Neues Kapitel

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Die Tür öffnete sich mit einem quietschen und ich blickte auf. Steel trat in den Raum. Seine schwarzen Haare waren noch nass und klebten platt an seinem Kopf, aber es sah schon bei weitem besser und frischer aus als noch vor einer halben Stunde. Ich schaute auf die hölzerne Standuhr, die in einer Ecke unseres gemütlichen Zimmers stand. "Wollen wir essen?", fragte ich ihn und er nickte.

Unten angekommen warteten Karl und Alex schon am runden Esstisch und wurden von der netten Hausmutter Gertrud betreut. Sie hatte Bohneneintopf gekocht und es schmeckte köstlich, auch wenn die Mahlzeit eher wie eine grün-orangene Pampe aussah. Mir fiel auf, dass sie ständig lächelte. Eine durch und durch nette, alte Dame.

"Woher kommt ihr eigentlich und was hat euch hierher gebracht, meine Kinder?", fragte sie nachdem wir alle eine wortlos in unserer Suppe herumgestochert hatten.

Mir fiel der Löffel fast vor Schreck aus der Hand. Was sollten wir ihr denn jetzt antworten? Aber Steel kam mir zuvor, er hatte seine alte Stimme wieder gefunden. Er sah von seinem Suppenteller auf.

"Ach, wir kommen aus einer mittelgroßen Stadt in NRW und wollten da mal raus und die schöne Natur ein wenig genießen.", sagte er ganz beiläufig. "Das ist wirklich schön.  Ich hatte die Hoffnung in die Jugend von heute ja fast verloren.", meinte Gertrud und lächelte uns alle nacheinander an, während sie das Geschirr  mit einem lauten Klirren stapelte. "Oh ja, es gibt schon echt schlimme Finger.", antwortete Karl mit einer Miene und ich musste ein lautes Lachen unterdrücken.

"Aber wie heißt ihr überhaupt?", fragte sie dann und setzte sich wieder zu uns, nachdem sie die Teller in die Küche gebracht hatte. "Ich bin Max", sagte Steel. Und da war wieder sein lustiger Vorname, der überhaupt nicht zu ihm passte. "Ich bin Alexander und das da sind Karl und Ruth.", erklärte Alex weiter und deutete auf Karl und mich.

"Sehr schön, sehr schön. Und wie kommt es das du das einzige Mädel der Truppe bist?", nun wandte sich Gertrud an mich. "Ähmm...Alex er ist mein Bruder und da dachte ich, dass ich doch mal auf einen Ausflug der Jungs mit kann. Wegen dem ganzen Schulstress den man heute so hat und so", reimte ich zusammen.  Gertud nickte. "Ist das dein Bruder mit dem du das Zimmer teilst?" , fragte sie. Ich sah sie an. Was sollte ich jetzt sagen. "Sie ist meine Freundin.", half Steel mir schnell aus. "Deswegen teilen wir uns auch ein Zimmer", um seine Aussage zu unterstreichen, legte er einen Arm um meine Schulter. "Wir sind jetzt schon bald zwei Jahre zusammen.", er grinste stolz. Ich musste fast prusten. Als ob Steel dazu in der Lage war zwei Jahre mit einem Mädchen zusammen zu sein.

"Beachtlich. Ich hoffe ich bin zur Hochzeit eingeladen.", antwortete Gertrud nett. "Das hat noch Zeit", sagte ich rasch. "Oder, Schatz?", ich sah Steel an. Das Schatz hatte ich extra betont. Er nickte nur.

Anschließend machten wir uns zu viert auf den Weg in unsere Zimmer. Alex packte mich am Handgelenk, bevor ich das Zimmer von mir und Steel betrat. "Komm, ich zeig dir mein Zimmer mal.", sagte er zu mir und ich folgte ihm.

Sein Zimmer war dunkelblau gestrichen und wunderschön, aber altmodisch eingerichtet. In der Ecke stand ein kleines Bett mit Blümchenbettbezug. "Setz dich.", forderte Alex mich auf und ließ mich auf das Bett plumpsen.

"Schön hier.", sagte ich zu ihm und er nickte. "Wie geht's dir?", fragt er. "Ganz gut.", sagte ich. "Und Steel?" "Weniger gut, hab ihn verzweifelt auf dem Klo gefunden.", erzählte ich Alex und senkte meinen Blick. Alex seufzte: "Ich habe das befürchtet. Gib ihm einfach etwas Zeit." "Wie geht es dir?", fragte ich im Gegenzug. "Ist schon okay.", winkte er ab. "Vielleicht kommt heute noch jemand vorbei.", sagte Alex dann. Ich sah ihn an. "Wer?", fragte ich verwundert. "Wirst du dann sehen, sagen wir es mal so: es wird eine ganz schöne Überraschung für Steel sein. Nur weiß ich nicht, ob positiv oder negativ." Ich war noch eine Weile bei Alex, dann ging ich in das Zimmer von Steel und mir zurück.

Jener saß auf dem Bett. "Wo warst du?", fragte er plump. "Bei Alex." "Achso, okay." Er schien immer noch nicht so richtig bei Verstand zu sein. Mir fiel das Handy in meiner Hosentasche an. "Steel?", fragte ich vorsichtig. "Ähmm...ich habe mein Handy gefunden und es eingesteckt, okay?" "Okay.", antwortete er.

Ich starrte ihn an. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir in seinem jetzigen Zustand an die Kehle springt, aber wenigstens das er sagt: Ein Wort zu irgendjemanden und ich schwör du wirst nicht mehr glücklich, Schlampe oder Gib her, wo kramst du überall rum?! 

Vielleicht war es ein Zeichen von Vertrauen, vielleicht konnte er aber wirklich nicht mehr klar denken.

Plötzlich lehnte er sich zurück. "Denkst du ich habe mir dieses kriminelle Leben ausgesucht?", fragt er und sah mich dann an. Ja, war die ehrliche Antwort tief in mir drin, aber ich zuckte bloß mit den Schultern, da ich Steel nicht verletzen wollte. "Habe ich nicht.", sagte er wie auf Kommand. "Ich habe Dinge gesehen, die ich hier nicht ausführen möchte. Mit zwölf. Eines Nachts wurde Beispielsweise eine Frau vor meinen Augen zu Tode geprügelt und ich habe nichts getan außer von meinem versteck aus zu zusehen. Ich kenne zu viele Leute, die im Knast sind. Ich kenne zu viele Junkies." "Okay", flüsterte ich. "Ich glaube dir.", ich strich ihm über den Rücken und sprach wie mit einem kleinen Jungen dessen Ball zerstochen wurde. Ich hatte das Gefühl, dass er das jetzt brauchte und fragte mich, ob es jemals wieder so wie zuvor mit Steel sein würde. Er sagte nichts mehr, nur noch, dass er nach der langen Nacht im Auto müde sei und schlafen wolle und ich akzeptierte dies und nahm mir erstmal mein Handy vor.

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Nach ungefähr einer halben Stunde klopfte es an der Tür. Mir schoss direkt der Gedanke, dass es der von Alex angekündigte Besuch war in den Kopf, da ich das Gefühl hatte, das weder Karl noch Alex so zaghaft klopfen würde.
Ich beobachtete Steel, er machte sofort seine Augen auf. Ich hatte mir schon gedacht, dass er nicht wirklich geschlafen hatte. Er richtete seine Klamotten und schlenderte dann zu Tür, die er langsam öffnete.
Ich erhaschte den kurzen Blick auf eine junge Frau mit dunkelblondem, langen Haar und Turnschuhen. Es war offensichtlich, dass Steel sie erkannt hatte. Nun sah er sie erst verwundert, dann abfällig an. "Was machst du hier, Lily?", fragte er. Mir fiel auf, dass seine Stimme wieder gewöhnlich klang. Sie antwortete nicht. "Verpiss dich, ich will nichts von dir.", sagte er. "Ich habe eine neue.", er deutete auf mich. Zum zweiten Mal heute wurde ich von Steel als seine Freundin betitelt und missbraucht. Lily schaute mich mit großen Augen an. "Darum geht es nicht, Steel.", antwortete sie. Ihr Stimme klang freundlich und hell, aber ein wenig unsicher. "Was willst du dann? Geld?", fragte Steel. Sie schüttelte den Kopf.
Dann fiel mir wie auf Knopfdruck der kleine Junge, der bei ihr stand auf. Er reichte gerade mal bis zu ihren Knien. Er trug eine blaue Latzhose und ein rotes Shirt, sowie ein süßes Capi.
"Steel..", begann sie dann mit fester Stimme und sah ihm in die Augen.

"Das ist dein Sohn."

Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Ich hoffe trotzdem, dass ihr euch über das Update freut. :)
Später kommt noch ein Kapitel mit den Fragen. Korrigiert wird später, tut mir leid... :(

Vorschläge für den Namen von Steels Sohn?



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