Die Wohnung war still.
Masha saß am Esstisch, das Licht ihres Laptops spiegelte sich in der Weinglas-Kante neben ihr. Kevin stand an der Spüle, starrte ins dunkle Fenster. Der Bildschirm des Handys auf der Anrichte leuchtete schwach. Sein Discord war offen. Kein neues Icon. Kein Basti.
„Er ghostet dich schon wieder, oder?", fragte Masha schließlich, ohne aufzusehen.
Kevin sagte erst nichts. Dann: „Er braucht halt Zeit."
„Er braucht ständig Zeit. Und du wartest. Immer."
Kevin drehte sich zu ihr um. „Weil er's wert ist."
Masha klappte den Laptop zu. Sie sprach langsam, mit dieser nervtötend kontrollierten Ruhe, die schlimmer war als jede Wut. „Ich sag das nicht, weil ich dich ärgern will, Kevin. Aber irgendwann musst du dich fragen, ob du dich von ihm abhängig machst."
Kevin zog die Augenbrauen hoch. „Wie meinst du das?"
„Du wartest auf Nachrichten von ihm, du baust deinen Streamplan um ihn rum, du machst dich emotional abhängig von jemandem, der dir nichts zurückgibt."
„Das stimmt nicht."
„Doch. Schau dich an. Du bist nicht du, wenn er sich nicht meldet."
Kevin ging langsam zum Tisch, ließ sich gegenüber von ihr nieder. „Weil ich mir Sorgen mach. Nicht, weil ich besessen bin."
„Wirklich?", fragte sie. „Oder weil du eigentlich längst nicht mehr nur ein Freund für ihn sein willst, und es nicht mal dir selbst eingestehst?"
Stille. Harte, knisternde Stille.
Kevin sah sie an. „Was willst du damit sagen?"
„Dass du dich verloren hast in jemandem, der dich nicht liebt."
Kevin lachte. Es klang rau und brüchig. „Alter. Was redest du?"
„Du bist nicht ehrlich zu dir selbst, Kevin. Und ich steh daneben und seh zu, wie du dich selbst belügst. Für jemanden, der dich mit Schweigen bestraft, sobald du glücklich bist."
„Halt. Stopp."
Kevins Stimme war noch ruhig, aber das Zittern darin verriet alles.
„Er bestraft mich nicht. Er kämpft mit irgendwas, was du nicht verstehst."
„Weil er dich liebt?", fragte sie. „Sag's doch einfach. Du glaubst es langsam selbst, oder?"
Kevin schluckte. Seine Hand lag still auf dem Tisch, zur Faust geballt.
„Und wenn es so wär?", sagte er. Leise. Fast unhörbar.
Masha war kurz still. Dann sagte sie, tonlos: „Dann erklär mir, warum du noch mit mir zusammen bist."
Das traf. Direkt. Und ehrlich.
Kevin schloss die Augen.
„Weil ich dich wirklich liebe", sagte er. Der Satz war ehrlich, er meinte es ernst, doch die Worte klangen nicht so.
„Sicher Kevin?", fragte sie sofort.
Er antwortete nicht. Die Antwort war längst da.
Masha stand auf, langsam, fast elegant. „Weißt du, was mich am meisten verletzt? Nicht, dass du Gefühle für ihn hast. Sondern dass du's nicht mal merkst, wenn du mir damit weh tust."
„Ich hab versucht, alles richtig zu machen", sagte Kevin. Jetzt laut. Wütend. „Ich hab mit ihm weniger Zeit verbracht, hab dir Raum gegeben, hab alles versucht. Und du? Du hast ihn von Anfang an gehasst."
„Weil ich gespürt hab, dass ich gegen ihn verliere."
Kevin stand ebenfalls. Ihre Blicke trafen sich. Keine Tränen. Nur das leise Ende von etwas.
„Vielleicht verlieren wir uns gerade beide", sagte er.
Sie nickte. „Ja. Aber einer von uns hat's früher gewusst."
Dann ging sie. Kein Krach, kein Schrei. Nur Schritte, eine Tür, die leise zufiel. Und Stille.
Kevin blieb zurück.
Und zum ersten Mal seit Tagen vibrierte sein Handy. Discord.
Basti:
"Bin grad am Bahnhof.
Hab spontan nen Zug genommen.
Kann ich später vorbeikommen? Nur kurz. Kein Ding, wenn nicht."
Kevin starrte auf die Nachricht.
Sein Herz klopfte.
Sein Kopf war leer.
Und dann schrieb er zurück.
"Komm."
DU LIEST GERADE
Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
