VIER.

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Ich verdrehte die Augen und zog die Mundwinkel ein. Es passte mir überhaupt nicht, dass ich heute Nacht Babysitter für irgendein reiches Snob-Girl gespielt hatte.

So etwas passte nicht zu mir. Ich machte so etwas normalerweise nicht.

Aber sie hatte mir wirklich Leid getan. Außerdem war es ein Triumph gegenüber Rocky. Ich hatte sie aus seinen gefährlichen, verletzenden Fängen gerettet.

Die Kleine hätte sich in ihn verliebt. - Ja, ich weiß, ihr denkt euch jetzt: WAS??! In dieses Arschloch?!??!

Und ich kann euch sagen: Ja, sie hätte sich in ihn verliebt.

Er wäre langsam aber sicher unter ihre Haut gekrochen, in ihr Herz, in ihr Hirn, in jeden Gedanken, den sie fassen würde.

So machte er das immer. Er war ein Psycho. Erst hätte er sie gevögelt, bis sie nicht mehr klar denken konnte, und dann hätte er ihr irgendwelche Märchen erzählt. Die Kleine wäre dann nach Hause gegangen und er wäre alle paar Tage spontan bei ihr aufgetaucht. Um sie flach zu legen. Er hätte ihr leere Versprechen gegeben und sie hätte ihm alles geglaubt. Hätte ihm alles aus der Hand gefressen.

Was ich an der Sache nicht verstand - hatten die ganzen Mädchen, bei denen er diese Masche schon gebracht hatte, denn keine Augen im Kopf?!?! Konnte keine von ihnen sehen, wie hässlich, abscheulich und grauenhaft er aussah??!

Also bitte, das sah doch sogar ein Blinder mit einem Krückstock!!! Ich meinte jetzt nicht nur seine schrecklichen Tattoos, die seinen gesamten Körper - sogar sein Gesicht! - bedeckten, nein, ich meinte auch seinen irren, kranken, wahnsinnigen Blick. Die hervorstehenden Wangenknochen. Die schwarz gefärbten Haare. Der raubtierhafte Gang.

Sein gesamtes Erscheinen!! Das alles schrie doch schon förmlich „GEFAHR!!!" und „HALT DICH BLOSS FERN VON DIESEM KERL!!"

Aber nein, die ganzen kleinen Mädchen sahen das anscheinend nicht.

Angewidert schüttelte ich mich ein wenig.

Ich verstand es nicht.

Hätte sich Bambi wohl auch in ihn verliebt?

Rosie, meine ich, korrigierte ich mich in Gedanken.

Ob sie das getan hätte?

Ich hatte irgendwie das leise Gefühl, dass sie es nicht getan hätte. Sie hätte sich bestimmt ewig lang Vorwürfe gemacht und ohne Ende geweint, dass sie mit ihm geschlafen hätte und dass man sie so mit Alkohol und Drogen abgefüllt hatte.

Aber sie hätte sich nicht in ihn verliebt.

Ich musterte die Kleine unauffällig von der Seite.

Sie sah nicht so dumm aus wie alle anderen, die auf Rocky hereingefallen waren.

Nein. Sie hätte sich nicht in ihn verliebt.

Nein, das hätte sie nicht.

Zumindest hoffte ich das.

„Laureeeeen!!"

Ich schrak ein wenig zusammen, als ich so unsanft aus meinen düsteren, verwirrenden Gedanken gerissen wurde.

Missmutig drehte ich mich zur Seite und spähte mit zu Schlitzen verengten Augen in die Seitenstraße. Wer rief nach mir? Wehe das war jemand von den Ferrets...

Aber Gott sei Dank war es nur Tamara.

Eine ziemlich zerzauste, fertig aussehende Tamara.

„Yo Bro, alles fit im Schritt?", begrüßte sie mich grinsend und drückte mir stürmisch einen Kuss auf die Wange. Ich antwortete wie immer nichts. Aber das störte Tamara nicht, sie kannte mich inzwischen gut genug. Sie drehte sich jetzt zu Rosie um und betrachtete sie mit großen Augen.

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