Kapitel 11

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Etwas vibrierte in seiner Hand. Avis schreckte auf. "The stars shines through the windows..." "Geht dir der Weckton nicht irgendwann auf die Nerven?" Tim war scheinbar schon wach. Avis tastete nach seinem Handy, konnte es jedoch nicht auf seinem Nachttisch finden. Es dauerte einige Sekunde, bevor er bemerkte, dass er es noch immer in der Hand hielt. Avis wischte den Wecker weg. Nach seiner morgendlichen Routine endete Avis im Speisesaal der Mensa zwischen den üblichen. "Ich könnte vielleicht eure Hilfe brauchen..." Marcus lehnte sich interessiert über den Tisch. "Worum gehts? Wen wollen wir verklagen?" "Kathlyn möchte mit mir ins Kino gehen..." "Moment mal!" Marcus unterbrach ihn. "Unser Avis hat ein Date? Glückwunsch!" Er griff die Hand des Blauhäher und schüttelte sie, als wäre er der Bürgermeister würde Avis gleich eine Verdienstmedaille überreichen. "Und wobei brauchst du Hilfe? Soll ich dir eine Reservierung irgendwo organisieren, Golden Thorn kann ich nicht direkt nochmal bringen, aber vielleicht könnte ich einen Tisch im 100 Feathers bekommen." Das exklusive Restaurant befand sich auf dem Dach des Raben Turms, das höchste Gebäudes der Stadt. Der Koch Lorenzo Kavell Crocco war Weltbekannt und Träger von 3 Goldenen Federn. Doch war Avis sich sicher, dass dort allein die Vorspeise mehr kostet, als er Monatlich an Taschengeld bekam. "Sie möchte ins Kino. Aber ich habe keine Ahnung in welchen Film wir gehen sollen." "Weißt du was für Filme sie mag?" Tims Frage schien offensichtlich. "Keine Ahnung." "Vielleicht fragst du ihren Ex." Die Idee war so simpel, dass Avis sich wunderte nicht selbst daran gedacht zu haben, doch gleichzeitig sträubte sich etwas in ihm dagegen. Er wusste nicht warum die beiden sich getrennt hatten und Frederics seltsames Verhalten bei ihrem letzten Treffen und sein plötzliches Verschwinden machte ihm noch immer sorgen. "Das klingt nach einer verdammt schlechten Idee!" Das Kommentar kam von Tamara die gerade dabei war, eine Schüssel Obstsalat zu verputzen, während sie in einem dicken Buch blätterte. Avis erhaschte einen Blick auf den Rücken des Buchs. "Lost on a dark path" von Shiva Larami, das Buch war zwar kein Bestseller, doch hatte die Luchsin bei Fantasy Fans einiges an Berühmtheit erlangt, auch wenn es einigen Gegenwind, aufgrund der 'offensichtlich an historische Verhältnisse angelehnten, jedoch stark verzerrten und inakkuraten Welt Darstellung', gab. Avis hatte schon davon gehört, doch waren Romane mit Historischem Setting nicht wirklich sein bevorzugtes Genre, eher Sci Fi, oder wenn Fantasy, dann aber in einem modernen Setting. "Aber mindestens einen Versuch wert." Es konnte ja nicht schaden. Avis schrieb eine kurze Nachricht an Frederic, bevor er sich auf sein Frühstück, bestehend aus einer Schüssel gemischtem Müsli, konzentrierte. "Hey. Alles in Ordnung? Bist ja gestern plötzlich verschwunden. Können wir uns bald wieder treffen, hätte da etwas wo ich dich fragen möchte. - Avis" Die Nachricht kam zwar an, doch schien Frederic sie nicht zu bemerken.

"Hey!" Die kleine Gruppe blieb stehen. Eine Gestalt schlängelte sich seinen Weg durch die anderen Studenten Grüppchen, die auf den Wegen verteilt standen, das Geweih hoch erhoben. Marcus wirbelte herum und fletschte die perfekt gepflegten und sehr spitz wirkenden Zähne. Ein tiefes Knurren entwich seiner Kehle. "Menic!" Terrence schreckte auf. Kaum jemand nannte den Salamander beim Nachname. Ein Gruppe Erstsemester zwischen ihnen wich erschrocken zurück. "Hau ab Schwuchtel! Das geht nur deinen kleinen Freund und mich was an!" "Du lässt die Finger von ihm Julius!" Die kleine Gruppe hatte sich, unbewusst, formiert und bildete jetzt einen Keil, in dessen Mitte der Salamander, wenigstens etwas geschützt stand, wobei Marcus und Tim die Spitze bildeten. Der Fuchs und der Tiger waren auf Augenhöhe mit dem Hirsch, nur waren Tims Schultern fast doppelt so breit wie die des Paarhufers, der angesichts der beiden Raubtiere, die sich vor ihm Aufgebaut hatte, einen Schritt zurück machte. Avis hatte sich Rechts hinter Tim positioniert und lugte an ihm vorbei. Die kleine Gruppe musste einen seltsamen Anblick bieten. "Hier möchte doch niemand irgendetwas unüberlegtes tun, oder?" "Das werden wir noch sehen." Zischte Marcus. "Ich wollte ihn nur darüber informieren, dass meine Familie sich entschieden hat, Rechtliche Schritte zu ergreifen. Ein unprovozierter, tätlicher Angriff gegen einen Top Studenten, der darüber hinaus noch ein Sohn der Schweiger Familie ist. Aber eine öffentliche Entschuldigung könnte es vielleicht noch Abwenden. Natürlich inklusive aller Konsequenzen, die ein solches Zugeständnis hätte." "Nie und nimmer!" knurrte Marcus. "Dann sehen wir mal was die Verwaltung zu diesem Fall sagt." "Das werden wir sehen!" Der Mantel des Hirschs wallte auf, als er eine 180 Grad Drehung machte und sich schnellen Schrittes entfernte. "Das ist nicht gut." Murmelte Terrence und Avis sah den Salamander die Schultern hängen lassen, den Blick auf den Boden fixiert. "Wir stehen das durch. Zusammen." Marcus hatte seine Arme um seinen Partner gewickelt und ihn in eine feste Umarmung gezogen und presste einen Kuss auf die ledrige Oberseite des Kopfes, des Salamanders. Terrence versuchte, seinen Freund weg drücken, als wäre es ihm peinlich, doch Avis konnte ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht sehen. Terrence und Avis Blicke trafen sich und der Salamander zwinkerte dem Blauhäher zu.

Auch nach dem Mittagessen fehlte der kleine Haken, der symbolisierte, dass Frederic Avis Nachricht gelesen hatte. "Ich muss noch was wichtiges erledigen." Verkündete Marcus und bog in Richtung der Bibliothek ab, in deren Räumlichkeiten auch die Studentenvertretung der Hochschule untergebracht war. Terrence verabschiedete sich mit einem Winken vom Rest der Gruppe, bevor er seinem Freund folgte. "Glaubt ihr, dass das was ernstes wird?" fragte Tim in die verbleibende Gruppe. "Die Schweigers gehören zu den alten Familien der Stadt, genau wie die Blakes und haben genau wie diese eine Menge Einfluss." Avis war besorgt. Er kannte die Schweigers zwar nur aus den Nachrichten, mit den Blakes hatte er jedoch etwas Erfahrung gemacht und diese waren wenig positiv gewesen. Die wenige Male, die er in der Blake Mansion gewesen war, war er wenig herzlich empfangen worden. "Wir sollten uns beeilen!" Die verbliebenen beschleunigten ihren Schritt in Richtung des Gebäudes, der BWL Fakultät. Tim hatte sich von der Gruppe abgespalten, er hatte einen Block "Wellen Theorie", ein Thema, dessen Name allein eine Abneigung in Avis auslöste. Der verbliebene Rest strebe zu einem Doppelblock Außenhandel bei Professor Sharp, eine Veranstaltung, die bei keinem wirklich positive Gefühle auslöste. Frederics Antwort kam ungefähr in der Mitte der Vorlesung. "Sorry wegen letztem mal. Musste schnell auf der Arbeit helfen. Können uns gerne Treffen. Heute Nachmittag? 17:00?" "Klar" "Super. Kannst du mich dann abholen?" Er schickte Avis einen Standort. Es war mal wieder im Westpark, nahe der Stelle, an der er damals Kollins zum ersten mal getroffen hatte. Sharps Laune schien sich heute an einem Tiefpunkt zu befinden. Seine Federn standen gereizt ab und raschelten bei jedem Schritt noch bedeutend stärker als sonst. Die schwarzen Lackschuhe knallten auf dem polierten Holzboden. "... und deshalb müssen Waren der Kategorie 6 bis 23A, für den Export nach Parlin, als Sonder Ware gemäß der Verordnung 433/2 des Handel- Harmonisierungs-Abkommens..." Terrence und Marcus tuschelten neben Avis, doch waren sie so leise, dass der Blauhäher, trotz seiner direkten Nähe zu ihnen, nur hin und wieder einzelne Satzfetzen verstehen konnte. "Du musst das nicht machen..." "... ist aber das Richtige..." "... das Risiko ist zu groß..." "...das Risiko ist es absolut Wert." Es gab einen lauten Knall. "Terrence Melnic, Marcus Lloyd, könnten sie bitte davon absehen, ihre Sitznachbarn, durch euer, sicherlich sehr wichtiges Gespräch, abzulenken." Sie saßen in der 6. Reihe des Lesesaals, in dem problemlos 300 Studenten Platz hatten. Und die beiden waren wirklich leise gewesen, doch hatte er sie dennoch bemerkt. "Wenn nötig können sie die Vorlesung verlassen, seien sie dann aber nicht verwundert, dass sie relevante Inhalte verpassen. Ansonsten schlage ich ihnen vor, ihre Konversation zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen."

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