☆Kapitel13: Nähe☆

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Der Morgen begann mit Regen. Feine Tropfen perlten an den hohen Fenstern des Speisesaals herunter. Der Himmel über dem GHG-Anwesen war grau, fast silbern – wie Bastis Haut, dachte Kevin, als er mit seinem schwarzen Trainingsanzug an einem der langen Tische saß. Er hatte kaum geschlafen.

Seit dem Gespräch mit Leo – nein, – war ihm ständig übel. Er hatte nichts gegessen, nicht mal getrunken. Alles fühlte sich falsch an. Und doch auch… richtig?

Plötzlich öffnete sich die Tür. Wie ein Magnet drehte Kevin den Kopf – Basti.

Wie immer im Anzug, heute mit einem dunkelgrünen Hemd. Kein Wort. Seine strahlend blauen Augen trafen Kevin kurz, dann setzte er sich direkt neben ihn. Nicht gegenüber – neben ihn. Die Spannung war sofort da. Kevin spürte die Wärme, die von Basti ausging. Oder war es seine eigene Nervosität?

Basti reichte ihm ein Tablett mit Essen. „Du hast gestern nichts gegessen.“

Kevin sah das Essen an, dann ihn. „Und das weißt du woher?“

„Ich weiß alles, was ich wissen muss“, sagte Basti ruhig.
Ein leichtes Schmunzeln zuckte über seine Lippen. „Und ich sehe, wenn du kurz vorm Umkippen bist.“

Kevin zuckte mit den Schultern, nahm das Tablett. „Danke“, murmelte er.

Stille.
Dann fragte Basti: „Willst du heute trainieren oder pausieren?“

Kevin hob den Blick. „Du lässt mich entscheiden?“

Basti lehnte sich leicht zurück, musterte ihn. „Ich vertraue dir.“
Ein kurzer Moment. Knisternd. Beinahe zu direkt.

Kevin verschluckte sich beinahe am Brot.

„Aber...“ Basti wandte sich wieder zum Tisch. „Ich beobachte dich trotzdem.“

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Später am Tag, als der Regen in Nebel überging und der Trainingsplatz leer war, führte Basti Kevin zu einem kleinen Innenhof. Die Mauern dort waren alt, fast überwachsen mit Moos. Es war ruhig. Privat.

„Warum bin ich hier?“, fragte Kevin vorsichtig.

„Du wolltest mehr über mich wissen“, sagte Basti.
„Ich zeige dir etwas.“

Basti öffnete langsam die Knöpfe seines Hemdes. Kevin wollte erst wegsehen – doch etwas hielt ihn zurück. Dann sah er sie: die lange, gezackte Narbe, die sich über Bastis Brust zog. Rosa auf fast grauer Haut. Alt – aber brutal.

„Jules.“, sagte Basti ruhig.

Kevin stockte der Atem.
„Er wollte dich... töten?“

Basti nickte. „Er war mein Geliebter. Dann mein Mörder. Jetzt mein Feind.“
Ein kurzer Blick auf Kevin.
„Ich habe dir mehr erzählt als allen anderen. Denk darüber nach.“

Kevin stand reglos da. Diese Ehrlichkeit hatte er nicht erwartet. Nicht von ihm.

„Warum erzählst du mir das?“, fragte er leise.

Basti trat einen Schritt näher. Jetzt war kaum mehr Platz zwischen ihnen. Kevin konnte seinen Atem spüren, das tiefe, kontrollierte Ein- und Ausatmen. Die Energie, die von ihm ausging, war überwältigend.

„Weil du mir gefährlich wirst, Kevin“, sagte Basti leise. „Weil ich nicht mehr weiß, ob ich dich beschützen will… oder ob du mich ruinierst.“

Kevins Herz raste. Seine Stimme war kaum hörbar:
„Ich bin nicht dein Feind, Basti.“

Ein Moment der Stille.
Dann nickte Basti langsam. „Noch nicht.“

Er ließ das Hemd offen, wandte sich um und verließ den Hof. Zurück blieb Kevin – verwirrt, aufgewühlt… und mit einem Gefühl in der Brust, das gefährlich war. Zu gefährlich, um es zu ignorieren.

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In einem dunklen Raum, viele Kilometer entfernt, hörte Jules alles.
Er sah das Zittern in Kevins Stimme, hörte Bastis Nähe. Seine Augen wurden schmal.

„Er fällt. Langsam. Aber er fällt“, sagte er zu sich selbst.
Dann wandte er sich zu Leo.
„Sobald Basti weich genug ist, holen wir Kevin da raus. Und dann… kommt der König zu uns. Und diesmal töte ich ihn richtig.“

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Sorry Leute für diese lange Pause ich wollte mir nur erstmal Zeit nehmen richtig gesund zu werden.

Aber ab jetzt kommen die Kapitel wieder täglich<3

Dann bis Morgen;^)

☆Eneco☆

König(hg) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt