25. gemähter Grashalm

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Besorgt beobachtete ich Alia von der Seite. Sie war zur Salzsäure erstarrt, kaum dass Mr. Hanson uns in seinen Plan eingeweiht hatte. Offensichtlich schien der Gedanke mit mir zusammen arbeiten zu müssen ziemlich schrecklich zu sein.

Während Mr. Hanson uns erklärte, wie das Projekt ablaufen würde und was wir tun mussten, schienen weder Alia, noch ich zuzuhören. Ich konnte mich kaum auf seine Worte konzentrieren, so sehr ich es auch wollte. Alias verspannte Schultern und ihr verkniffener Mund bannten meine ganze Aufmerksamkeit einfach viel zu sehr. Immer wieder versuchte ich meinen Blick von ihrem Profil los zu reißen, doch so wirklich wollte mir das nie gelingen.

"So haben sie nun noch irgendwelche Fragen?", beendete Mr. Hanson seinen Monolog und schaute uns zwei, wie er wohl dachte, aufmunternd an.

"Ähm ja", räusperte ich mich. "Könnten sie bitte nochmal erklären, was genau wir machen müssen, ich habe das irgendwie nicht so richtig verstanden?"

"Wie bitte?" Ziemlich entgeistert starrte Mr. Hanson mich an. Sein Verstand begriff gerade vermutlich nicht, wie es möglich war, dass ich das nicht richtig verstanden hatte.

"Tut mir leid Mr. Hanson, ich habe manchmal Konzentrationsschwierigkeiten und irgendwie kam ich bei ihrer wortreichen Erklärung nicht ganz mit." Das war so ziemlich die dreisteste Lüge die ich jemals wem erzählt hatte. Da ich Musiker war und auch in irgendwelchen professionellen Orchestern mit gespielt hatte, konnte ich eigentlich keine Konzentrationsprobleme haben, sonst wäre ich nie so weit gekommen. Aber das musste Mr. Hanson ja nicht wissen.

Während Mr. Hanson dieses Mal wieder los schwafelte, versuchte ich tatsächlich zuzuhören und bekam auch das meiste mit. Nur ab und zu ließ ich mich noch von Alia ablenken. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob ich es mir eingebildet hatte oder ob es tatsächlich passiert war, aber ich glaubte, sie lächeln gesehen zu haben, als ich von meiner angeblichen Konzentrationsstörung geredet hatte. Es war wenn überhaupt nur ein flüchtiges Lächeln gewesen, das kurz über ihr Gesicht gehuscht war. Sekunden später zierte dieselbe kalte Maske wie sonst auch ihre Züge.

Bis Mr. Hanson mit seinen Erklärungen fertig war, war die Stunde schon fast vorbei. Er hatte viel zu ausführlich erklärt und uns eigentlich schon fast den ganzen Inhalt des Projekts verraten. Ich hätte mitschreiben sollen.

"So dann macht ihr zwei euch auch mal an die Arbeit. Denkt dran in fünf Wochen ist Präsentation."

"Werden wir",antwortete ich stellvertretend für Alia und mich und ging dann zu einem der wenigen freien Tische hinten im Klassenzimmer. Ich langte nach meinem Rucksack und zog ihn zu mir herüber. Wenige Sekunden später kam Alia mit ihren Sachen ebenfalls an den Tisch. Sie setzte sich gegenüber von mir auf einen Stuhl und schwieg.

Ich schwieg ebenfalls, da ich nicht wusste was ich sagen sollte. Sie war noch verschlossener als sonst und ich hatte einfach nicht die geringste Idee, was ich tun oder sagen könnte. Also schweigen wir uns gegenseitig ein paar Minuten lang an.

"Okay ich glaube wir sollten mal anfangen, uns zu überlegen, wie wir das machen wollen",brummte ich schließlich, nachdem es mir zu blöd geworden war, noch weiter zu warten.

Alia antwortete nicht. Sie saß weiterhin stumm da und starrte vor sich hin. Ihre Augen schienen durch mich hindurchzusehen und etwas anderes, weit hinter mir, zu fixieren.

"Al?"

Wieder keine Reaktion. So langsam wurde es doch ein wenig unheimlich. Ich konnte ja verstehen, wenn sie nicht mit mir zu tun haben wollte, aber da wir in einem Projekt arbeiten mussten, wäre es nützlich, wenn sie wenigstens mit mir reden würde.

"Oh ja Sorry, ich war grade nicht ganz da." Sie schien aus ihrer Trance, oder was auch immer das gewesen war, erwacht zu sein und sah nun wirklich mich an und nicht irgendetwas hinter mir.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!