SIEBEN.

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Sie hatte mich mit dieser Aussage kalt erwischt, weswegen ich jetzt erst reagierte.

„Nein, das passt schon", erwiderte ich und drehte mich wieder zu der Glastür, um schnell aus diesem schrecklichen, perfekten, wunderbar sauberen Penthaus zu entkommen.

Das war nicht meine Welt.

Und das würde sie auch niemals sein.

„Du kannst nicht gehen", erklang Rosies Stimme leise, aber nachdrücklich hinter mir. „Ich werde dich auch nicht gehen lassen."

Ich grinste teuflisch und drehte mich zu ihr um. Ich zog eine Augenbraue ironisch nach oben und schnaubte: „Ach ja? Wirst du mich mit glitzernden Wattebäuschen abwerfen? Oder wie möchtest du mich denn aufhalten, Cinderella?"

„Ich bin nicht Cinderella." Sie sah mich finster aus ihren großen, unschuldigen Augen an. Beziehungsweise sie versuchte, mich finster anzusehen. Ich denke, ich brauche nicht erwähnen, dass sie kläglich scheiterte.

„Wie soll ich dich dann nennen? Belle? Jasmin? Arielle? Schneewittchen?"

Sie wusste genau, worauf ich anspielte.

„Du kommst mit hoch", wiederholte sie streng, ohne auf meine Provokation einzugehen. Sie griff mit ihrer kleinen Hand nach meinem Handgelenk.

Ich wog innerhalb dem Bruchteil einer Sekunde meine Möglichkeiten ab.

Die Ferrets waren da draußen und warteten darauf, dass sie mich in die Finger bekamen.

Das durfte auf keinen Fall geschehen, sonst würde ich Jamie nämlich das nächste Mal auf meiner Beerdigung sehen.

Es war grundsätzlich so, wenn wir auf die Ferrets trafen, endete das immer tödlich. Mindestens ein Mitglied von einer der Gangs musste mit seinem Leben bezahlen. (Gott sei Dank trafen wir nicht so oft aufeinander, bei den letzten Treffen war niemand gestorben, das war eh ein wenig ungewohnt gewesen. Deswegen war es inzwischen schon ...überfällig.)

Und mir wäre es ganz lieb, wenn ich da heute Nacht herumkam.

Andererseits konnte ich nicht hoch in diese Wohnung.

Wirklich.

Das ging nicht.

Milo hasste mich.

Ich hasste Milo.

Und ich konnte nicht in einer Penthauswohnung schlafen, während mein kleiner Bruder sich den Hintern in einer stinkenden Lagerhalle abfror.

Es ging nicht.

Und ich konnte schon dreimal nicht in Milos Penthauswohnung schlafen.

Oh nein, impossible. Aber sowas von.

Ich konnte nicht bleiben.

Auf keinen Fall.

Aber ich konnte auch nicht gehen.

Verdammte Scheiße, es war wie verflucht!! Was für eine fucking Zwickmühle!!!

Du nützt Jamie aber lebend und in einem Penthaus mehr als kalt und tot in einer Gasse liegend, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf.

Ein Schauer überlief mich unwillkürlich.

Ja, das war wahr. Fuck. Ich nützte ihm wirklich nichts, wenn ich jetzt hinausging und die Ferrets mich kalt machten. Wenn ich heute Nacht hierbleiben würde, würde ich morgen zurückkehren und dann wäre ich wieder ganz normal für ihn da.

Wortlos ließ ich mich also von Rosie zur Treppe ziehen.

Ich stapfte hinter ihr her und vor Milos Wohnungstür blieben wir stehen, bis Rosie es mit ihren eiskalten Fingern schaffte, das Schloss zu öffnen und die Tür aufzustoßen.

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