☆Kapitel 3: Zwischen zwei Welten☆

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Die Fahrt zog sich wie ein Kaugummi. Zwei Stunden auf einer Landstraße, irgendwo ins Nichts. Kein Radio. Kein Gespräch. Nur Papaplattes ununterbrochene Versuche, irgendwie aus dieser Situation herauszukommen.

„Ey, bitte… ich kann hier nicht mitkommen. Ich… ich hab jemanden, verstehst du? Ich hab jemanden, der auf mich wartet. Mein Freund… er macht sich jetzt bestimmt schon Sorgen. Ich hab einfach Brötchen holen wollen und jetzt… was ist das hier?!“

Basti schwieg. Starrte nur aus dem Fenster, als gäbe es da draußen etwas Wichtigeres als das, was neben ihm saß. Keine Miene. Kein Zucken.

„Ich mein’s ernst, Mann. Ich liebe ihn. Kevin und Leo – das ist nicht nur so’n Ding, verstehst du? Wir wohnen zusammen, wir teilen uns alles. Ich hab ihm versprochen, dass ich heute Abend wieder da bin… bitte, lass mich zurück.“

Keine Reaktion.

„Ey, bitte! Ich geh auch keinem auf die Nerven. Ich sag keinem was. Ich verschwinde einfach. Niemand muss wissen, dass ich hier war!“

Doch Basti antwortete nicht. Nicht einmal ein Blick. Als hätte er die Stimme neben sich längst ausgeblendet. Doch tief in ihm arbeitete es. Eine Stimme, die ihm sagte: Du hättest ihn längst töten sollen. Und eine andere, seltsam leise, die sagte: Aber du hast es nicht getan.

Warum?

Als sie endlich das Gelände erreichten, erblickte Kevin das dunkle, festungsartige Anwesen – und sein Herz rutschte ihm endgültig in die Hose.

„Digga… nein. Nein, ich geh da nicht rein. Das sieht aus wie 'ne Mischung aus Knast und Evil-Villain-Hauptquartier. Ich will zurück. Ich will zu Leo.“

Der Wagen kam zum Stehen. Die Tür öffnete sich. Basti stieg aus. Kevin rührte sich nicht.

„Ich bleib hier. Ich steig nicht aus, hörst du?! Du kannst mich nicht einfach entführen! Ich bin kein Typ für sowas, verdammt! Ich hab ein Leben. Ich hab jemanden, den ich liebe!“

Langsam beugte sich Basti zurück zur Tür. Er schaute ihn zum ersten Mal direkt an.

„Dann hättest du besser auf ihn aufgepasst.“

Kevins Kehle schnürte sich zu.

„Du hast doch keine Ahnung, was das heißt, jemanden zu lieben, oder?!“

Ein kurzer Moment. Etwas blitzte in Bastis Augen auf – ein Schatten von… etwas. Erinnerung? Schuld? Sehnsucht? Doch es war sofort wieder verschwunden. Was blieb, war die Kälte.

„Noch ein Wort – und ich beende das Ganze hier. Für immer.“

Zwei Männer rissen die Tür auf. Kevin wehrte sich, trat, schrie, doch es nützte nichts. Er wurde grob aus dem Wagen gezerrt, durch das Tor geschleift, durch Gänge, vorbei an stummen Wachen mit leeren Blicken.

„Lasst mich! Ich hab nichts gemacht! Ich gehöre nicht hierher! Ich will nur zu Leo zurück!“

Niemand hörte hin.

Basti folgte langsam. Schritt für Schritt. Als sie bei einer stählernen Tür ankamen, schob er die Männer beiseite und trat selbst an Kevin heran.

„Du wirst hierbleiben.“

„Warum?! Was willst du von mir?! Ich hab dir nichts getan! Ich bin niemand. Ich bin nicht mal ein guter Mensch. Aber Leo liebt mich trotzdem… Ich gehöre zu ihm!“

Basti sah ihm in die Augen. Und dann sagte er leise:
„Vielleicht. Aber irgendetwas an dir… hält mich davon ab, dich loszulassen.“

Bevor Kevin antworten konnte, schob Basti ihn in den Raum. Dunkel, leer. Nur ein Bett, ein Schrank. Keine Fenster. Tür mit Code. Klack.

Die Tür schloss sich.

Kevin stand da, keuchend, verwirrt, wütend. Sein Blick wanderte zur Tür, dann zur Decke. Er murmelte: „Leo… es tut mir leid.“

Er ließ sich langsam auf das Bett sinken. Tränen schimmerten in seinen Augen – nicht aus Angst, sondern aus Verlust.

Basti stand noch lange vor der Tür, die Zigarette längst verglimmt. Seine Männer warteten, sagten nichts.

„Sperrt ihn hier erstmal ein. Ich will ihn nicht sehen.“

Stegi trat neben ihn. „Warum hast du ihn überhaupt mitgenommen?“

Basti schwieg lange. Dann nur: „Keine Ahnung.“

Doch tief in ihm wusste er, dass es nicht stimmte.

Denn irgendetwas an Papaplatte erinnerte ihn an etwas das er sich selbst nicht eingestehen.

☆☆☆☆☆☆☆☆☆

Ich benutze den Namen Leo weil mir kein bessere eingefallen ist.

Aber falls wer eine bessere Idee hat gerne her damit;^)

Bis morgen
☆Eneco ☆

König(hg) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt