Charlie's POV:

Ich klopfte an der Tür , die Sekunden später von Nate aufgerissen wurde.  Er umarmte mich stürmisch , dann ließ er mich los, zog mich in die Wohnung ,schloss die Tür und schrie mich an >> Verdammt Charlie ,hast du auch nur die geringste Ahnung , was für Sorgen ich mir gemacht habe ??<< Ich schwieg , da ich genau wusste dass ich es sonst nur noch schlimmer machen würde.  Er regte sich weiter auf >> Das ist so unverantwortlich ! Ich bin doch nicht blöd. Ich merke doch , dass es dir in letzter Zeit scheiße geht aber du kannst doch nicht einfach so verschwinden. Du hast mir so einen Schrecken eingejagt...<< Dass er am Ende immer leiser geworden war , signalisierte mir , dass er sich abgeregt hatte. Ich umarmte ihn einfach und murmelte an seine Brust >> Es tut mir leid..<< Er erwiederte die Umarmung und nickte. Er hatte mir verziehen.  

>>Na dann erzähl mir doch  mal was von dem Typ, mit dem du dich den ganzen Tag herumgetrieben hast. << forderte er in neckischem Ton.   Ich verdrehte die Augen und antwortete >> Da läuft nichts.<<  Er schenkte mir nur ein spöttisches Nicken und stellte sich in die Küche um Abendessen zu machen.


Der Anblick, der sich mir erbot war atemberaubend. Nicht weil er wunderschön wäre , sondern weil er von unmenschlicher Grausamkeit zeugt. Ich kann und will nicht glauben, dass Menschen in der Lage sind ,so etwas zu tun. Ich muss hier raus, doch ich kann keinen Fuß vor den anderen setzen, ohne die eiskalten Leichen zu berühren. Ich konnte vor lauter Toten keinen Boden mehr sehen.Ich war vor Schock und Ekel erstarrt , doch langsam machte sich die Panik in mir breit. Mein Atem ging immer schneller , ich stand kurz vor einer Panikattacke . Ich versuchte, nicht auf die abgemagerten Gestalten in zerfetzter Kleidung zu achten , die mir zu Füßen lagen. Ich hob den Blick, mein Atem stockte. Ich stand in einem Innenhof. Das war nichts besonderes oder erschreckendes ,doch dieser Innenhof war gefüllt mit Leichen. Männer, Frauen und sogar Kinder. Ich kann es garnicht fassen , dass so viel Gewalt und Unmenschlichkeit geben kann.

 Ich hielt den Anblick nicht mehr aus ,und riss meine Augen auf. Ich sah nur Schwarz, schwizte und mein Atem ging verdammt schnell. Ich versuchte mich zu beruhigen, doch ich hielt das nicht aus. Ich stieg mit Schwung aus dem Bett, schnappte mir einen Pulli und verließ die Wohnung.

Es wehte ein kalter Wind , doch ich war zu durcheinander um es zu realisieren. Ich ging einfach und versuchte  meine  Gedanken zu sortieren. Ich bemerkte, dass ich den Park ansteuerte und beschleunigte meine Schritte. Ich kam zu meinem Lieblingsplatz, dem See und legte mich wieder ans Ufer. Es sah auch bei Mondschein wunderschön aus und ich brauchte diese Atmosphäre um meinen Traum zu verarbeiten. Ich hatte den Drang, Dan anzurufen und ihm alles zu erzählen. Nein , nicht alles. Aber immerhin von meinem Traum könnte ich ihm erzählen. Ich dachte daran , wie unglaublich gut es sich angefühlt hatte, als er mich in seinen Armen hielt und dass ich dort ohne Alpträume, Panikattacken oder sonstiges schlafen konnte. Ich wusste ,ich hätte es nicht tun dürfen aber ich war durcheinander und verzweifelt. Wenn ich nicht bald gesund schlafen kann, werde ich den Verstand verlieren. Ich kramte mein Handy hervor, das ich anscheinend mitgenommen hatte , und rief ihn an. Es klingelte eine Weile bevor er abhob >> Wer auch immer meint mich um 3 am anrufen zu müssen, es sollte verdammt nochmal wichtig sein.<< ich schwieg kurz bevor ich leise antwortete >> Hi Dan. Kannst du bitte zum Park kommen ? Ich weiß, es ist mitten in der Nacht und ..<< >> Bin in 10 Minuten da.<< unterbrach er mich und legte auf. Ich atmete erleichtert aus und spielte mit dem Gras. 

Dan's POV :

Als ich am See ankam, sah ich Charlie dort liegen , nur in Schlafshorts und Pulli, die Beine angewinkelt. Ich legte mich neben sie. Sie rutschte an mich ran und ich legte wie selbstverständlich die Arme um sie. Es fühlte sich so gut an sie im Arm zu halten, so kalt nach außen aber in Wahrheit so zerbrechlich. Dieses Mädchen war ein Mysterium für sich aber schon sie wortlos im Arm zu halten war es wert mitten in der Nacht geweckt zu werden. Sie vergrub ihren Kopf an meiner Brust und ich strich ihr beruhigend über den Rücken , ich hatte das Gefühl , das Richtige zu tun. Ich murmelte in ihre Haare >> Dir muss doch kalt sein. Lass uns zu mir fahren.<< Sie nickte nur leicht an meiner Brust und ich stand auf ,den Arm um sie ,um sie zu stützen. Warum ich sie nicht gefragt hatte was los war ? Sie würde es mir schon noch sagen und im Moment reichte mir ihre Anwesenheit.

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