Ich hatte Kevins Nachricht ungelöscht im Chat.
Nicht einmal versucht, sie zu überfliegen und mir einzureden, ich hätte sie falsch verstanden.
„Sag mir jetzt, was los ist. Ich will nicht, dass wir kaputtgehen."
Das war sein Wortlaut.
Wir.
Nicht du. Nicht die Freundschaft.
Wir.
Und trotzdem las ich es zum zehnten Mal mit einem flauen Magen.
Was, wenn er es doch schon gecheckt hatte?
Was, wenn er genau wusste, worum es ging, aber mich zwingen wollte, es laut auszusprechen?
Ich starrte auf die Nachricht.
Handy in der einen Hand, die andere fuhr nervös über meinen Nacken.
Ich konnte das nicht.
Und gleichzeitig konnte ich es auch nicht mehr nicht tun.
Ich musste irgendwas sagen. Irgendwas, das nicht alles zerstörte, aber auch nicht diese erbärmliche Stille stehen ließ.
Ich saß am Schreibtisch, schon seit über einer Stunde, das Display halb in den Schatten des Raums getaucht. Ich hatte alles zugezogen. Kein Licht. Nur das Flimmern des Bildschirms und mein Gesicht im Spiegelbild des Fensters.
So sah ich aus, wenn ich versuchte, ehrlich zu sein:
Angespannt.
Zerknirscht.
Und verdammt allein.
Ich legte das Handy hin.
Nicht weil ich wollte, sondern weil ich es nicht mehr aushielt, es festzuhalten.
Dann drehte ich mich weg.
Stand auf. Ging durchs Zimmer.
Zur Tür. Zurück. Wieder hin. Wieder zurück.
„Scheiße", flüsterte ich.
Wie sagst du jemandem, dass du alles in dir verknotet hast, aber ihm trotzdem nicht sagen willst, warum?
Wie erklärst du, dass du jemandem nicht weh tun willst, und genau deswegen lügst du ihn an?
Und dann,
Irgendwann,
Nahm ich das Handy wieder in die Hand.
Tippen.
Nicht löschen.
Nur tippen.
„Du hast recht."
Ich hielt inne.
Und fügte einen zweiten Satz an.
„Ich hab mich verändert. Und ich weiß, dass du das merkst. Du würdest es merken, selbst wenn ich mich in ein anderes Land teleportieren würde."
Ich atmete tief ein.
Meine Finger zitterten leicht, als ich weiter schrieb.
„Ich versuche ehrlich zu sein, ohne dir zu sagen, was los ist. Klingt das dumm? Wahrscheinlich. Aber es ist das Einzige, was ich gerade hinkriege."
Ich ließ eine kurze Pause.
Starrte auf die blinkende Eingabemarkierung.
Dann ging es weiter.
„Ich denke oft drüber nach, was kaputtgehen würde, wenn ich dir alles sage. Und noch öfter, was kaputtgeht, wenn ich's nicht tue."
Ich kaute auf der Innenseite meiner Lippe herum.
Das war nah dran.
Zu nah vielleicht.
„Ich weiß nicht, was du vermutest. Vielleicht ist's was ganz anderes. Vielleicht denkst du, ich bin sauer oder enttäuscht oder hab irgendein Problem mit dir. Hab ich nicht. Du bist... du bist einfach du. Und genau das ist das Problem."
Stopp.
Genau das ist das Problem.
Ich ließ den Satz stehen.
Und hängte noch etwas an.
„Ich brauch keinen Abstand, weil du was falsch gemacht hast. Ich brauch Abstand, weil ich was nicht richtig hinkrieg. Und ich will dich damit nicht mit reinziehen."
Ich atmete aus.
Langsam.
„Ich schreib dir das hier nicht, weil ich will, dass du mich verstehst. Ich schreib's, weil ich nicht will, dass du aufgibst. Auch wenn ich grad keine Antwort geben kann."
Ich hielt das Handy kurz über dem Tisch.
Wollte wieder löschen.
Wirklich.
Aber ich drückte stattdessen auf Senden.
Die Nachricht ging raus.
Keine Zurück-Taste mehr.
Ich legte das Handy zur Seite.
Lehnte mich zurück und schloss die Augen.
Vielleicht war das der ehrlichste Moment, den ich Kevin je geschenkt hatte.
Und trotzdem hatte ich ihm nichts gesagt.
Nicht das, was wirklich in mir tobte.
Nicht, wie sehr es mich zerriss, dass er jemand anderen küsste. Dass ich zu spät war.
Oder einfach falsch.
Ich hätte gern gewusst, wie er jetzt aussah.
Ob er die Nachricht schon gelesen hatte.
Ob er sich gerade fragte, ob da was dahintersteckt.
Aber ich traute mich nicht, es zu checken.
Denn wenn er mir jetzt schrieb:
„Ich weiß, was du meinst",
Dann wär's vorbei.
Und wenn er mir nicht schrieb...
Vielleicht auch.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
