Drei Tage.
Drei Tage, in denen Basti das Handy nicht angefasst hatte, außer um den Wecker auszuschalten.
Drei Tage, in denen er sich eingeredet hatte, dass es besser war so.
Besser für Kevin. Besser für Masha. Besser für ihn selbst, der sowieso nicht wusste, wer er in all dem eigentlich war.
Aber es war auch verdammt still.
Nicht mal der Stream war mehr gelaufen. Sein Setup war eingestaubt, als wäre er seit Monaten nicht mehr online gewesen. Der Schreibtisch lag voll mit alten Chipstüten, halb ausgetrunkenen Energy-Dosen, die ihm nicht mal mehr den nötigen Kick gaben. Stattdessen lag er auf dem Sofa, eine Decke über dem Kopf, die Kopfhörer um den Hals, Musik auf Dauerschleife.
Lo-fi. Immer Lo-fi. Nichts, das ihn zu sehr an Kevin erinnerte.
Trotzdem hörte er die Stimme manchmal.
Im Kopf.
„Digga, du musst den doch einfach rechts klicken und ins Feuer werfen, ganz ehrlich, ich hab das Spiel seit zwanzig Minuten und bin besser als du."
„Weil du cheatest, Kevin."
„Weil ich klüger bin."
„Halt dein Maul."
Ein Lächeln zuckte über seine Lippen. Nur kurz.
Dann griff er nach dem Handy.
Nur gucken. Nicht schreiben. Nur kurz.
Er öffnete den Chat.
Da war er.
Kev.
Der letzte Anruf.. unbeantwortet.
Die letzte Nachricht.. immer noch unbeantwortet.
Basti ließ den Daumen über den Verlauf gleiten. So viele Nachrichten.
Insider, dumme Memes, Fotos von Snacks mit der Caption „rate mal wer sich wieder für 20 Euro Chips gekauft hat", Clips aus dem Stream, Stickerschlachten.
Die Stickerschlachten.
Er klickte auf das kleine Sticker-Symbol unten rechts im Chat.
Die Leiste öffnete sich.
Da waren sie: All die absurden kleinen Bilder, die sie sich über Monate geschickt hatten. Kevin hatte mal einen Sticker von Basti gemacht, auf dem nur ein verpixelter Screenshot aus Minecraft zu sehen war und darunter stand: „Ich will sterben lol."
Sie hatten sich tagelang nur mit Stickern unterhalten.
Und manchmal, wenn es ernst wurde, auch mit stillen Bildern.
Ein Sticker von einem traurigen Frosch.
Ein Herz mit Pflaster.
Ein lachender Affe mit einer Chipstüte.
Basti scrollte durch.
Sein Herz klopfte.
Die Stille um ihn herum war fast zu laut.
Er tippte aus Versehen auf einen.
Ein Meme-Sticker.
Von Kevin.
„Brudi wenn du das hier liest: Du bist lost, aber ich lieb dich trotzdem."
Basti riss die Augen auf.
„Scheiße."
Er versuchte sofort, die Nachricht zu löschen.
Für alle löschen.
Er klickte.
WhatsApp lud.
„Nicht erfolgreich gelöscht."
„NEIN."
Die Nachricht war raus.
Und Kevin hatte sie gesehen.
Online, vor 9 Sekunden.
Basti starrte aufs Display, als würde es gleich explodieren.
Seine Finger zitterten.
Sein Herz raste.
Er starrte weiter.
Kevins Status wechselte auf „Online".
Dann „Schreibt..."
Dann: Nichts.
Basti warf das Handy auf die Couch, als hätte es ihn gebissen.
Er war nicht bereit.
Nicht für eine Antwort.
Nicht für gar nichts.
Aber das war's.
Die Mauer war gebrochen.
Und jetzt konnte er nur hoffen, dass Kevin ihn nicht hasste.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
