ZEHN.

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Seine Berührung brannte wie Feuer auf meiner Haut.

Ich hätte beinahe aufgestöhnt, aber ich konnte mich gerade noch davon abhalten, indem ich mir auf die Unterlippe biss. Sofort sprang Milos Blick hinunter zu meinem Mund, verharrte dort kurz. Ich konnte seinen Atem hören. Nach ein paar Sekunden zwang er sich, wieder in meine hellen Augen zu schauen.

„Raus."

Seine Stimme war samtweich, was sie besonders gefährlich wirken ließ. Es fühlte sich schon fast so an, als würde jemand mit einer scharfen Klinge über meine Haut fahren. Mich mit der Klinge eines Messers streicheln. Stattdessen strich nur sein Atem über mein Gesicht, als er das eine Wort sagte.

Innerlich zuckte ich total zusammen, aber äußerlich blieb ich erstarrt wie eh und je. Ich war eben die Meisterin der Fassade.

„Das war nicht die Antwort auf meine Frage."

Ich ahmte seinen Tonfall nach und traf ihn perfekt. Spöttisch zog ich eine Augenbraue nach oben.

Ich rechnete damit, dass er sich von mir weglehnen und die Magie unterbrechen würde, die zwischen uns herrschte, aber das tat er nicht, was mich erstaunte.

Sein Gesicht blieb weiterhin so dicht vor meinem, dass ich das Funkeln in seinen Augen sehen konnte. Ich konnte nicht mehr denken.

Ich konnte beinahe nicht mehr atmen. Ich verstand nicht, was mit mir los war.

Reiß dich zusammen, Laureen!

„Das ist mir egal", hauchte er und wieder spürte ich die lauwarme Luft auf meinen Wangen und ich atmete zitternd ein. Er brachte mich schier um.

„Raus aus meinem Auto."

„Dann lass mein Gesicht los", knurrte ich. Seine Fingerspitzen verharrten nämlich immer noch gefährlich nah neben meinem Mundwinkel auf meiner glühenden Haut.

Für ein, zwei Sekunden ließ er seine Hand noch dort, dann zog er sie langsam zurück. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass es ihm widerstrebte, mich loszulassen. Ha. Dass ich nicht lachte. Er hasste mich abgrundtief, da war kein Grund, wieso er mich berühren sollte.

„Fick dich", zischte ich, schnellte zurück und drückte gleichzeitig auf den Öffner des Sicherheitsgurts.

Booom und da war sie dahin, die Magie, die Spannung, die Chemie.

Gott sei Dank.

„Bitte, gern geschehen, dass ich dich aus dem Knast geholt habe, keine Ursache, nicht der Rede wert."

Meine Hand lag schon auf dem Türgriff und ich drehte ihm den Rücken zu. Seine Stimme triefte nur so vor Sarkasmus. Seine Worte krochen mir den Rücken hinunter und eine riesige Wut wallte in mir auf und ließ mich erzittern.

Meine Augen verdunkelten sich und ich drehte mich in Zeitlupe zu ihm um.

Wenn Blicke töten könnten.

„Ich habe dich nicht gebeten, mich zu holen", gab ich tonlos, ruhig und böse zurück. „Selbst Schuld, wenn du nachts ins Auto steigst und ein Gossenmädchen aus dem Knast holst."

Meine Stimme klang genauso ätzend wie seine, als ich ihn nachäffte.

Er taxierte mich nur mit seinen dunklen Augen und antwortete nichts. Trotzdem hatte ich gesehen, wie er ein wenig zusammengezuckt war, als ich seine Worte wiederholt hatte.

Sein Blick blieb aber trotzdem ruhig. Seine Augen schienen, als würden sie mich verschlingen wollen. Hier in der Dunkelheit konnte ich nicht den Übergang zwischen seiner Pupille zu seiner Iris sehen.

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