Wasserglasrand auf dem Couchtisch. Alles sah so aus, als wäre es nicht angerührt worden.

Basti streckte sich kurz, leise. Er erinnerte sich an den Abend davor, an das Gespräch. Dicht, ehrlich, viel zu viel, und trotzdem richtig. Sie hatten irgendwann nicht mehr viel gesagt. Kevin war in sein Zimmer gegangen. Basti hatte auf der Couch gelegen, hellwach, stumm und überwältigt, bis der Schlaf ihn irgendwann eingeholt hatte.

Die Tür zum Schlafzimmer war geschlossen.

Er stand auf, leise, zog sich die Jacke über, nicht weil ihm kalt war, sondern weil es sich nach etwas Normalem anfühlte. Dann ging er langsam in die Küche. Eine Kaffeetasse stand im Spülbecken. Daneben zwei Teebeutel, eine offene Honigflasche. Dieses kleine Chaos erinnerte ihn sanft daran, dass alles noch real war.

Gerade, als er sich ein Glas Wasser einschenken wollte, öffnete sich die Tür. Kevin stand im Rahmen, zerzauste Haare, weites Shirt, noch nicht ganz angekommen im Tag. Für einen Moment sagte keiner etwas.

Dann ein leises „Hey" von Kevin. Und Basti nickte nur.

„Wie hast du geschlafen?", fragte Kevin, während er zur Kaffeemaschine ging, ohne Basti aus dem Blick zu lassen.

„Geht so", murmelte Basti. „Dein Sofa ist kein Bett."

Ein kurzes Lächeln huschte über Kevins Gesicht. Nicht verlegen, eher weich. „Tut mir leid."

„Musst du nicht", sagte Basti schnell. „War gut, hier zu sein."

Kevin schüttete sich Kaffee ein, Basti lehnte sich an die Küchenarbeitsplatte. Es war kein unangenehmes Schweigen. Nur dieses vorsichtige Tasten nach dem, was jetzt war.

„Ich hab nachgedacht", sagte Kevin nach einer Weile. „Nicht alles durchgeplant. Aber so... Dinge geordnet. In meinem Kopf."

Basti hob leicht eine Augenbraue. „Und? Ordnung gefunden?"

Kevin sah ihn an. „Ein bisschen."

Er nahm einen Schluck Kaffee, stellte die Tasse ab. „Ich hab keine Angst mehr davor, was das ist. Was ich fühle. Nicht mehr so wie vorher."

Basti sah ihn ruhig an. „Und was ist es?"

Ein kurzer Moment, dann kam Kevins Antwort, leise, ohne Aufsatz, ohne Betonung: „Ich mag dich. Nicht als Ersatz. Nicht weil was fehlt. Sondern einfach, weil du du bist."

Basti fühlte, wie etwas in ihm langsam locker wurde. Wie das Ziehen in der Brust, das ihn seit Wochen begleitet hatte, ein Stück nachließ.

„Ich hab dich vermisst", sagte er ehrlich. „Auch, als ich nicht wollte, dass ich dich vermisse."

Kevin nickte. „Ich weiß."

Dann trat er ein kleines Stück näher. Nicht zu nah. Aber nah genug, dass Basti den Impuls verspürte, nicht auszuweichen. Nicht mehr.

„Ich will nichts überstürzen", sagte Kevin. „Und auch nichts kaputt machen. Ich will, dass wir das hier richtig machen. Wenn du das auch willst."

Basti nickte langsam. „Ich will nicht, dass du dich für irgendwas entscheidest, nur weil es einfacher ist. Oder weil es gerade passt."

„Mach ich nicht", sagte Kevin leise. „Ich weiß nicht, wie man sowas... nennt. Oder wie man's richtig macht. Aber ich weiß, dass ich will, dass du bleibst."

Ein Lächeln schlich sich auf Bastis Gesicht, kaum sichtbar, aber da. „Dann bleib ich."

Sie standen da. Zwei Leute, die keine großen Worte mehr brauchten. Nur Raum, Zeit und die Bereitschaft, nicht mehr wegzulaufen.

Kevin hob leicht die Hand, als wolle er sie Basti auf den Arm legen, zog sie aber wieder zurück. Und Basti verstand. Dass alles jetzt langsamer ging. Und echter.

„Frühstück?", fragte Kevin irgendwann.

„Nur wenn du's machst", grinste Basti.

„Deal."

Sie lachten leise. Und alles fühlte sich plötzlich leicht an. Nicht abgeschlossen. Nicht perfekt. Aber endlich wieder offen. In die richtige Richtung.

Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt