☆Kapitel 10: Masken und Motive ☆

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Die Nacht war still im GHG-Gebiet – zu still für Jules' Geschmack. In einem verlassenen Komplex fernab des Hauptgebiets der Organisation stand er, das Kinn auf die gefalteten Hände gestützt, während Leo vor ihm kniete. Auf einem Monitor flackerten Bilder: Bastighg, wie er das Anwesen verließ, im Hintergrund Kevin, wie er trainierte, schwitzte – und unbewusst das Mikrofon in der Kette trug.

„Er fängt an, ihn zu mögen“, sagte Leo leise, beinahe zögerlich.
„Natürlich tut er das“, antwortete Jules kalt. „Basti liebt es, Dinge zu besitzen, die er nicht verstehen kann. Und Kevin… ist so schön naiv.“
Leo schwieg. Etwas in seinem Inneren zog sich zusammen. Vielleicht war es Eifersucht. Vielleicht war es Stolz. Oder nur das blinde Bedürfnis, Jules zu gefallen – so wie immer.
„Was ist der nächste Schritt?“ fragte Leo.
Jules lächelte düster. „Wir lassen ihn sich sicher fühlen. Dann reißen wir ihm alles weg. Wenn Bastighg glaubt, er könne lieben, reißen wir ihm das Herz aus der Brust.“

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Währenddessen war Bastighg längst zurück. Die Nacht hatte ihn wach gehalten. Etwas in Kevin ließ ihn nicht los – dieses unbegründete Bedürfnis, ihn zu beschützen, zu verstehen, zu behalten. Als ob Kevin eine Leere füllte, die er nie zugeben wollte. Vielleicht konnte er ihn retten. Oder vielleicht… rettete Kevin ihn.

Mit einem Tablett in der Hand ging Basti durch den langen Flur des Nordflügels. Er hatte keine Leute geschickt – das hätte sich wie Kontrolle angefühlt. Und genau das wollte er nicht. Nicht heute.

Als er Kevins Tür öffnete, war dieser gerade aufgestanden. Ungekämmt, in dem schwarzen Trainingsanzug, mit einem Blick zwischen Müdigkeit und Misstrauen.
„Ich dachte, du bringst mir heute zum Frühstück ’nen Schlag ins Gesicht“, murmelte Kevin, die Arme verschränkt.
„Nicht alles bei uns endet mit Gewalt“, sagte Basti ruhig und stellte das Tablett auf dem kleinen Tisch ab. „Rührei. Ohne Paprika. Du magst doch keine Paprika, oder?“
Kevin blinzelte. „Woher…?“
Basti zuckte mit den Schultern. „Ich beobachte viel.“

Eine Weile schwiegen sie. Kevin setzte sich vorsichtig, roch an dem Essen. Nichts vergiftet. Keine Drogen. Nur… Frühstück.

„Warum tust du das alles?“ fragte Kevin leise.
Basti sah ihn an. Die Antwort brannte auf seiner Zunge, aber er sprach sie nicht aus. Stattdessen setzte er sich ihm gegenüber.
„Du bist hier. Du lebst. Und es liegt an mir, was du aus deinem Leben machst.“
„Ich war doch nur zur falschen Zeit im falschen Haus.“
„Vielleicht. Oder vielleicht warst du genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Kevin lachte bitter. „Du klingst wie in ’nem schlechten Mafiafilm.“
„Weil ich in einem lebe“, entgegnete Basti ruhig. Seine eisblauen Augen ruhten auf Kevin, durchbohrten ihn beinahe. „Und du bist jetzt Teil davon.“

Stille legte sich über den Raum, nur durchbrochen vom gelegentlichen Klirren des Bestecks.
„Was, wenn ich nicht will?“ fragte Kevin.
„Dann werde ich dich nicht töten. Aber ich werde dich brechen müssen“, sagte Basti. Seine Stimme war nicht grausam. Nur ehrlich.
Kevin schluckte. „Warum kannst du mich nicht einfach gehen lassen?“
Basti stand auf, trat näher, bis er direkt vor Kevin stand.
„Weil ich es nicht will“, sagte er. Und das war das erste Mal, dass er es sich selbst eingestand.

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In einem Keller weit entfernt verfolgte Jules das Gespräch über das Mikrofon in der Kette. Er hörte jedes Wort, jede Nuance. Sein Blick wurde dunkler.
„Er ist schon gefallen“, flüsterte Jules.
Leo schwieg.
„Jetzt ist es Zeit“, sagte Jules. „Bereite alles vor. Bald holen wir Kevin zu uns. Und wenn Basti kommt… reißen wir ihm sein Königreich mit bloßen Händen weg.“

☆☆☆☆☆☆
Da wäre saß Kapitel für heute<3

Sorry das es etwas später geworden ist.

Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen<3

Dann bis morgen♡

☆Eneco☆

König(hg) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt