Der Fall

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Sein Atem geht schnell. Sein Herz rast. Er befindet sich erst seit wenigen Minuten auf der Flucht, doch die vergangene Zeit fühlt sich wie Stunden an.

Obwohl er so schnell läuft wie ihn seine Beine tragen, kann er seine Verfolger nicht abschütteln. Hätte er doch bloss nie angefangen zu rauchen oder mehr Sport gemacht. Die Lunge brennt genau so sehr wie die Muskeln in den Beinen. Ihm ist jedoch klar, wenn er jetzt anhält, dann ist es um ihn geschehen. Jede Schwäche könnte in dieser Situation zu seinem Verhängnis werden. 

So schnell wie er nur kann, läuft er weiter durch den Wald. Ohne genaues Ziel vor den Augen, läuft er zwischen Bäumen hindurch, springt über knorrige Wurzeln und duckt sich unter tief hängende Äste. Sich umzudrehen um zu sehen wie viel Vorsprung er hat, traut er sich gar nicht. Es fühlt sich an, als könnte er schon ihren heissen Atem in seinem Nacken spüren. Panik macht sich in ihm breit. Was passiert wenn es ihn auch noch erwischt? Das darf einfach nicht passieren, nicht ihm. Nein, er muss beweise, dass ihm das nicht passiert. 

Diese Gedanken beflügeln ihn. Wie aus dem Nichts, scheint er seine Anstrengungen zu verdoppeln. Er beschleunigt und fliegt schon fast durch das Geäst des Waldes. In einem Moment des Triumphes erlaubt er sich, einen Blick über seine Schulter zu werfen. Endlich scheint er wieder Vorsprung gewonnen zu haben. Diese kurze Moment der Erleichterung reicht aus, um ihn zu Fall zu bringen. 

Überheblichkeit führt zu Unachtsamkeit. Eine unscheinbare Wurzel lässt ihn zu Boden fallen. Völlig perplex liegt er zwischen Bäumen und Sträuchern. Er hört wie seine Verfolger näher und näher kommen.

Niemand konnte behaupten er hätte es nicht versucht. 

Die Schritte haben ihn fast erreicht. 

Jetzt macht es sowieso keinen Sinn mehr. Er hat es versucht und ist gescheitert. Als die Schritte ihn erreichen, dreht er sich um. Seinem Schicksal ergeben, blickt er seinen Häschern in die Augen. 

Das kleine Mädchen an der Spitze der johlenden Kindern beugt sich vor, stupst seine Nase an und sagt:

"Jetzt bist du dran. Fang uns doch wenn du kannst!"

Der FallWo Geschichten leben. Entdecke jetzt