ACHT.

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„Ich...war...", versuchte ich zu erklären, aber meine Lungen fühlten sich an, als würden sie gleich explodieren. Mein Sichtfeld wurde am Rand schon bedrohlich schwarz. Krampfhaft versuchte ich, nach Atem zu ringen, während sich meine Fingernägel in das Sofapolster gruben.

Tam zog ihre Augenbrauen hoch, Farid lehnte mit verschränkten Armen hinter ihr an der Wand und die Pronx-Zwillinge starrten mich von der anderen Seite des Holztisches an.

„Ich wurde...heute Nacht...von den ...Ferrets...verfolgt", presste ich mühsam hervor.

„Ja und", brummte Farid und gab mir damit zu verstehen, dass das noch lange keine Entschuldigung war.

„Deswegen konnte ich nicht hierher zurückkommen. Also habe ich mir einen Unterschlupf gesucht" (ich verkniff mir zu erzählen, wo ich geschlafen hatte) „und habe dann halt länger geschlafen, weil ich keinen Wecker hatte, Herrgott nochmal. Seid doch froh, dass ich noch am Leben bin!"

Wütend warf ich die Hände in die Luft und schnellte in die Höhe. Ich konnte jetzt nicht hier herumsitzen.

„Es tut mir mega Leid, natürlich tut es das!" Ich fixierte Farid mit meinem Blick. „Aber ich konnte nicht hierher zurück, wirklich!"

„Wir glauben dir", sagte Jill und sah mich ernst an, während ihre Zwillingsschwester Mou bestätigend nickte. „Du hast uns noch nie hängen lassen. Du bist die Letzte, die den Arsch nicht hochkriegt."

Ich erwiderte nichts.

Wie immer eben.

Laureen bedankt sich nicht. Laureen schweigt und starrt mit ihrem irren Blick durch die Gegend.

Dafür war ich schließlich bekannt, und ich wollte meinem Ruf doch treu bleiben. - Verdammter Sarkasmus.

„Und was machen wir jetzt?" Ich ließ mich wieder auf die Couch sinken und fuhr mir frustriert durch die Haare. Panik wallte in mir auf. Wenn Rocky mitbekommen würde, dass ich den Einbruch eiskalt verschlafen hatte...

„Hm", machte Tamara und legte den Kopf schief, „wie wäre es mit...auf Rocky warten und ihm dann das Geld geben?"

Was?

Ich starrte sie fassungslos an.

„Wie meinst du das?"

„Naja, meinst du, wir haben uns von dir Schlafmütze abhalten lassen, uns die Knete zu beschaffen?" Sie zuckte mit den Schultern und Farid fuhr mit seiner tiefen, ruhigen Stimme fort: „Wir haben es natürlich. Da drüben in den beiden Koffern." Er nickte mit dem Kopf zur Seite und mein Blick wanderte in die besagte Richtung.

Mein Herzschlag beruhigte sich etwas und meine Nackenmuskeln entspannten sich ein wenig.

Gott sei Dank.

Bevor ich noch etwas erwidern konnte, ertönte wie aufs Stichwort Gepolter von der Betontreppe. Ich starrte weiter vor mich hin und nahm überhaupt nicht wahr, wie Rocky mit ein paar anderen Jungs hereinkam und Farid ihm wortlos das Geld gab.

Natürlich diskutierten sie lauthals über den Überfall und wie alles gelaufen ist und so weiter und so weiter - aber ich hörte nicht zu. Ich war mal wieder in meinem Nichts angekommen. Das Nichts, das ich über alles liebte. Es war mein Zufluchtsort, wenn mir alles zu viel wurde. Dorthin floh ich, wenn ich spürte, dass mein Inneres sich öffnete und Gefühle zulassen wollte.

Das ging aber nicht.

Also floh ich jedes Mal in mein Nichts, um dort abzuwarten, bis ich wieder vollkommen verschlossen war und mich der Welt wieder stellen konnte.

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