[13] Mütter und Töchter

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Das war zu viel für mich. Mir wurde schwarz vor Augen.
Schon irgendwie traurig, dass ich innerhalb der letzten 2 Tage fast drei Mal ohnmächtig wurde.
Jedenfalls, als ich wieder aufwachte lag ich zugedeckt auf der Rückbank eines Autos. Doch es war nicht Lens Auto, sondern Mias.
Schwerfällig setzte ich mich auf.
>>Was ist passiert?<<, fragte ich noch leicht benommen.
Mia drehte sich zu mir um.
>>Oh, schön, dass du wieder da bist! Wir haben dich in mein Auto gebracht und gewartet bis du aufwachst.<<
>>Wir?<<
>>Len ist grade losgefahren um was zu Trinken zu holen.<<
>>Aha.<<
>>Wie geht es dir?<<, fragte Mia dann.
Ich sagte ihr, dass mir ein bisschen der Schädel brummte und ich erschöpft war.
>>Ach ja...<<, sagte sie dann mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck.
>>Du bist genau, wie ich früher war. Ich habe mich auch zuerst übernommen und wollte alles schaffen. Aber um seine Ziele zu erreichen braucht man nicht nur den Willen, sondern auch die Geduld.<<
Und dann viel mir wieder ein was passiert war. Mia hatte mir ihre Fähigkeiten demonstriert.
Sie konnte Dinge mit purem Willen bewegen. Telekinese sozusagen.
Zum Glück fiel ich nicht wieder in Ohnmacht.
Ohne weiter auf Mia einzugehen fragte ich wie spät es sei.
03:40 Uhr
Verdammt.
Ich rastete leicht aus.
Nein, ich rastete sehr aus.
>>Oh verdammt! Hoffentlich hat meine Mutter nichts bemerkt! Aber sonst hätte sie sich ja gemeldet. Warte, ich hab ja gar kein Handy mehr! Scheiße!<<
Mia blieb ganz ruhig.
>>Sag einfach du warst feiern.<<
Das war gar nicht mal so eine schlechte Idee.
Obwohl ich erst 14 war und meine Mutter wusste, dass ich außer Levi niemanden hatte mit dem ich irgendetwas feiern würde. Aber es war zumindest plausibler als das hier.
Es klopfte an die Scheibe. Len war wieder da.
Nachdem er sich neben Mia auf den Fahrersitz gesetzt hatte, reichte er mir eine Flasche Wasser. Erst nachdem ich etwas getrunken und dann aus dem Fenster geschaut hatte merkte ich, dass wir nicht auf dem Schulparkplatz standen, sondern irgendwo an der Seite einer kleinen Hauptstraße. Len drehte sich zu mir um.
>>Wenn du willst können wir dich nach Hause fahren.<<
>>Nichts lieber als das.<<, seufzte ich.
Len nickte nur kurz und ich schilderte ihm den Weg zu mir nach Hause.
Wir hielten hinter einer Ecke, damit meine Mutter nicht sah, wie ich aus einem fremden Auto stieg.

Die Ausrede mit dem Feiern funktionierte überraschend gut.
Natürlich gab es Ärger, aber ich musste meiner Mutter nicht irgendwelche dummen Fragen beantworten, da sie viel zu müde war, weil sie die letzten Tage Überstunden geschoben hatte. Dadurch, dass sie so lange auf der Arbeit war, sie arbeitete im Büro für eine Fluggesellschaft, hatte sie ebenfalls nicht bemerkt, dass ich den Tag zuvor früher aus der Schule gekommen bin.
Ich machte mich auf in mein Zimmer. Wie göttlich es war nach diesem verrückten Tag wieder in meinem vertrauten Bett zu liegen. Mir kreisten noch lange die Gedanken im Kopf, aber irgendwann schlief ich verwirrt, aber auch leicht zufrieden ein.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war es schon gar kein Morgen mehr. Ich ging verwundert runter in die Küche. Meine Mutter wartete schon auf mich.
>>Mama, warum hast du mich nicht geweckt? Ich muss doch zur Schule!<<
>>Setz dich mal bitte, Liebling.<<, bekam ich als Antwort. Ich ahnte böses.
>>Ich glaube du bist in letzter Zeit nicht ganz ehrlich zu mir.<<
Verdammt. Ich hatte gedacht, ich könnte einem solchen Gespräch aus dem Weg gehen.
>>Wie meinst du das Mama?<<
Ich tat auf unschuldig.
Sie schaute mich zweifelnd an.
>>Ich meine, dass du mir nicht erzählen kannst, dass DU feiern warst. Oder die letzten Tage, als du plötzlich verschwunden oder hier aufgekreuzt bist! Wo bist du hingegangen, wo kamst du her? Ich mache mir Sorgen Saphylein!<<
Bei dem Wort >Saphylein< verzog ich den Mund. Saphy oder Saph sind für mich annehmbare Spitznamen, aber Saphylein? Allerdings mochte ich meinen vollen Namen, Saphyra, auch nie. Ich meine es gibt Emmas, Claras oder Emilias, aber Saphyras? Wer heißt denn bitte so?
Ich setzte ein gespieltes Schuldbewusstsein auf.
>>Aber Mama, ich werde älter und würde auch gerne mehr mit Freunden ausgehen.<<
Ich hielt an der Ausrede fest, einfach, weil mir keine andere einfiel.
>>Na gut, gehen wir mal davon aus, du warst feiern.<<, meine Mutter hörte sich nicht überzeugt an.
>>Wieso bist du dann einfach mitten in der Schulzeit hier aufgetaucht und hast dich in deinem Zimmer verbarrikadiert?<<
Ich dachte sie wäre nicht zu Hause gewesen! Verdammt. Und nur um eins klarzustellen: Ich hatte mich nicht verbarrikadiert, außer man will sich ins Bett schmeißen und schlafen so nennen.
>>Ich hatte Kopfschmerzen und meine Schulter tat weh, da bin ich nach Hause gekommen.<<, antwortete ich ihr.
Was dann kam war zu viel.
>>Schätzchen, wenn du einen Freund hast, musst du das vor mir nicht verheimlichen.<<
Ich starrte sie vollkommen entgeistert an.
>>Mama, ich sage dir die Wahrheit!<< Lüge.
>>Ich verheimliche dir gar nichts!<< Lüge.
Sie sah noch immer nicht überzeugt aus, aber schien genau so wenig Lust drauf zu haben diese Diskussion weiter zu führen wie ich.
Yes, gewonnen. Dachte ich mir.
Sie drehte sich mit einem Seufzer zur Kaffeekanne und goss sich etwas in die Tasse.
>>Ich habe dich heute von der Schule abgemeldet weil wir nochmal zum Arzt fahren.<<
Darauf hatte ich zwar keine Lust, aber das unheilvolle Mutter-Tochter Gespräch hatte ich erfolgreich abgewendet.
Ich hatte gute Laune an diesem Tag.
Ich meine, verrückte Fähigkeiten, die auf irgendeine Weise cool waren, tolle neue Bekanntschaft, ab der nächsten Woche Ferien und gutes Wetter war auch.
Was will man mehr?

Das, was man nicht Magie nennt - AnimalicedLies diese Geschichte KOSTENLOS!