Kevin starrte auf den Bildschirm.
Basti war im Call. Cam wie immer aus, Stimme wie immer ruhig. Vielleicht zu ruhig.
„...also das Projekt mit denen läuft jetzt doch nicht", sagte Basti gerade. „War zu chaotisch, ich hab abgesagt."
Kevin nickte. Er hatte die letzten zehn Minuten kaum zugehört. Nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil in seinem Kopf etwas ratterte. Immer wieder.
Du bist mein bester Freund. Warum fühl ich mich dann gerade wie ein Fremder für dich?
Er wartete, bis Basti einen Moment Pause machte. Dann holte er Luft.
„Basti."
„Hm?"
„Können wir kurz ehrlich sein?"
Stille.
Dann: „Bin ich doch."
„Nein, bist du nicht", sagte Kevin sanft. „Ich weiß, dass du was mit dir rumträgst. Und ich hab keine Ahnung, was es ist. Aber... es fühlt sich an, als würdest du langsam von mir weggehen."
Basti schwieg. Seine Stimme blieb lange stumm.
„Ich... hab einfach viel im Kopf, Kevin. Mehr nicht."
„Sag mir die Wahrheit, Digga."
„Was, wenn es keine Wahrheit gibt, die du hören willst?" Bastis Stimme klang schärfer, fast abwehrend. „Nicht alles muss ein großes Drama sein."
Kevin schluckte. Er hätte sich gewünscht, dass Basti lauter wurde, dass er irgendwas rausließ, aber diese Kälte tat mehr weh. Diese Wand, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatte.
„Ich bin dein Freund, Mann. Ich würd alles für dich tun. Aber du lässt mich nicht mal rein."
„Weil du nicht musst", kam es leise zurück. „Manche Sachen klärt man mit sich selbst."
Das war's. Der Call war nicht offiziell vorbei, aber das Gespräch war tot. Basti blieb online, aber antwortete kaum noch. Irgendwann sagte er „Muss los, ciao", und war weg.
Kevin blieb allein im Call. Noch eine ganze Weile.
-
Am Abend war Masha wieder da.
Sie saß auf dem Sofa, Füße hochgelegt, TikTok auf dem Handy. Kevin kam dazu, ein bisschen neben sich, gedanklich noch bei dem abgebrochenen Gespräch mit Basti.
„Alles klar bei dir?", fragte sie beiläufig, ohne aufzusehen.
„Nicht so richtig."
Sie blickte auf. „Basti?"
„Er redet nicht. Ich hab's versucht."
Sie verzog den Mund. „Warum versuchst du's überhaupt noch?"
Kevin blinzelte. „Was meinst du?"
Ja
„Na ja... er ghostet dich halb, blockt alles ab, ist passiv-aggressiv. Warum gibst du dir das noch? Du hast genug Leute, die dich ernst nehmen."
Kevin setzte sich neben sie. „Er ist mein bester Freund."
„Echt?", sagte sie. „Komisch, fühlt sich nicht so an. Für mich sieht's mehr aus wie: Er hat sich emotional abgekapselt und lässt dich zappeln."
Kevin sah sie an. Das war nicht das erste Mal, dass sie so redete. Aber diesmal hörte er richtig zu.
„Du hast ein echtes Problem mit ihm, oder?"
Sie zuckte die Schultern. „Er ist dir zu wichtig. Und ich bin nicht blöd, Kevin. Ich seh, wie du auflebst, wenn er schreibt. Wie du genervt bist, wenn ich ihn kritisiere. Vielleicht ist's einfach schwer, in Konkurrenz zu stehen mit jemandem, der sich wie ein Schatten um dich legt."
Kevin runzelte die Stirn. „Er ist kein Schatten."
„Doch. Aber nicht für dich."
Er schwieg. Und in diesem Schweigen lag zu viel Wahrheit, um sie sofort wegzuwischen.
Er dachte an all die Momente, in denen Masha gereizt war, wenn Basti auftauchte. An ihre Witze, die zu scharf waren. A das eine Mal, als sie mitbekommen hatte, dass Basti ihn nachts angerufen hatte, und sie fragte: „Muss der dich eigentlich immer dann brauchen, wenn ich grad hier bin?"
Damals hatte Kevin gelacht. Jetzt verstand er's anders.
„Weißt du, was ich glaub?", sagte er schließlich leise.
„Sag's mir."
„Du magst ihn nicht, weil er etwas in mir berührt, das du nicht berühren kannst."
Masha sah ihn an, einen Hauch zu ruhig.
„Und was ist das?"
Kevin antwortete nicht sofort. Aber in ihm formte sich langsam die Ahnung einer Antwort. Noch nicht greifbar, noch nicht sicher. Aber brennend.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
