Falscher Platz

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Die Nachricht kam um 23:12 Uhr.

Basti hatte sich gerade ins Bett gelegt, völlig erschöpft, aber ohne jede Chance, wirklich zu schlafen. Die Gedanken ließen ihn nicht los. Kevin, Kevins Stimme im Call, Kevins Lachen. Das Gewicht von allem, was unausgesprochen zwischen ihnen stand.

Er sah das Discord-Pop-up auf dem Sperrbildschirm und spürte sofort, wie sein Herz einen Schlag aussetzte.

Kevin:
„Ey, ich weiß nicht, was bei dir los ist, aber ich merk, dass du was mit dir rumträgst. Du musst nicht drüber reden, wenn du nicht willst. Aber... ich bin da, Digga. Egal was es ist."

Er starrte auf die Worte. Mehrmals. Langsam. Fast so, als müsste er sicherstellen, dass er sich nicht verlesen hatte.

Du musst nicht drüber reden... Ich bin da.

Das war genau Kevin. Genau das, was ihn so kaputt machte. Diese ehrliche Wärme. Diese Nähe. Und dieses komplette Nichtwissen, was da eigentlich los war.

Basti legte das Handy auf seine Brust und schloss die Augen. Der dunkle Raum fühlte sich enger an als sonst. Die Stille pulsierte.

Sag's ihm doch, flüsterte etwas in ihm. Einfach... sag's. Schreib: Ich kann nicht mehr so tun. Ich hab Gefühle. Und es macht mich fertig.

Aber das war unmöglich.

Nicht weil Kevin nicht nett reagieren würde. Sondern weil Kevin vergeben war. Weil Kevin Masha hatte. Und weil Basti sie kannte. Nicht gut, aber genug. Sie war cool, klug, irgendwie genau das, was zu Kevin passte. Sie lachten viel, machten Storys zusammen, gingen gemeinsam live. Sie war Teil von Kevins Leben. Und Basti war nur... der Typ im Schatten.

Der Typ, der nachts wach lag, weil er sich in einen Menschen verliebt hatte, der nie für ihn gedacht war.

Er tippte.

„Hey. Ich weiß, ich war ein bisschen abwesend. Sorry dafür."

Löschte es wieder.

Tippte:

„Ich schätze deine Nachricht grad mehr, als du denkst."

Löschte auch das.

Dann schrieb er schließlich:

Basti:
„Danke, Bro. Ich regle das gerade für mich. Aber gut zu wissen, dass du da bist."

Bro. Wieder dieses Schutzwort. Dieses Schild, das alles in sichere Bahnen lenkte. Keine Angriffsfläche. Keine echte Nähe.

Er schickte es ab. Sofort. Bevor er es sich anders überlegen konnte. Dann legte er das Handy weg, drehte sich auf die Seite und starrte in die Dunkelheit.

Er fühlte sich wie jemand, der ein Haus anzündet und dann draußen wartet, ob jemand schreit.
Aber niemand schrie. Kevin schrieb nur ein einfaches:

Kevin:
„Immer, Digga."

Und Basti fühlte sich kleiner als je zuvor.

Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt