Basti hatte nicht geschlafen. Nicht wirklich.
Er war irgendwann gegen fünf Uhr früh vom Bett aufgestanden, weil er es nicht mehr ausgehalten hatte, dieses Hin- und Herwälzen, dieses Kopfkino, das in Schleifen lief. Die Nachricht von Kevin war immer noch da, immer noch dieselben drei Worte, immer noch ohne alles drum herum. Und Kevins Antwort auf Bastis knappe Nachfrage – „Okay. Wann?" – war auch nur ein einziges Wort gewesen: „Heute."
Mehr nicht.
Keine Uhrzeit, kein Ort. Nur „heute".
Basti hatte den halben Vormittag damit verbracht, nichts zu tun. Herumzulaufen. Kaffee zu kochen, ihn stehen zu lassen. Nachrichten zu öffnen, wieder zu schließen. Alles fühlte sich an wie Warten, aber auf was genau, wusste er selbst nicht.
Kurz nach Mittag schrieb Kevin dann: Bin zuhause. Komm vorbei, wenn du kannst.
Mehr brauchte es nicht.
Basti fuhr. Wortlos. Mit Musik, die er nicht hörte, in einem Bus, der viel zu langsam fuhr. Jeder Halt war wie eine kleine Pause zwischen den Gedanken, die er nicht denken wollte. Zwischen all den „Was ist, wenn–" und den „Vielleicht hat er–" und den „Ich sollte lieber–". Aber der Bus hielt schließlich, wie immer, an der gewohnten Ecke, und Basti stieg aus, obwohl sich alles in ihm sträubte.
Er stand vor Kevins Haustür und zögerte.
Drei Sekunden.
Sieben.
Dann drückte er.
Die Tür war natürlich verschlossen, doch gerade wollte er nicht klingeln und Kevin im Türrahmen gegenüber stehen. Von diesem hatte er einen eigenen Schlüssel für seine Wohnung bekommen, so eng standen sie sich. Weil er wusste, das er nicht klingeln würde, hatte er Basti den Schlüssel mitgebracht und steckte ihn nun in das kleine Türschloss. Kaum war die Tür offen, trat Basti leise ein, wie jemand, der nicht sicher ist, ob er willkommen ist, obwohl ihn jemand eingeladen hat.
Die Wohnung war still. Kein Fernseher, keine Musik. Nur ein dumpfer Lichtschein aus dem Wohnzimmer. Basti zog die Schuhe aus, stellte sie ordentlich neben Kevins, obwohl ihm nicht danach war. Es war ein Reflex. Fast schon Zärtlichkeit.
Dann trat er in den Raum.
Kevin saß auf dem Sofa, genau wie in der Nacht davor, wie eingefroren, dieselbe Haltung. Hände auf den Knien, Schultern leicht hochgezogen. Als Basti hereinkam, hob er den Kopf, langsam, als hätte er ihn vorher stundenlang gesenkt gehabt.
„Hey", sagte Basti.
„Hey", kam es zurück.
Dann nichts.
Für ein paar Sekunden stand Basti einfach da, sah ihn an. Kevin sah müde aus. Nicht nur vom Schlafmangel, sondern tiefmüde, ausgezehrt. Als hätte etwas an ihm gezehrt, von innen.
„Darf ich?", fragte Basti und deutete aufs Sofa.
Kevin nickte nur.
Also setzte sich Basti. Mit einem kleinen Abstand. Nicht direkt neben ihn, aber nah genug, dass es auffiel. Dann sagte wieder niemand etwas.
Die Stille war nicht feindlich. Nur voll. Voll mit Dingen, die keiner in Worte fassen konnte. Und voll mit allem, was nicht gesagt worden war, in Wochen.
„Ich hab nicht geschlafen", murmelte Basti irgendwann. Seine Stimme klang heiserer, als er dachte. „Wegen der Nachricht."
Kevin nickte langsam, fast entschuldigend.
„Ich auch nicht", sagte er.
Dann schwieg er wieder. Die Minuten dehnten sich. Basti wartete, aber es kam nichts. Kein Anfang, kein Satz, keine Erklärung. Und irgendwann hielt er es nicht mehr aus.
„Was ist los, Kevin?", fragte er. „Was genau willst du mir sagen?"
Kevins Kiefer spannte sich leicht an. Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, als wolle er sich selbst klarmachen, dass das hier echt war. Dann holte er tief Luft.
„Masha ist weg", sagte er leise.
Basti blinzelte. „Weg?"
„Zu ihrer Familie. Für ein paar Tage."
Basti nickte langsam, wusste nicht, wie das in alles reinpasste. „Okay. Und... warum?"
Kevin sah ihn kurz an, dann wieder weg. Seine Stimme war so leise, dass man fast das Gefühl hatte, sie könnte zerbrechen.
„Weil ich ehrlich zu ihr war. Zum ersten Mal."
Es war, als würde in Bastis Magen etwas zusammenrutschen. Nicht, weil er wusste, was das bedeutete, sondern weil er es nicht wusste. Weil der Ton, in dem Kevin das sagte, zu groß war für den Satz.
„Und was hast du gesagt?", fragte Basti vorsichtig.
Kevin schloss die Augen. Atmete durch. Dann sagte er: „Dass es dich gibt."
Einatmen. Ausatmen. Stille.
Basti starrte ihn an. Die Worte hingen im Raum, schwer und scharf und irgendwie verletzlich. Es dauerte einen Moment, bis er überhaupt etwas erwidern konnte.
„Mich?", fragte er. „Was meinst du mit... dass es mich gibt?"
Kevin öffnete die Augen wieder, sah ihn an. Dieses Mal wich er nicht aus. Und Basti spürte, dass genau jetzt alles kippte.
„Ich hab ihr gesagt, dass da was ist", sagte Kevin. „Zwischen mir und dir. Oder in mir. Ich weiß es nicht genau. Nur, dass es nicht mehr geht, so zu tun, als wäre alles normal."
„Aber... was genau hast du gesagt?", flüsterte Basti. „Was denkst du, was das ist?"
Kevin schwieg lange. Dann, ganz leise: „Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr aufhören kann, an dich zu denken. Dass ich alles analysiere, was du sagst, wie du guckst, wie du läufst. Dass ich wütend auf mich bin, wenn ich mich danach sehne, bei dir zu sein. Und noch wütender, wenn ich es bin."
Basti hörte seinen eigenen Herzschlag im Hals. Zu laut. Zu schnell. Zu viel.
„Ich dachte, du würdest nie was sagen", murmelte er.
„Ich auch", sagte Kevin. „Aber ich konnte nicht mehr."
„Und jetzt?", fragte Basti. „Jetzt ist sie weg. Und du... willst was?"
Kevin sah ihn lange an. Dann sagte er: „Ich will dich nicht verlieren."
„Aber du willst sie auch nicht verlieren", erwiderte Basti.
Kevin schluckte. „Nein."
Wieder diese Stille. Wieder dieser Abgrund zwischen ihnen. Nur diesmal standen sie beide am Rand, nebeneinander.
„Ich hab keine Antwort, Basti", sagte Kevin schließlich. „Ich weiß nicht, was das hier ist. Oder was es werden soll. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr lügen kann. Nicht vor ihr. Und nicht vor dir."
Basti ließ den Kopf sinken. Er wusste nicht, ob er erleichtert war oder verletzt. Ob das hier ein Anfang war oder ein Ende.
„Ich bin nicht gekommen, um eine Entscheidung zu erzwingen", sagte er leise. „Ich wollte nur wissen, ob ich verrückt bin. Ob ich mir das alles eingebildet hab."
Kevin sah ihn an, und in seinem Blick lag zum ersten Mal seit Wochen etwas Unverdecktes. Etwas Echtes.
„Du hast dir nichts eingebildet."
Und für einen Moment war das genug.
Nicht alles, aber genug, um zu bleiben.
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Hoffe euch hat das Kapitel gefallen!
MONTAG ZP ERGEBNISSE AH
LY ALL
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
