Kevin hatte kaum geschlafen.
Die Wohnung war still. Das Sonnenlicht schnitt sich durch die Ritzen der Jalousien, aber es war nicht warm. Es war dieses kalte Licht, das alles viel ehrlicher aussehen ließ, als man wollte.
Er stand auf, rieb sich über die Augen, ging barfuß in die Küche.
Masha war schon wach. Sie saß da, mit ihrem Kaffee, Handy in der Hand, die Stirn leicht gerunzelt. Sie sah nicht hoch, als er reinkam.
„Morgen", sagte er vorsichtig.
„Morgen", kam es zurück. Kalt.
Er stellte sich an die Spüle, tat so, als würde er sich Wasser einschenken, obwohl das Glas leer blieb. Dann atmete er tief durch.
„Was war das gestern?", fragte er schließlich.
Stille.
Dann: „Du weißt genau, was das war."
„Nein. Ich weiß, dass du meinen besten Freund vor mir bloßgestellt hast, ihn mit Dingen konfrontiert hast, die vielleicht stimmen, vielleicht nicht, und selbst wenn, das war nicht dein Recht."
Jetzt sah sie auf. Und da war was in ihrem Blick, das er selten bei ihr gesehen hatte: Enttäuschung. Sie war verletzt, wütend und müde zugleich.
„Nicht mein Recht?" Sie stand auf. „Du bist mein Freund, Kevin. Und ich hab jeden Tag gesehen, wie du dich veränderst, wenn er da ist. Wie du ihn ansiehst. Wie du plötzlich alles stehen und liegen lässt, sobald er schreibt. Ich hab dich nicht bloßgestellt, ich hab ausgesprochen, was du nicht sehen willst."
„Das ist Bullshit", sagte Kevin, obwohl seine Stimme zitterte.
„Ist es das?" Sie ging einen Schritt näher. „Sag mir ehrlich: Wenn du heute entscheiden müsstest, mit wem du den Abend verbringst, mit mir oder mit ihm, wen würdest du wählen?"
Er schwieg.
„Genau das mein ich", flüsterte sie.
„Ich liebe dich, Masha", sagte er dann, leise. „Aber ich... ich weiß grad nicht, was mit mir los ist."
Sie lachte trocken. „Du weißt es nicht. Aber Basti weiß es. Und ich weiß es. Nur du rennst weiter blind durch die Gegend, als wär das alles normal. Wie lang kannst du die Ausrede, du weißt nicht was mit dir los ist noch benutzen?"
„Er ist mein bester Freund."
„Ja. Und du hast Gefühle für ihn."
Die Worte fielen wie Steine. Schwer. Laut.
Und Kevin fühlte plötzlich, wie seine Knie weich wurden.
Hatte er?
Er dachte an Bastis Lachen. An das Gefühl, wenn Basti irgendwas Unnötiges in den Chat schrieb, nur um zu sticheln. An seine Stimme spät nachts im Discord.
An den Abend auf der Couch.
Wie sehr er wollte, dass Basti geblieben wäre.
„Du hast ihn weggestoßen", sagte er plötzlich, schärfer als beabsichtigt.
„Weil er dir nicht gut tut", schoss Masha zurück. „Weil ich ihn hasse, wenn er dich so anguckt und du nichts raffst. Ich hab versucht, es zu ignorieren. Aber ich kann nicht. Ich hab keinen Bock, jeden Tag neben dir zu sitzen und mich wie die zweite Wahl zu fühlen."
Sie griff nach ihrer Tasche, die noch halb gepackt im Flur lag.
„Ich geh zu meiner Schwester", sagte sie ruhig. „Denk nach. Über alles."
Dann war sie weg.
Kevin stand alleine in der Küche, das Glas in der Hand, immer noch leer.
-
Ein paar Stunden später lag er auf dem Bett. Der Fernseher lief im Hintergrund, Ton aus.
Er starrte auf sein Handy.
„Basti."
Er klickte auf den Chat.
Gelesen. Kein Haken.
Letzte Nachricht von ihm: „Lass mich einfach, okay?"
Kevin schluckte.
Dann rief er an.
Es klingelte.
Einmal.
Zweimal.
Fünfmal.
Dann sprang die Mailbox an.
Seine eigene Stimme: „Yo, bin grad nicht da, oder einfach zu faul, ranzugehen. Lass was da."
Er legte sofort auf.
Das war nicht Basti. Das war Leere.
Und genau da begriff Kevin:
Er vermisste ihn nicht nur.
Er brauchte ihn.
Mehr, als er dachte.
Mehr, als er sich eingestehen wollte.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
