2. David

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Das Handy klingelte. Ich tastete verschlafen danach. Aber Lili war schon aus dem Bett gesprungen und meinte: 

„Ist mein Wecker. Schlaf weiter."

Sie gab mir einen flüchtigen Schmatzer auf die Stirn und verschwand aus dem Schlafzimmer.
Ich setzte mich im Bett auf und nahm mein Handy in die Hand.

„Hey Lili, willst du mich verarschen, es ist 7:00. Praktisch Mitten in der Nacht. Wo willst du hin?"

Lili kam zurück ins Schlafzimmer mit ihren Sportsachen.
„Ich wollte noch joggen, bevor ich nachher ins Labor muss, um den Versuchsaufbau zu kontrollieren."

„Kannst du das nicht am Montag machen?"

„Nein, am Montag arbeite ich und nachher sind wir noch mit Ale und Pascal verabredet."

„Ich habe gedacht, wir unternehmen heute etwas zusammen."

„Gerne. Da du schon wach bist, komm mit zum Joggen, haben wir ewig nicht mehr gemacht."

„Das meinte ich nicht und das weißt du auch."

Aber bevor Lili antworten konnte, klingelte mein Handy.
Sie war aus dem Zimmer geschlüpft und winkte mir zum Abschied zu.

„Hallo." Ich nahm ab, ohne nachzusehen.

„Hi. Habe ich dich geweckt?" Daniel war am Apparat.

„Was? Nein."

„Gut. Ich wollte mit dir reden, wenn Lili nicht da ist."

Ich runzelte die Stirn. „Wieso weißt du, dass Lili nicht da ist?"

„Weil sie es gestern beim Essen gesagt hatte, dass sie heute vor sieben Uhr Joggen geht. Dave, was ist los?" Seine Stimme klang verwirrt.

„Nichts! Nichts. Was wolltest du mit mir so Wichtiges besprechen?"

Daniel räusperte sich. „Unser Erschaffer kommt nächste Woche und will mit uns Essen."

„Das ist mir so was von egal."

Er lachte auf. „Du hast das cooler aufgenommen, als ich dachte."

„Klar! Ich werde auf keinen Fall hingehen."

„Hast du nicht etwas vergessen?"

„Was? Wieso?", fragte ich genervt. Es wäre mir lieber, er würde direkt sagen, worauf er hinauswollte.

„Lili?", fragte Daniel mit einem vorwurfsvollen Unterton.

Ich schwieg und fragte nach etwas, das sich wie eine Ewigkeit des Schweigens anfühlte:
„Was ist mit Lili?"

„Sie arbeitet bei ChemiCorp, weil er ihr dort einen Job verschafft hat. Was meinst du, was er machen wird, wenn du dich weigerst zu kommen?"

„Lili ist fleißig und fähig, die werden sie schon nicht rausschmeißen. Und wenn doch ... Es gibt andere Jobs", sagte ich genervt.

„Dave, bleib ernst. Du weißt genau, wie nachtragend er sein kann. Andere Jobs? Du denkst, dass er sich damit aufhalten wird? Sei nicht naiv!"

Ich schlug mit der Faust in die Matratze.
„Fuck." Schlag „Fuck." Schlag. „Fuck." Schlag.

„Ja, Fuck. Aber es ist wohl kaum eine Überraschung, ich hatte dich von Anfang an gewarnt. Du hättest verhindern müssen, dass sie den Job annimmt", sagte Daniel ohne Nachsicht in der Stimme.

„Ja, ja, ja. Reib es mir unter die Nase, dass du der bessere Freund wärst."

„Hör auf, das Thema ist durch. Sie will mich nicht, sie will dich. Und das respektiere ich", seine Stimme war eiskalt. Für einen Augenblick klang er wie unser Vater.

Liebe ist bittersüßWo Geschichten leben. Entdecke jetzt