26. gemähter Grashalm

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Ich konnte nicht fassen, dass oben auf der Bühne des Mythos tatsächlich Bennet stand. Ich hatte völlig verdrängt gehabt, dass er und sein Freund schon einmal hier gewesen waren und Mia auf Teufel komm raus mit ihm geflirtet hatte nur, um dann mit Jesses Nummer zu enden. Soweit ich wusste, hatte sie ihn aber nie angerufen. Das hätte sie mir sonst bestimmt erzählt.

"Al schau mal, das sind doch die Typen, die mal nach dem Chef gefragt haben", kicherte Mia und deutete auf Bennet und einen anderen Typen, der wohl der Kumpel sein musste, mit dem Ben damals da gewesen war. So genau hatte ich ihn mir ehrlich gesagt nicht angeschaut gehabt.

"Ja sind sie. Aber ich will Ben eigentlich immer noch nicht so unbedingt sehen", meinte ich verunsichert und fixierte ihn auf der Bühne mit meinem Blick. Noch schien er mich nicht entdeckt zu haben. Sein Blick glitt über das Publikum und noch mal. Mist, er stoppte auf meiner Höhe. Täuschte ich mich, oder war ihm gerade tatsächlich der Mund aufgeklappt? Naja er wusste ja nicht, dass ich hier arbeitete. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre das auch so geblieben. Da ich hinter der Bar stand, würde ich meine Anstellung hier allerdings später schlecht leugnen können.

Da Ben es offensichtlich nicht hinbekam, noch irgendeinen ganzen Satz zustande zu bringen geschweige denn zu singen, überwand ich mich schließlich und lächelte ihn, wie ich hoffte aufmunternd, an.

Die Musik seiner Band war nicht schlecht, aber ehrlich gesagt hörte ich kaum zu. Meine Aufmerksamkeit war von Bennet völlig in Beschlag genommen. Den ganzen Abend über schaute er mir in die Augen und ich hatte das Gefühl, das er ebenfalls nur mich wahrnahm.

Während des Sets von Without Caramel hatten Mia und ich ziemlich wenig zu tun, aber danach wurde es ziemlich schnell ziemlich voll und ich war voll beschäftigt damit, allen schnell ihre Getränke zu bringen. Ich war froh darüber, da ich es so sehr viel leichter vermeiden konnte, mit Bennet zu sprechen. Und das er kommen würde, um mit mir zu reden, war fast einhundertprozentig sicher. Und tatsächlich. Wenige Minuten, nachdem die Band abgebaut hatte, tauchte Ben vor mir an der Bar auf. Es waren noch ein paar Leute zwischen uns und so hatte ich noch ein bisschen Zeit, der Situation zu entkommen. Ich nahm die nächste Bestellung auf, einen Pisco Sour, und arbeitete dann so langsam, dass Mia sich neben mich stellte und ihren Drink ebenfalls zubereitete.

"Du kennst doch Bennet noch oder?", fragte ich vorsichtig nach.

"Klar wieso?", antwortete sie schulterzuckend und wollte schon zu ihrem Kunden weglaufen.

"Ich kann ihn nicht bedienen. Das musst du machen ja?"

"Und wie willst du das anstellen?"

"Ich brauche für den Drink vor ihm einfach so lange, dass du ihn dran nimmst."

"Ich weiß nicht Al..."

"Bitte", flehte ich. "Ich kann wirklich auf gar keinen Fall mit ihm reden."

"Also gut", willigte Mia ein. "Aber das ist das erste und Letzte Mal, dass ich so was für dich mache."

"Danke, wirklich."
 Ich grinste Mia und sie grinste zurück. Dann machten wir uns geschäftig weiter an die Arbeit.

Noch zwei Kunden, dann wäre Ben an der Reihe. Ich hoffte wirklich, dass der Plan klappte und er sich nicht plötzlich vordrängelte oder Ähnliches.

Bennet kam an diesem Abend noch neunmal an die Bar und bestellte etwas. Da er aber noch vollkommen nüchtern wirkte, keimte in mir der Verdacht, dass er für seine Freunde Getränke holte. Jedes Mal, wenn ich ihn sah, stieß ich Mia an und sie wusste sofort, was auf uns zukommen würde. Bisher hatte unser Manöver jedes Mal geklappt, auch wenn Bens Methoden mit mir in Kontak zu treten härter wurden. Beim letzten Mal hatte Mia ihn zuquatschen müssen, damit er sich von ihr bedienen ließ. Inzwischen war mir das fast ein wenig peinlich, doch mein Unwille, nicht mit ihm zu reden, siegte.

Die Nacht schritt immer weiter voran und das Ende meiner Schicht näherte sich. Ben und seine Bandkollegen waren immer noch da. Sie waren umzingelt von ein paar Mädels, die sie allesamt schwärmerisch anhimmelten.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!