Die Nachricht kam am späten Abend. Basti hatte gerade sein Editing-Tool geschlossen, nicht weil er fertig war, sondern weil er nicht mehr wusste, was er da eigentlich tat. Alles sah gleich aus. Alles klang gleich. Und nichts fühlte sich richtig an.
Discord blinkte.
Kevin:
„Meld dich mal, wenn du Bock hast. Chilliger Call oder so. Kein Stress."
Basti starrte auf die Nachricht.
„Kein Stress."
Klar. So war Kevin immer. Locker. Direkt. Einfach. Und genau das war das Problem.
Denn für Basti war da Stress. Ein riesiger Knoten in der Brust, der sich jedes Mal enger zog, wenn Kevin sich ihm näherte. Er konnte nicht mehr unterscheiden, ob er sich freute, wenn er Kevins Namen aufploppen sah – oder ob es ihn innerlich zerriss.
Er wollte schreiben. Irgendwas. Ein „ja gleich", ein „bin grad afk", irgendwas, das das Offensichtliche übermalte. Aber seine Finger blieben stumm über der Tastatur.
Stattdessen klickte er auf Kevins Profil. Die kleinen Details. Status: „online". Lieblings-Emoji: der tanzende Bär. Irgendwann hatte Basti ihn damit aufgezogen. Jetzt tat's weh.
Was machst du da, Mann?, dachte er. Du bist nicht der Typ, der sich in seinen besten Freund verliebt. Vor allem nicht, wenn er vergeben ist.
Aber genau das war es ja. Es war nicht geplant gewesen. Nicht gewollt. Es war einfach passiert. Mitten im Lachen. In den Nächten, die sie durchgeredet hatten. In diesen kleinen Momenten, wenn Kevin gegähnt und leise gesagt hatte: „Ich penn gleich ein, aber ich will noch nicht auflegen."
Und jetzt? Jetzt zwang Basti sich selbst, so zu tun, als wäre nichts. Als würde er einfach nur busy sein. Als wäre er immer noch derselbe, obwohl er innerlich brannte.
Er klickte sich durch alte Clips. Gemeinsam geschnittene Stream-Highlights. Ein Video, in dem Kevin sich vor Lachen auf dem Boden kugelte, weil Basti einen dummen Spruch zu spät gecheckt hatte.
So sehen Freunde aus, dachte Basti. So sehen keine Typen aus, bei denen einer nachts wach liegt und sich fragt, ob es sich falsch anfühlt, verliebt zu sein.
Er atmete tief durch. Zwang sich, zurückzuschreiben.
Basti:
„Können gleich. Muss nur kurz was fixen."
Fassade. Nichts als Fassade.
Er schob den Stuhl zurück, ging ins Bad, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Er sah blass aus. Müde. Fremd.
Im Spiegel begegnete er sich selbst und fragte sich, wie lange er das noch durchziehen konnte.
Zurück am PC, klickte er in den Call. Kevin nahm sofort ab.
„Ey, Bro!" Kevins Stimme klang warm. Unverändert. Nicht ahnend. „Lange nicht gequatscht."
Basti grinste. Oder versuchte es zumindest. „Ja, Mann. Sorry. Ich häng grad ein bisschen durch."
„Alles gut bei dir?"
„Klar. Nur viel zu tun. Kopf voll."
Kevin runzelte die Stirn. „Okay. Weil... keine Ahnung, du bist irgendwie anders in letzter Zeit."
Ich bin nicht anders, wollte Basti sagen. Ich bin einfach nur zu nah an dir dran und gleichzeitig zu weit weg von allem, was ich eigentlich nicht fühlen darf.
Aber er sagte nur: „Wirklich, alles okay. Sag mal... hast du den neuen Clip gesehen? Ich hab da was für dich geschnitten."
Themenwechsel. Schnell. Sicher. Fassade.
Kevin lachte, ließ sich ablenken. Und Basti tat, was er inzwischen am besten konnte: Er war da. Aber nicht echt.
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Ich, gegen das was ich fühle. (Bastiplatte)
FanfictionBasti und Kevin sind schon ewig Freunde. Beste Freunde. In letzter Zeit jedoch, distanziert Basti sich. Kevin weiß nicht ganz wieso, aber eins ist ihm klar. Er will seinen besten Freund nicht verlieren. Oder doch nicht bester Freund? (Die Bilder geh...
