Kadse -Bastiplatte

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-bisschen Angst und fluff?

2041 Wörter
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Für die Welt waren sie schon lange einfach Basti und Kevin. Zwei erfolgreiche Streamer, beste Freunde, so vertraut und eingespielt, dass ihre Community ihnen scherzhaft unterstellte, sie seien verheiratet. Sie lachten darüber in ihren Streams, machten Witze. Und dabei wussten sie nicht: Es war keine Fantasie.

Seit ein paar Jahren schon waren sie ein Paar. Still, heimlich, glücklich. Während Kevin mit seinem offenen, sonnigen Wesen vor der Kamera stand, sein blondiertes Haar, seine lachenden Augen, seine Stimme, alles vertraut für die tausenden Zuschauer, entschied sich Basti für den Schatten. Keine Facecam, keine Fotos. Nur seine Hände, flink über Maus und Tastatur. Eine Stimme, ruhig, klar, manchmal leise, manchmal lachend. Aber kein Gesicht.

Basti war eine Art Mythos in der Szene. Manche versuchten, ihn zu zeichnen, andere spekulierten, wie er wohl aussah. Und das war genau das, was ihn sicher hielt. Anonymität war kein Stilmittel für ihn. Es war Schutzschild, Rückzugsort, Überlebensstrategie.

Die Beziehung zu Kevin war sein sicherer Hafen, ihre Wohnung der Ort, an dem er sein konnte, wie er wirklich war. Dort gab es keine Masken. Dort war er Basti. Nicht der Streamer, nicht der Mythos. Einfach nur er selbst.

Als sie vor zwei Monaten Santiago in einem kleinen Tierheim gefunden hatten- eine pechschwarze Katze mit wachem Blick und einer selbstbewussten Art- war es Liebe auf den ersten Blick. Kevin hatte gelacht, als sie sich für den Namen entschieden: Santiago. „Genau wie damals in Craft Attack“, hatte er gesagt. Basti hatte nur lachend mit den Schultern gezuckt. „Es wird wahr“

Die Community liebte Santiago. Zumindest die, die sie regelmäßig auf Kevins Kratzbaum schlafen sahen. Was sie nicht wussten: Santiago hatte auch eine zweite Lieblingsperson. Und diese zweite Person streamte gerade, während Santiago es sich ausgerechnet auf seinem Schreibtisch bequem gemacht hatte.

Die Minecraft-Challenge lief gut. Konzentriert klickte Basti sich durch die Welt, versuchte, einen schwierigen Sprung zu meistern. Gerade wurde ihm ein Clip von Kevin geschickt, in welchem er sich gottlos wegen eines Jumpscares erschreckte.

Santiago saß friedlich neben der Tastatur, ihre schwarzen Pfoten streckten sich ab und zu in die Kamera. Ein gewohnter Anblick für seine Zuschauer, bis auf eine entscheidende Kleinigkeit.

Am I tripping oder ist das die gleiche Katze wie bei Kevin immer?

Die Nachricht knallte wie ein Donnerschlag in seinen Kopf. Für einen Moment hörte er das Rauschen seines eigenen Blutes, der Bildschirm verschwamm. Er zwang sich, weiter zu klicken, zu sprechen, normal zu wirken. Aber sein Magen zog sich zusammen. Kalter Schweiß trat ihm in den Nacken. Panik.

Er wagte einen weiteren Blick in den Chat. Je länger er hin sah, desto mehr zustimmende Antworten auf die Nachricht kamen.

Sie hatten es gesehen. Nicht nur einer. Viele. Und sie fingen an, eins und eins zusammenzuzählen. Bastis Welt, seine sorgfältig aufgebaute Fassade, bekam plötzlich feine Risse.

Er murmelte etwas von „bin gleich wieder da, geh nur kurz aufs Klo“, mutete sich, und nahm langsam die Hände aus dem Bild. Dann drehte er sich zu Santiago, die ihn mit großen, unschuldigen Augen ansah. So als hätte sie keine Ahnung, dass sie gerade dabei war, seine größte Angst zu realisieren.

„Ich wusste, du wirst uns irgendwann verraten“, flüsterte Basti, mehr zu sich selbst als zur Katze. Seine Stimme zitterte. Die Realität brannte sich in seine Brust. Diese diffuse, alles durchdringende Angst, erkannt zu werden.

Denn wenn sie die Katze erkannten, würden sie bald fragen, warum sie bei beiden auftauchte. Wenn sie Kevin draußen sahen und dann jemand neben ihm, mit dunklen Haaren, vielleicht eine Stimme, die ihnen vertraut vorkam... Es würde reichen. Ein Fan-Foto. Ein Reddit-Thread. Ein Video mit Millionen Klicks.

GHG Oneshots ‼️Where stories live. Discover now