35.- Er begrüßt den Tod

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•Jennifer's Sicht•

Er strich mir sachte über die Schulter und verteilte gleich danach kleine Küsse auf ihr. „Ich liebe dich.", flüsterte er und umarmte mich von hinten. „Ich habe dich immer geliebt. An dem Tag, als ich dich beim Dreh geküsst habe, flammten die ersten Gefühle auf. Du weißt gar nicht, wie schrecklich es war, dich mit anderen zu sehen... küssend." Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und kuschelte mich an ihn. Er lag auf dem Rücken - und ich mit dem Rücken auf seiner Brust, zwischen seinen Beinen. „Ich liebe dich noch viel mehr..", flüsterte ich sanft und nahm seine Hand. „Und ich werde dich immer lieben. Egal, was passieren mag: du bist die wichtigste Person in meinem Leben. Nur du." Er bückte sich zu mir runter, um mir einen federleichten Kuss auf den Mund zu hauchen. „Unsere Liebe wird hoffentlich ewig halten."
Ich schaute ihn einen Moment von unten aus an, bevor ich antworte: „Unsere Liebe braucht keine Hoffnung. Unsere Liebe wirkt von alleine." Dann drehte ich mich um, platzierte meine Hände auf seiner Brust und fing an, ihn zu küssen. „Ich bekomme nie genug, von deinen Liebeserklärungen.", sagte er und küsste mich schließlich leidenschaftlich weiter.

Erinnerungen.

Erinnerungen und Momente, die so wichtig erschienen, doch nicht genug ausgekostet wurden.

Ich habe das Gefühl, als hätte ich es nicht genug genossen, die Momente nicht so aufgenommen, wie ich sie aufnehmen würde - jetzt. Jetzt, in diesem Zustand. Und in seinem jetzigen Zustand.

„Miss Lawrence, wir haben etwas, was wir Ihnen vorhin abnehmen mussten. Sie können es wieder haben.", sagt eine Ärztin und hält mir etwas silbernes hin. Die Kette..
Die Kette, die Er mir zum Geburtstag geschenkt hatte. An dem Tag hatte ihn Claudia betrogen. Oder am Tag zuvor..
Was sie jetzt wohl macht?

Ich nehme die Kette mit zittriger Hand an und halte sie sofort an mein Herz. „Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich.", flüstere ich immer wieder „Komm zurück.", sage ich noch leiser und gebe der Kette einen Kuss.
Das 'J', welches die Kette bildet, sieht wunderschön aus. Ich hatte an dem Tag - und den Tagen danach - gar nicht darauf geachtet. Doch in der jetzigen Situation sehe ich es als Stütze. Als wäre Er bei mir. Als würde Er mich küssen. Als wäre das hier nie passiert..

Ich weiß noch, als ich gelacht habe, weil er meinte, dass das J für ihn steht.
Jetzt weiß ich, dass es wirklich so ist. Es steht für ihn. Und für den kleinen Funken Hoffnung, den ich noch in mir trage. Die Hoffnung, die ich vermutet habe, nicht zu brauchen.

„Kann ich zu ihm?", frage ich die Schwester, die mich kritisch mustert. Herrgott, noch mal! Mir geht es gut, was wollen die alle von mir?
Erst Bradley, der vor einiger Zeit gegangen ist, aber versprochen hat, wieder zu kommen.
Und jetzt die Krankenschwester.

„Ich helfe Ihnen.", meint sie noch, bevor sie eine Rollstuhl holt. Laufen kann ich ja wohl noch selber. Mein Kopf schmerzt zwar, aber der Laufens bin ich immerhin mächtig. „Sicherheitsmaßnahme..", murmelt sie vor sich hin und hilft mir aufzustehen.
Ich wundere mich, dass meine Eltern nicht hier sind. Wissen sie von dem Unfall Bescheid? Oder sind die Krankenhäuser heutzutage anders, als früher? Wissen meine Geschwister Bescheid? Wahrscheinlich nicht, wenn nicht mal meine Eltern anwesend sind.

Ich habe gar nicht mitbekommen, wie wir zum stehen kommen.

Vor einer Tür.

Vor der Tür, in dessen Raum Er ist.

„Miss Lawrence, Sie müssen da nicht rein.", redet die Krankenschwester auf mich ein.
Ist ja fast so, als müsste ich eine Leiche begutachten und sagen, ob das das Opfer ist.
Der Gedanke bringt mich zum erschaudern.

„Ich will ihn sehen.", wiederhole ich und die Krankenschwester seufzt, bevor sie die Tür öffnet und wir in einen Raum kommen.
Ich rolle selbst zu dem Bett, welches in der Mitte des Zimmers steht.

Auf diesen Anblick war ich nicht vorbereitet.

„Josh.", flüsterte ich und stehe mit zittrigen Knien vom Rollstuhl auf. „Oh mein Gott."
Tränen fließen mir die Wangen runter, ohne das ich es merke.
Sein Gesicht ist voll mit Kratzern verseht, welche bestimmt von den Splittern kamen.
Um seine Stirn ist ein dicker Verband, welcher nicht weiß, sondern rot ist.

„Eine Platzwunde, die wir nur mit..-", fängt die Krankenschwester an zu sprechen, doch ich unterbreche sie.

„Seien Sie still!", schreie ich und falle auf die Knie nieder. „Was ist nur mit dir passiert..", flüsterte ich und die Tränen fließen weiter, wie ein Wasserfall. Ich arbeite mich mit den Knien an hn voran und nehme seine Hand, die ebenfalls mit einem Verband umwickelt ist.
Ich schluchze laut, doch es interessiert mich nicht.

Schließlich liegt Er gerade im Sterben. Er, die Liebe, die mir kein zweiter schenken kann.

Josh.

Ich streichle immer wieder seine Hand. Meine Tränen fließen auf sie, doch es ist mir egal. Wenn das hier ein Disneyfilm wäre, würde er jetzt durch meine Tränen aufwachen.
Stattdessen liegt er weiter im Koma und ist mit Kratzern überseht. „Ich liebe dich", flüsterte ich und gebe ihm einen Kuss auf die Nasenspitze, die wahrscheinlich das Einzige auf seinem Gesicht ist, was nicht verunstaltet wurde. „Ich werde es immer tun." Meine Hand streichelt seinen Oberarm.

Plötzlich ertönt ein lautes Piepen, welches mich zusammenzucken lässt.
Ich schaue mich um und plötzlich stürmen Ärzte ins Zimmer. Was passiert hier?
Die Ärzte schreien immer wieder wirres Zeug, von dem ich keine Ahnung habe und schließen etwas an Josh.
Erst jetzt wird mir klar, was hier passiert.

„Er atmet nicht.", hauche ich schon fast. „Er atmet nicht!", schreie ich und stehe ruckartig auf. „Helft ihm!", schreie ich immer wieder. Plötzlich werde ich von hinten gegriffen und versucht aus dem Raum zu schieben. „Nein!", rufe ich und schlage um mich umher.
Ich sacke auf den Boden und zwei Ärzte kommen zu mir, während andere an einem Gerät bei Josh rumfummeln.

„Psht..pssshht...", macht ein Arzt und streicht mir beruhigend über den Rücken. „.Alles gut."
Er flüstert es immer wieder und ich beruhige mich unter dem Wasserfall von Tränen tatsächlich.
Bis er etwas ausspricht.

„Sie werden jetzt langsam in einen tiefen Schlaf sinken, Miss. Lawrence.

Er begrüßt langsam den Tod."

Es gelingt mir noch einen letzten Schrei rauszubringen, bevor ich auf etwas weiches falle.

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Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson - Beste Freunde? - JoshiferLies diese Geschichte KOSTENLOS!