Sığır fileminyon

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„Hast du mal ein eiskaltes Pülleken Pissfix, Metin?"


Ohne die Antwort abzuwarten, trat Adolf Heinrich Hengsbach hinter die Theke der Imbissbude an der Blankensteiner Straße und nahm sich eine 0,5er-Flasche Iserlohner Pilsbier aus dem Kühlschrank. Metin, dem der Grill gehört, hatte sich schon lange mit der Selbstbedienungsmentalität seines bestens Gastes abgefunden und schnitt weiter seelenruhig Kebab in dünne Streifen.


Mindestens drei Mal in der Woche rammte Hengsbach sein blaues Rennrad in den Ständer vorm Imbiss, trank eiskaltes Iserlohner und verzehrt eine doppelte Portion „Sığır fileminyon", feinstes Rinderfilet mit gebratenen Pfifferlingen, Cocktailtomaten und Kartoffeln in Metaxa-Sahnesauce.

Heute auch.

„Wat machst du morgen, Bimbo?"

Hengsbach setzte sich auf einen freien Barhocker.

„Was ich heute mache, siehst du, und was morgen kommt, wirst du morgen sehen", gab der Nigerianer zu bedenken. Im Januar hatte Hengsbach den Farbigen, der jeden Abend von sechs bis Punk halb neun bei Metin am Spielautomaten saß, nach seinem Namen gefragt. Aber Obioma Nwokeabia winkte gleich ab: „Sag Bimbo zu mir, das passt schon." Seither waren der 32jährige Asylbewerber aus Afrika und der 50jährige Nachhilfelehrer aus Hattingen beste Imbissfreunde.


„Also, wat machst du?"

Nwokeabia zuckte die schmalen Schultern.

„Kannst du für Frau Wüllesheim Werbung verteilen?"

Nwokeabia nickte. Der Gesprächigste war der Nigerianer nicht, was Hengsbach aber auch nicht störte, denn gerade stellte ihm Metin seinen Rindfleischteller auf die Theke.


Was für ein Tag für Adolf Heinrich Hengsbach – endlich ein eiskaltes Pülleken Pissfix, endlich wieder Sığır fileminyon zum satt werden.

A. H. Hengsbach und die Schatten des KriegesLies diese Geschichte KOSTENLOS!