Kapiel 1

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PoV: Sherlock

Ich saß auf der Couch und schlug die Zeit tot. Wartete, bis der Rauschzustand endgültig verebbt war.
Ich hatte die Augen geschlossen und genoss die letzten paar Minuten, die mir in meiner Entspannung blieben.

Eigentlich sollte ich das nicht tun, das wusste ich. Aber es war mir egal.

John würde ausrasten, würde er erfahren, dass ich immer noch dann und wann zu Heroin greife.
Okay, dann und wann war gut gesagt.
Es war mir schon fast wieder zur Gewohnheit geworden.
Ich konsumierte nicht jeden Tag, nein. Aber immer nach besonders schweren, anstrengenden Fällen oder wenn mich meine Vergangenheit mal wieder versuchte, einzuholen.
Denn das wollte ich nicht zulassen.

Immer noch mit geschlossenen Augen fing ich plötzlich zu frieren an.
Ich wollte mich bewegen, aber ich war wie in Trance.

Irgendwie schaffte ich es doch, meine Augen zu öffnen und begab mich zum Fenster.

Der Rauschzustand war nun endgültig vorbei, die Materialien zum Spritzen säuberlich weggepackt.

Ich schaute aus dem Fenster und hörte dem Regen zu, wie er in dicken Tropfen gegen das Fenster prasselte.

Manchmal stellte ich mir vor, dass jeder dieser Regentropfen seine eigene Geschichte erzählte, doch dann verwarf ich den Gedanken wieder, peinlich berührt von mir selbst.

Fixiert auf die Straße, auf das Fenster und den angenehmen Geräuschen des Regens erschrak ich zuerst, als ich den Klingelton meines Handys vernahm.

Es war John.

Ich komme heute später heim, wir haben einen Notfall.

JW

Ich hatte also noch genug Zeit, die ich mit mir selbst verbringen konnte.

Okay. Wie lange etwa?

SH

10-11. Genaueres weiß ich nicht.

JW

Okay. Bis heute Abend.

SH

Ja, bis heute Abend.

JW

Aha, Langeweile kannte ich nur zu gut und die wollte ich eigentlich vermeiden.
Aber ohne John...

Er war wie meine bessere Hälfte.

Was denkst du nur für Sachen?!

Wieder ließ ich mich auf der Couch nieder, lies die Gedanken über mich ergehen, die mich zu übermannen drohten.

Ich redete nie über diese Gedanken. Mit niemandem. Zeigte immer die kalte Schulter, war der Soziopath, der Freak.

Aber in mir drin brodelte es vor Gefühlen und Gedanken.

Ja, dieses zwischenmenschliche Gehabe lag mir nicht und mir war es mittlerweile auch egal, was man von meinen nicht gerade fürsorglichen Artikulationen halten mochte.

Mich kümmerte nur John.
Und manchmal Graham.
Hieß er Graham?
Ach... Immer wieder entrann mir die Erinnerung an seinen Namen...

Greg!

Naja,  Auch egal.
Er war nett.
Also Graham. Nein, Greg.
Aber John war nicht einfach nur nett. John war... Besonders.

Der DI stellte manchmal recht dumm und ungeschickt an, sonst müsste er mich nicht dauernd konsultieren, aber er war immerhin einer der wenigen, der an mich glaubte.

Und John war eben... Er war...
Ich fand einfach keine Worte für diesen Mann.

Als Kriegsinvalide nach London gekommen und schon nach kurzer Zeit hatte er direkt den ersten Fall mit mir gelöst. Anfangs war er einfach nur jemand, der es mir leichter machte, die Miete für diese Wohnung zu bezahlen. Doch jeder einzelne Fall, den wir beide gemeinsam lösten, veränderte diese anfänglich sehr oberflächliche und skeptische Ansicht. Er wurde immer wichtiger. John war nicht einfach wie jeder andere, der nach den ersten Paar Tagen schon das Leben mit mir unter einem Dach aufgegeben hätte. Er war geblieben und hatte mich unterstützt und ich war ihm dafür mehr als nur dankbar, auch wenn ich nie wusste, wie ich das zeigen sollte. In so etwas war ich noch nie gut gewesen.

Und er glaubte an mich. John glaubte an mich. Und auch, wenn ich ihm nicht sagen konnte, wie es mir wirklich ging, so hörte er mir doch zu.

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