Da ist was

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Kevin legte auf und starrte noch einen Moment auf den dunkler werdenden Bildschirm.

Es war nichts Konkretes passiert.

Der Call war ganz normal gewesen. Basti hatte ein paar Sachen gezeigt, sie hatten gelacht, ein bisschen geblödelt, sogar kurz über Games geredet. Es war fast wie früher gewesen.

Fast.

Aber Kevin merkte es trotzdem.

Da war diese halbe Sekunde Verzögerung, wenn er was Persönliches fragte. Diese Art, wie Basti nie ganz da wirkte, wie jemand, der sich durch jedes Gespräch schob, obwohl sein Kopf ganz woanders war. Und es war nicht die Art „Ich bin müde" oder „Ich hab viel zu tun". Es war... mehr.

Kevin schüttelte den Kopf und fläzte sich aufs Bett. Masha war nicht da heute, sie hatte spontan ein Mädelsding mit ihren Freundinnen. Er mochte ihre Energie. Sie war direkt, lebendig, unkompliziert. Nur heute hatte er das Gefühl, dass da ein anderer Name leiser in seinem Kopf hängengeblieben war.

Basti.

Wieder mal.

Er griff nach seinem Handy, scrollte durch Insta. Bastis Story: ein Meme, ein kurzer Screen aus einem Projekt, irgendwas Sarkastisches. Alles normal. Und trotzdem hatte Kevin das Gefühl, dass da eine Wand war. Eine, die vorher nicht da gewesen war.

Vielleicht hab ich irgendwas falsch gemacht, dachte er. Vielleicht hab ich ihn irgendwo verletzt, ohne's zu checken.

Oder...

Er hielt inne.

Ein Gedanke, halb geformt, blitzte durch seinen Kopf. Für einen Sekundenbruchteil nur. So schnell, dass er ihn nicht fassen konnte. Irgendwas mit Nähe. Mit Distanz. Mit warum schaut er manchmal so weg, wenn ich lache?

Er öffnete ihren alten Chat nochmal. Scrollte hoch. Ganz hoch.

Da war ein Video, in dem Kevin irgendwas total Dummes gemacht hatte, und Basti geschrieben hatte: Du bist der Hauptcharakter meiner Timeline, Bro.

Kevin hatte gelacht damals. Jetzt las er es nochmal. Und spürte, wie etwas unter seiner Haut zuckte. Etwas, das wie eine Frage klang, die er sich nie ernsthaft gestellt hatte.

Warum ist mir das so wichtig gerade? Warum fühl ich mich, als hätte ich was verloren, das ich gar nicht ganz hatte?

Er öffnete den Chat. Fing an zu tippen.

Kevin:
„Ey, ich weiß nicht, was bei dir los ist, aber ich merk, dass du was mit dir rumträgst. Du musst nicht drüber reden, wenn du nicht willst. Aber... ich bin da, Digga. Egal was es ist."

Er starrte auf die Nachricht. Überlegte, ob es zu viel war. Zu direkt. Aber dann schickte er sie doch ab.

Und zum ersten Mal dachte er: Was, wenn es gar nichts mit mir zu tun hat? Oder... doch?

Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt