☆Kapitel 16: Zweifel☆

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Kevin atmete tief durch, als er über das Trainingsgelände lief. Eine Woche war vergangen, seitdem er sich entschlossen hatte, Basti zu vertrauen – zumindest ein Stück weit. Seitdem war vieles anders geworden. Basti nahm ihn mit zu den Mahlzeiten im großen Saal, stellte ihn nach und nach dem engsten Kreis vor, ließ ihn an kleinen Aufgaben teilhaben. Es fühlte sich fast normal an. Fast.

Trotzdem war da etwas in seinem Nacken, das ihm keine Ruhe ließ – die Kette. Jedes Mal, wenn er alleine war, hörte er Leos Stimme durch das unscheinbare Schmuckstück flüstern.
„Hast du ihn gefragt? Kevin, du musst das tun. Es ist wichtig. Du musst mit raus, dann wird alles anders. Dann holen wir dich da raus. Dann bist du frei.“

Kevin starrte auf das Ding. Es fühlte sich nicht mehr wie Sicherheit an – sondern wie eine Fessel. Und doch traute er sich nicht, sie abzunehmen. Noch nicht.
Er hatte das Thema vorsichtig angesprochen. Beim Abendessen mit Basti hatte er gesagt: „Vielleicht… irgendwann… könnte ich ja mal bei einem Außeneinsatz helfen? Einfach mitkommen?“
Basti hatte ihn nur angesehen, eine Weile geschwiegen. Dann hatte er ruhig geantwortet: „Noch nicht.“

Seitdem hatte Kevin nichts mehr gesagt. Aber Leo ließ nicht locker.
Heute wieder.
„Du musst weitergehen, Kevin. Wenn du willst, dass sich etwas ändert – wenn du raus willst – musst du auf einen Außeneinsatz. Das ist die einzige Möglichkeit. Vertrau mir.“

Doch das tat Kevin nicht mehr ganz. Irgendetwas an Leo war schief. Immer schon gewesen. Und je näher er Basti kam, desto mehr fühlte er sich falsch dabei, überhaupt noch mit Leo zu reden.
Basti... war nicht der Mann, für den ihn Leo und Jules halten wollten.

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Am Abend saß Basti in seinem Büro. Er hatte die Tür offen gelassen – ungewöhnlich für ihn. Und noch ungewöhnlicher war, dass er ein Tablett mit Essen in der Hand hielt.

Kevin zuckte zusammen, als es klopfte.
„Ich hab dir was mitgebracht“, sagte Basti ruhig. „Du warst beim Abendessen nicht da.“
„Ich… hatte keinen Hunger“, log Kevin.

Basti stellte das Tablett ab und setzte sich ihm gegenüber auf die Fensterbank. Eine Weile sagte niemand etwas.
Dann durchbrach Kevin die Stille. „Warum hast du mich das erste Mal nicht getötet?“
Basti sah ihn an.
„Weil du mich daran erinnert hast, wie es sich anfühlt, nicht allein zu sein.“

Kevin schluckte. In seinen Augen lag dieser Ausdruck, zwischen Misstrauen und Verlangen.
„Und heute?“, fragte er leise.
„Heute“, sagte Basti, „weiß ich, dass ich dich niemals hätte gefangen nehmen dürfen. Aber… ich hätte es noch weniger ausgehalten, wenn ich dich verloren hätte.“

Es war ein Moment voller Spannung. Worte schwebten unausgesprochen zwischen ihnen.
Kevin senkte den Blick.
„Leo hat sich wieder gemeldet“, flüsterte er schließlich.
Bastis Gesicht verhärtete sich.
„Wie? Was wollte er?“
„Über die kette um meinen hals und er wollte Dass ich dich frage, ob ich mit raus darf.“
„Und du?“
Kevin sah ihn wieder an.
„Ich hab ihm gesagt, dass du Nein gesagt hast. Und dass ich es nicht noch einmal frage.“

Ein Teil von Basti entspannte sich. Ein anderer blieb wachsam.
„Und warum sagst du mir das?“
„Weil ich nicht mehr weiß, wem ich vertrauen soll“, sagte Kevin ehrlich. „Aber… ich will es bei dir versuchen.“

Basti nickte langsam. Dann stand er auf, ging zur Tür – und blieb stehen.
„Wenn du es wirklich willst, wirst du die Kette irgendwann abnehmen.“
Er ging, ohne sich umzudrehen.

Kevin saß lange da. In seiner Hand lag das kleine Stück Metall. Es wog schwerer als je zuvor "

☆☆☆☆☆

Danke für euer Verständnis unter dem letzten Kapitel.

Ich gebe mir weiter mühe es weiter zu schreiben.

Bis dann
☆Eneco☆

König(hg) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt